Amir Mustafic ist seit dem Jahr 2012 als Trainer beim Hessenligisten FV Bad Vilbel aktiv.
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Amir Mustafic ist seit dem Jahr 2012 als Trainer beim Hessenligisten FV Bad Vilbel aktiv.

Hessenliga

Warum Trainer Amir Mustafic an den Klassenerhalt mit dem FV Bad Vilbel glaubt

Amir Mustafic kann Abstiegskampf. Das musste der 45-Jährige in seiner Fußballer-Karriere oft unter Beweis stellen. In dieser Saison steckt der Trainer mit dem FV Bad Vilbel im unteren Tabellendrittel der Hessenliga fest. Ein Interview.

Die Krise beim Fußball-Hessenligisten FV Bad Vilbel hat sich nach der 1:6-Niederlage beim KSV Hessen Kassel weiterverschärft. Trainer Amir Mustafic, im achten Jahr als FV-Trainer. hat im Interview die sportliche Situation erläutert, aber auch über seine persönlichen Ziele und Erinnerungen an frühere Zeiten gesprochen.

Amir Mustafic, wie fällt Ihre Zwischenbilanz nach dem ersten Halbjahr in dieser Hessenliga-Saison aus?

Amir Mustafic: Von der Spielanlage und dem Willen der Mannschaft her kann ich zufrieden sein. Aber aufgrund von individuellen Fehlern haben wir viele Punkte liegen lassen. Deswegen kann man insgesamt mit Platz 13 nicht ganz zufrieden sein.

Wie sehen Sie den FV Bad Vilbel im Vergleich zur Konkurrenz aufgestellt?

Mustafic: Andere Vereine haben sicherlich mehr Möglichkeiten und sind besser aufgestellt, aber ich akzeptiere die Bedingungen bei uns. Wir versuchen, daraus das Beste zu machen. Ich würde mir natürlich wünschen, mehr in Spieler investieren zu können, aber wenn das nicht drin ist, muss man eben mit dem Material arbeiten, welches zur Verfügung steht. Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Kader zufrieden.

Kann sich der FV längerfristig in der Hessenliga etablieren?

Mustafic: Das ist meine Hoffnung. Das liegt ja auch an meiner Arbeit und an den Jungs, ob wir das schaffen. Wir haben genügend Potenzial in der Mannschaft, um in der Hessenliga zu bleiben. Was in der fernen Zukunft sein wird, kann ich schwer voraussehen. Der Fußball ist einfach zu schnelllebig.

Spielerisch ist Ihr Team oft auf gleicher Höhe, es hakt aber an der Chancenverwertung. Wie treten Sie diesem Problem entgegen?

Mustafic: Im vorderen Bereich ist das schwer, zu trainieren. Man muss den Jungs Glauben schenken und ihnen vermitteln, dass sie es können. Ich bin der Hoffnung, dass wir unsere Chancen in Zukunft besser verwerten.

2012 kamen Sie als Spielertrainer zum FV. Hätten Sie gedacht, dass Sie im Jahre 2020 noch hier sind?

Mustafic: Damals war daran nicht zu denken. Der Verein lag total am Boden. Bad Vilbel hatte sich in der Verbandsliga gerade vor dem Abstieg gerettet und die Mannschaft war nicht auf dem Leistungsstand, den ich mir vorstellte. Es gab viele Abgänge und so mussten wir viele neue Spieler holen. Der Ruf des Vereins war damals nicht so gut wie heute, sodass es sehr schwierig war, die Spieler zu finden. Mit der Entwicklung seitdem bin ich sehr zufrieden.

Ist ein Vereinswechsel, beispielsweise in die Regionalliga, bei Ihnen denkbar?

Mustafic: Ich bin ein ehrgeiziger Typ. Einen Regionalligisten zu trainieren, traue ich mir auf jeden Fall zu. Es ist aber nicht so, dass ich das um jeden Preis will. Das kann man auch nicht planen.

Als Sie 1990 aus Bosnien nach Deutschland kamen, landeten Sie in Gaggenau (Baden-Württemberg). Wie schnell konnten Sie sich als junger Mann integrieren?

Mustafic: Damals war das nicht einfach, denn ich konnte die deutsche Sprache nicht. Ich bin als 16-Jähriger zu meinen Eltern gekommen, die schon länger hier waren. Ich habe in meiner Heimat in keinem Verein gespielt, sondern nur mit Freunden. Auf einem Turnier hat mich ein Trainer entdeckt und zum VfB Gaggenau in die B-Jugend geholt.

In Gaggenau spielten Sie dann lange in der Oberliga Baden-Württemberg und absolvierten zwei DFB-Pokal-Spiele. 1993 gegen den Zweitligisten Hannover 96 (1:3 nach Verlängerung) und 1995 gegen den damaligen Erstligisten TSV 1860 München mit Trainer Werner Lorant (1:6).

Mustafic: Das sind schöne Erinnerungen. Es war ein Erlebnis, vor 10 000 Zuschauern gegen Spieler wie Manni Schwabl oder Horst Heldt zu spielen. Dass wir da als Oberligist nichts reißen konnten, war von vornherein klar, aber das bleibt schon in Erinnerung.

Warum sind Sie Ende der Neunzigerjahre ins Rhein-Main-Gebiet gekommen?

Mustafic: Ich bin wegen meiner Frau ins Rhein-Main-Gebiet gekommen und spielte zunächst beim SV Jügesheim und den Sportfreunden Seligenstadt, bei der SG Höchst, beim FV Bad Vilbel und die längste Zeit beim KSV Klein-Karben, wo ich schöne Zeiten erlebte. Leider war das Ende nicht nach meinen Vorstellungen, weil ich nicht vorhatte, dort wegzugehen. Die Oberliga war allgemein damals stärker, weil sie eben viertklassig war.

Wetterauer Derbys zwischen Bad Vilbel und Klein-Karben fanden damals vor großen Kulissen statt. Warum ist das heute in der Hessenliga zwischen Türk Gücü Friedberg und Bad Vilbel nicht mehr so?

Mustafic: Damals war es ein Konkurrenzkampf zwischen Klein-Karben und Bad Vilbel. Die Spieler wechselten hin und her, beide Vereine hatten gute finanzielle Möglichkeiten. Die Rivalität im Vergleich zu Türk Gücü heute war größer. Wir spielten vor 2000 Zuschauern und das war einfach eine andere Zeit.

Wie versetzen Sie sich als 45-Jähriger in die heutige Generation hinein?

Mustafic: Ständig muss ich mich da hineinversetzen, weil ich anders ticke. Ich lerne im Umgang mit den Spielern dazu und bin in diesem Bereich einen Schritt nach vorne gekommen. Sonst hat man als Trainer keine Chance.

Sie sind berufstätig und Hessenliga-Trainer. Wie bringen Sie das alles zeitlich unter einen Hut ?

Amir Mustafic im Portrait

Amir Mustafic wurde am 11. Oktober 1974 im damaligen Jugoslawien und heutigem Bosnien-Herzegowina geboren. Mit 16 Jahren kam er nach Deutschland und zog zu seinen Eltern nach Gaggenau in Baden-Württemberg. Ende der Neunzigerjahre verschlug es den heute 45-Jährigen in das Rhein-Main-Gebiet, wo er unter anderem für die SG Höchst, den FV Bad Vilbel und den KSV Klein-Karben 269 Spiele in der Oberliga Hessen absolvierte und 26 Tore markierte. Im Sommer 2012 übernahm der zweifache Familienvater den FV Bad Vilbel in der Verbandsliga Süd. Höhepunkt seiner Tätigkeit war die Meisterschaft und der damit verbundene Aufstieg in die Hessenliga in der Saison 2017/18 sowie der ungefährdete Klassenerhalt 2018/19.

Mustafic: Das ist alles Organisationssache. Ich bekomme Unterstützung von meiner Familie, dafür bin ich ihr dankbar. Die Leidenschaft für die Sache ist wichtig, weil es sonst nicht funktioniert.

Pedro Acebes Gonzalez

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