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Warum haben Sie den FC Karben gegründet?

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Mike Buxmann (links) und Jürgen Stoppany (rechts) wollen Frank Lindner (Mitte), der  den neuen Karbener Fußballverein ab demnächst leiten soll, unterstützen.
Mike Buxmann (links) und Jürgen Stoppany (rechts) wollen Frank Lindner (Mitte), der den neuen Karbener Fußballverein ab demnächst leiten soll, unterstützen. © Uwe Born

(ub) Was bereits zu Beginn der Saison 2014/2015 die Runde machte, jedoch ab Anfang diesen Jahres scheinbar wieder in der Schublade verschwand, ist quasi auf den allerletzten Drücker doch noch zur Gewissheit geworden: Im Karbener Stadtkern haben sie einen neuen Fußballverein aus der Taufe gehoben.

Anders formuliert: Im Gegensatz zu den Jugendfußballern, die weiterhin unter dem Dach des Kultur- und Sportvereins (KSV) ihre sportlichen Ambitionen verfolgen, vollzogen die Senioren des KSV Klein-Karben den Absprung und streben mit zwei Mannschaften ab der Meisterschaftsrunde 2015/2016 unter dem neuen Namen FC Karben ein möglichst erfolgreiches Dasein in der Kreisoberliga Friedberg sowie in der A-Liga an.

Eine Tatsache, die natürlich jede Menge Fragen erzeugt: Weshalb dieser Schnellschuss, der offenbar erst Ende Mai durch die daran Beteiligten in Angriff und umgehend auch bekannt gegeben wurde? Spielten finanzielle Erwägungen die entscheidende Rolle? War das Verhältnis der KSV-Fußballabteilung zum Vorstand des Mehrspartenvereins derart gestört, dass keine andere Lösung übrig blieb? Wie verfährt der FC Karben in Sachen Nachwuchsarbeit? Und vor allem: Wie viele Mitglieder der Klein-Karbener Fußballszene bilden eigentlich das Fundament der neuen Konstruktion?

Plausible Antworten kann in erster Linie Frank Lindner geben. Als KSV-Torwart hat er die glorreichen Zeiten des langjährigen Landes/Verbands- und Hessenligisten (Hessenmeister unter Trainer Niko Semlitsch in 2000) hautnah miterlebt. Viel später, nämlich nach einer nicht mehr zu stoppenden sportlichen Talfahrt im Februar 2015, übernahm er den Posten des Fußballabteilungsleiters. Geplant ist, dass Frank Lindner nach einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der noch existierenden KSV-Seniorenfußballabteilung, in der alle vereinsrelevanten Angelegenheiten final geregelt werden sollen, beim neuen FC Karben als Erster Vorsitzender die Arbeit aufnehmen wird. WZ-Mitarbeiter Uwe Born unterhielt sich mit dem 52-jährigen Inhaber einer Versicherungsagentur über den aktuellen Stand der Dinge.

Frank Lindner, die Ausgliederung ist beschlossene Sache. War’s ein Tanz auf der Rasierklinge?

Frank Lindner: »Es galt, in sehr kurzer Zeit relativ viele bürokratische Hürden zu überspringen. Das ist letztlich vollauf gelungen. Ohne die aktive Unterstützung der Verbands- und Landesportbund-Mitarbeiter sowie von Kreisfußballwart Thorsten Bastian wäre das wohl nicht möglich gewesen«.

Das Amtsgericht, der Landessportbund, der Hessische Fußball-Verband und der Verbandsspielausschuss zwecks Spielklassen-Übernahme sowie die KSV-Führung um den Vereinsvorsitzenden Jörg K. Wulf mussten ihre Einwilligung geben. Welche Klippe war die schwierigste?

Lindner: »Wichtig war vor allem, dass die Mannschaften unseres neuen Vereins seitens des Verbandsspielausschusses in der KOL und in der A-Liga eingestuft werden, also die Spielklassen-Übernahme gewährleistet ist. Hätte das nicht funktioniert, wären die sportlichen Start-Bedingungen schlichtweg katastrophal gewesen.«

War der Austritt aus dem größten Karbener Sportverein zwingend notwendig?

Lindner: »Ja, und zwar sowohl aus sportlichen als auch aus finanziellen Gründen. Wir sind in vier Jahren drei Mal abgestiegen. Um wieder ertragreichere Zeiten einläuten zu können, brauchen wir als Fußballer jedoch einen gewissen Sockelbetrag, um Planungssicherheit zu haben. Das war im Mehrspartenverein KSV nicht mehr möglich. Es blieb uns also gar nichts anderes übrig, als die Reißleine zu ziehen«.

Drei Dinge braucht ein neuer Fußball-Verein. Einen funktionsfähigen Vorstand, genügend Spieler und ausreichend Mitglieder. Bewegt sich diesbezüglich alles im grünen Bereich?

Lindner: »Der neue Vorstand befindet sich, wie eingangs bereits erwähnt, in der Warteschleife und wird noch vor Beginn der neuen Punktspielrunde präsent sein. Neben meiner Person werden unter anderem Benny Kötter, Mike Buxmann und Jürgen Stoppany als Funktionsträger agieren. Unseren beiden Trainern Harez Habib, dem Coach der ersten Mannschaft, und Jürgen Stoppany, nach wie vor Chef unseres Reserve-Teams, stehen nahezu 40 Spieler zur Verfügung. Das sollte ausreichen, um zwei aktive Mannschaften genügend stark zu bestücken.

Darüber hinaus streben wir an, bis zum Jahresende über einen ausreichend großen Mitgliederbestand, etwa 100, verfügen zu können«.

Auch Nachwuchsarbeit gilt als wichtiger Baustein für eine sorgenfreie Zukunft. Die fehlt beim FC Karben zunächst mal komplett. Oder verlässt man sich da ganz auf die Jugendfußball-Abteilung des KSV?

Lindner: »Wir streben eine Kooperation mit der KSV-Jugendabteilung an und befinden uns diesbezüglich auf einem guten Weg. Der Verband hat in dieser Angelegenheit bereits Zustimmung signalisiert. Die Jugendabteilung hat Nutzungsrecht auf dem Günter-Reutzel-Sportfeld, wir werden dort als Pächter auftreten und auch die Pflichtspiele und Trainingseinheiten auf gewohntem Areal absolvieren«.

Würden Sie bestätigen, dass die ehemalige Seniorenabteilung des KSV Klein-Karben gegenüber dem Hauptvorstand finanziell in der Kreide stand, und wenn ja, wie ist man in dieser Angelegenheit eigentlich verblieben?

Lindner: »In mehreren konstruktiven Gesprächen konnten wir uns mit dem KSV-Hauptvorstand auf ein für beide Seiten annehmbares Ergebnis einigen. Erst dadurch war der für uns wichtigste Aspekt, die Spielklassen-Übernahme durch den Verbandsspielausschuss, quasi garantiert. In diesem Zusammenhang möchten wir uns insbesondere beim KSV-Vorsitzenden Jörg K. Wulf für die Bereitschaft zur Findung akzeptabler Lösungen bedanken«.

Mal angenommen, in der Gruppenliga Frankfurt-West wäre doch noch der Klassenerhalt geglückt. Wäre die Neu-Ausrichtung dann anders ausgefallen?

Lindner: »Definitiv nicht, denn dadurch wären die Probleme, die uns seit geraumer Zeit tangieren, nicht kleiner geworden«.

Wer Fußball spielt, verfolgt Ziele. Unter dem Dach des KSV Klein-Karben mussten die Fußballer jüngst nahezu ausschließlich Tiefschläge quittieren und sind binnen vier Jahren aus der Hessenliga in die Kreisoberliga Friedberg durchgereicht worden. Keine guten Start-Bedingungen, oder?

Lindner: »Für uns ist es in erster Linie wichtig, den Fußball in Klein-Karben wieder auf gesunde Füße zu stellen. Der freie Fall muss gestoppt werden, über weitere Ziele reden wir später. Dass unsere beiden Mannschaften nicht erneut durchgereicht werden, würde der Konsolidierung des FC Karben aber sicherlich zuträglich sein«.

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