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Die Niederländerin Lesley Kerkhove ist mit der Damen-Mannschaft des TC Bad Vilbel in der Bundesliga noch ungeschlagen.

TC Bad Vilbel

Warum der TC Bad Vilbel von der deutschen Meisterschaft träumen kann

Der TC Bad Vilbel ist nach drei Spielen in der Tennis-Bundesliga der Damen noch ungeschlagen. Sportdirektor Marcello Craca erklärt bei uns exklusiv die Hintergründe des Erfolges.

Irre! Der TC Bad Vilbel ist - Mitte der Saison - der Topfavorit auf die deutsche Tennis-Meisterschaft der Damen. Als Aufsteiger. Mit drei Siegen aus drei Spielen führt die Mannschaft aus der Wetterau die Bundesliga-Tabelle an, ist als einziges Team noch ungeschlagen. Und das im Sommer des 60-jährigen Vereinsbestehens. Man denke nur von Spiel zu Spiel, bleibt Marcello Craca, Sportdirektor beim TCBV und Chef der Mannschaft, aber Realist. Nach dem Auftaktsieg gegen den TC Bredeney (7:2) wurden Hannover (5:4) und zuletzt auch Karlsruhe (8:1) geschlagen. Doch: "Das mag mitunter deutlich ausschauen. Aber die Spiele waren viel enger als die Gesamtresultate dies vermuten lassen. In allen Begegnungen sind die Partien eben irgendwann auf die richtige Seite gekippt." Dennoch sagt Craca: "Wenn mir das vorher einer so gesagt und angeboten hätte, da hätte ich sofort eingeschlagen."

TC Bad Vilbel: Extrem starker Kader trifft auf Karlsruherinnen mit Verletzungspech

In Karlsruhe waren die Brunnenstädterinnen am Freitag mit ihrer bis dato stärksten Besetzung zum ersten Auswärtsspiel gefahren. Erstmals mit Viktoria Kuzmova, dahinter mit Kirstin Filpkens und (!) Tatjana Maria, sodass Johanna Larsson, die zuvor an Position zwei überzeugt hatte, nun gar an Position vier antrat. "Wir wollen immer mit der bestmöglichen Besetzung antreten", sagt Craca. Bad Vilbel profitierte einerseits vom qualitativ stark und tief besetzten Kader und andererseits vom Verletzungspech der Gastgeberinnen. Das zweite Einzel und in Folge auch ein Doppel wurden abgeschenkt, zudem war an Position sechs eine erst 15-Jährige dem Spiel von Lesley Kerkhove nicht gewachsen. "Drei Einzel sind im Matchtiebreak entschieden worden. Da haben wir auf der letzten Rille gewonnen. Das zeigt, wie eng es dennoch war", sagt Craca nach dem Erfolg, der von den rund zwei Dutzend mitgereisten Fans aus der Wetterau gefeiert worden war. "Natürlich ist man im ersten Moment erleichtert. Aber dann schaut man aber auch schon: Wer spielt wo? Wer steht zur Verfügung, wer eher nicht?"

Aus Karlsruhe verteilte sich die Mannschaft noch am Abend wieder in alle Himmelsrichtungen. Dirk Hinkel, der TCBV-Klub-Chef, chauffierte Johanna Larsson und Kirstin Filpkens höchstpersönlich nach Nürnberg, wo in dieser Woche ein mit 226 000 Dollar-Preisgeld dotiertes Sandplatzturnier ausgetragen wird. Bibiane Schoofs und Lesley Kerkhove zog es hingegen weiter nach Paris, wo in den kommenden beiden Wochen die French Open ausgespielt werden. Viktoria Kuzmova, die sich bei ihrem Debüt ungemein bissig präsentiert hatte, wurde von Craca an den Flughafen Stuttgart gebracht, Tatjana Maria reiste zurück nach Straßburg, wo sie in dieser Woche ein WTA-Turnier (ebenfalls mit 226 000 Dollar Preisgeld dotiert) bestreitet, während Julia Terziyska und die Usingerin Mara Guth, die als Ersatzspielerinnen mitgefahren waren, die Heimreise nach Bad Vilbel antraten.

TC Bad Vilbel: Nach der French-Open geht es in Stuttgart weiter

Bislang habe immer alles "ganz gut hingehauen", sagt Craca angesichts der neuen logistischen Herausforderungen, die die Bundesliga mit sich bringt, und denen im Vorfeld mit großem Respekt begegnet worden war. In Bad Vilbel werde viel Zeit und Aufwand in Kommunikation und ein "Wohlfühlklima" (O-Ton Craca) gesteckt. Wird kurzfristig noch eine Hotel-Übernachtung benötigt? Welche Flugroute zum nächsten Turnier passt am besten? Wie ist die günstigste Zugverbindung? Der TCBV kümmert sich, und die Spielerinnen zahlen dies mit Engagement, Leistung und Identifikation zurück.

Nach der French Open-Pause geht’s für Bad Vilbel noch nach Stuttgart-Waldau (2. Juni), zu Hause gegen Aachen (7. Juni) und zum Abschluss zwei Tage später nach Dresden, zum aktuellen Schlusslicht. Wer den Spielplan genau studiert, der träumt gar vom vorzeitigen Titelgewinn auf eigener Anlage im Heimspiel gegen Aachen. Dann - das ist geplant - soll Anastasija Sevastova, die aktuelle Nummer 13 der Weltrangliste, in Bad Vilbel aufschlagen.

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