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Wasserball ist seine Leidenschaft: Olaf Vetter betreibt den Sport seit mehr als 40 Jahren.

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Warum ein Champions-League-Teilnehmer nach Friedberg kommt

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Für die Wasserballer des VfB Friedberg ist es das Spiel des Jahres - wenn nicht sogar mehr. Der kleine Klub, der seine sportliche Heimat im Usa-Wellenbad in Bad Nauheim hat, trifft am Sonntag (16 Uhr) im Achtelfinale des deutschen Wasserball-Pokals auf den Champions-League-Teilnehmer OSC Potsdam.

Wenn am Sonntag ab 16 Uhr der Zweitligist VfB Friedberg den großen OSC Potsdam zum Duell im Achtelfinale des deutschen Wasserball-Pokals empfängt (bei freiem Eintritt), dann sind die Rollen mehr als klar verteilt. "Es ist David gegen Goliath - nur dass David keine Chance hat", sagt einer, der es wissen muss: Olaf Vetter. Der 52-jährige Center der Friedberger spielt bereits seit über 40 Jahren Wasserball, seit mehr als 20 für Friedberg.

Seine Einschätzung: "Das Pokal-Achtelfinale ist schon jetzt der größte Erfolg in unserer Vereinsgeschichte, daher hat dieses Spiel an sich schon eine ganz große Bedeutung für uns. Dass wir jetzt noch so einen hochklassigen Gegner bekommen, ist ein absoluter Gewinn für uns und die gesamte Region." Dabei sagt er aber auch ganz klar: "Wir sind der Underdog. Für uns geht es nur darum, ein paar gute Aktionen zu zeigen." Denn die Leistungsunterschiede zwischen der zweigleisigen ersten und der viergleisigen zweiten Liga sind deutlich größer als in anderen Sportarten. "Zwischen einem mittelguten bis guten Zweitligisten wie uns und der Nummer drei in Deutschland liegen Welten", erklärt Vetter.

Der Grund sind die Rahmenbedingungen. Während die Friedberger zweimal pro Woche ins Usa-Wellenbad können, wird in Potsdam alleine zweimal pro Tag trainiert. "Die Trainingsbedingungen bei uns sind ehrlicherweise sehr bescheiden", sagt Vetter. Ein Grundproblem: Im Gegensatz zu Schwimmern benötigen Wasserballer immer gleich das gesamte Becken. Dies sei in einem öffentlichen Schwimmbad aber eben nur (spät-)abends möglich. Zudem sind die Mieten ein nicht unerheblicher Kostenfaktor.

Die Folge ist ein enormes Leistungsgefälle aufgrund der Ausbildung in der Jugend sowie eine deutliche Überlegenheit im körperlichen, schwimmerischen und spielerischen Bereich. Erschwerend kommt im Potsdamer Fall hinzu, dass das Team mit dem deutschen Rekordmeister Wasserfreunde Spandau kooperiert, wenn es um die Weiterentwicklung junger Spieler geht. Deshalb lautet das Ziel von Vetter und Co. auch: "Tore verhindern statt Tore zu schießen, sonst kann es schnell böse enden."

Immerhin haben die Friedberger mit René Reimann eine echte Wasserball-Koryphäe als Trainer: Der Kapitän der Europameistermannschaft von 1989 kennt die Szene sehr gut, hat zudem mit Gästetrainer Alexander Tchigir seinen ehemaligen Nationalmannschaftskeeper als Gegner. Auch Vetter kennt seinen Trainer bereits aus früheren Zeiten. Gemeinsam haben sie in der Jugend beim SC Wedding Berlin gespielt, ehe Reimann zum Branchenkrösus nach Spandau wechselte - und Vetter Jahre später in die Wetterau übersiedelte. Die Zusammenführung im vergangenen Jahr sei daher "echt nett" und "ein echter Glücksgriff" für den Verein aus der Kreisstadt gewesen, verbessere Reimann das doch Team individuell und als Gesamtheit.

Trotz seiner 52 Jahre steht Vetter noch regelmäßig im Training sowie bei Heimspielen im Kader. Die langen Auswärtsfahrten in der Liga meide er dagegen. "Meine Mitspieler verstehen das, ich habe das fast mein ganzes Leben gemacht. Aber sie sind froh, dass sie mich noch haben und ich bei den Heimspielen noch mitmische", erklärt er. "Ich bin in meinem Alter auch eine Ausnahme, denn das Gros der Spieler ist zwischen 20 und 35 Jahre alt. Mittlerweile bin ich sozusagen ein Wasserballer in Altersteilzeit." Doch auch nach 40 Jahren fasziniere Vetter die Vielseitigkeit des Sports. "Fußballspielen kann jeder, aber Wasserball ist schon etwas anderes", sagt Vetter. Es gehe um Kondition, schwimmerisches Können, aber auch um den Kampf Mann gegen Mann, bei dem kleinere Blessuren wie Kratzer oder blaue Flecken ebenso dazugehörten wie ein tiefes Verständnis der Taktik.

Gespielt wird übrigens viermal acht Minuten, wobei zwischen den Vierteln je zwei Minuten, in der Halbzeit drei Minuten Pause sind. Aufgrund der hohen Intensität muss viel gewechselt werden - gerade gegen höherklassige Teams -, denn die Potsdamer "werden schon alle Modellathleten sein", meint Vetter. Immerhin: Im Vergleich zu den Vorjahren haben die Friedberger, die sonst fast ausschließlich von ihrer eigenen Jugendarbeit leben, vor den Saison den Kader mit einigen Neuzugängen etwas verbreitern können.

Dennoch wäre der Viertelfinaleinzug "die wohl größte Sensation im deutschen Wasserball". Nichtsdestotrotz hätten sich bereits im Vorfeld etliche Fans angekündigt. Einen Hoffnungsschimmer hat Vetter aber: "Potsdam kann sich nur blamieren und wir können nur gewinnen - auch schon nur mit einem guten Ergebnis." Foto: Chuc

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