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Im Freudentaumel bekommt Trainer Florian Schwing (r.) ein Bierglas an den Kopf. Später schiebt er es schmunzelnd auf die Unerfahrenheit seines jungen Teams.

Aufstieg via Relegation

Warum beim Gruppenliga-Aufstieg des SV Gronau bei Trainer Florian Schwing das Blut floss

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Der SV Gronau ist nach dreijähriger Abstinenz zurück in der Fußball-Gruppenliga. Es war ein Erfolg mit Ansage, dennoch kam der Aufstieg der jungen Truppe überraschend.

Die Narbe wird als Erinnerung bleiben. "Daran sieht man, dass wir eine junge Mannschaft haben. Die sind mit den großen Gläsern noch nicht so vertraut", sagt Florian Schwing. Nach dem Abpfiff des entscheidenden Relegationsspiels des SV Gronau gegen die SG Westend Frankfurt, gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die Gruppenliga Frankfurt West, bekam der SV-Trainer in der Jubeltraube ein Drei-Liter-Bierglas an den Kopf. "Eigentlich hätte ich ins Krankenhaus gehen müssen, aber es hat mich nicht davon abgehalten, zu feiern. Und glücklicherweise hat es irgendwann aufgehört zu bluten."

SV Gronau: Die Relegation als "Wahnsinns-Erlebnis"

Der SV Gronau schafft über die Relegation den Aufstieg aus der Kreisoberliga Friedberg in die Gruppenliga Frankfurt-West.

Rückblickend sei es viel schöner gewesen, über die Relegation, und nicht als Meister aufzusteigen, sagt Schwing: "Das Erlebnis war der Wahnsinn. Der schönste Moment war der Beginn der Nachspielzeit, als langsam klar wurde, das nichts mehr schief gehen wird." Dann kam der Jubel und das Bierglas.

Schwing ist ohne Zweifel der Vater des Gronauer Erfolgs. Vor zwei Jahren kam der 33-Jährige in den Bad Vilbeler Stadtteil und hob die Kreisoberliga-Truppe auf ein neues Level. Mit seinen Erfahrungen aus einem Nachwuchsleistungszentrum - Schwing war Trainer der U 17 des FSV Frankfurt - sollte er auf seiner ersten Station im Seniorenbereich das Team verjüngen und nach dem Abstieg 2016 zurück in die Gruppenliga führen.

SV Gronau: Der Altersschnitt der Mannschaft lag bei rund 20 Jahren

Das gelang auf beeindruckende Art und Weise, denn die Gronauer hatten einige Rückschläge zu verkraften. Erst zog sich Maurizio Notarangelo einen Kreuzbandriss zu, dann stand Francisco Morgese aus beruflichen Gründen in der Rückrunde nicht mehr zur Verfügung. Dafür sprang der Nachwuchs in die Bresche. Nach und nach zog Schwing junge Spieler aus der B-Klassen-Reserve in die Kreisoberliga hoch. "Jan Trepohl, Michael Flachsel und Michael Ochere haben sich in die erste Elf gespielt und eine tragende Rolle gespielt", sagt Schwing.

Wer kommt, wer geht?

Beim Gruppenliga-Aufsteiger SV Gronau wird Diogo Pereira künftig kürzer treten und hauptsächlich in der Reserve des SVG (B-Klasse) zum Einsatz kommen. Das gleiche gilt für Philipp Skora, der aufgrund seines Studiums auch eher in der "Zweiten" auflaufen wird. Dafür kommt Tigernachus Schäfer vom einjährigen Intermezzo beim FC Ober-Rosbach zurück nach Gronau. Mit Fabio da Pinto Silva (vom FC Kalbach) und Torwart Fabian Zscheich (SG Harheim) wechseln zudem zwei ehemalige Jugendspieler des FV Bad Vilbel zum SVG.

Angesichts der jungen Mannschaft, deren Altersschnitt bei rund 20 Jahren liegt, ist die Leistung des SVG in der abgelaufenen Saison so nicht zu erwarten gewesen. Nur Meister FC Karben war zu stark für die junge Truppe, zwei der fünf Saisonniederlagen kassierten die Gronauer gegen den Ligaprimus. "Da haben wir Lehrgeld bezahlt", sagt Schwing. Danach startete der SVG eine Serie von 14 ungeschlagenen Spielen, bevor wieder der FCK zu stark war. Erst am 7. April, beim 0:3 gegen den SV Steinfurth, gelang einer weiteren Mannschaft der Liga ein Sieg gegen Gronau. Die Pleiten in den abschließenden zwei Rundenspielen (0:2 gegen den FC Ober-Rosbach und 2:3 gegen den VfB Friedberg) fielen nicht mehr ins Gewicht, da Schwing seine Stammkräfte für die Relegation schonte.

SV Gronau: Starkes Sturmduo Pintol/Greco führte das Team zum Erfolg

Mit 87 Toren stellte Gronau nach Karben die zweitbeste Offensive, auch weil die Verantwortlichen vor der Saison ein gutes Gespür bewiesen. Mit dem 37-jährigen Elvir Pintol (kam von der SG Seckbach) und dem 21-jährigen Marco Greco (FSV Großenhausen) wurden zwei Stürmer verpflichtet, die gemeinsam 53 Tore erzielten. Pintol war mit 32 Treffern bester Torschütze der Liga, Greco folgte mit 21 Toren auf Rang fünf. Gefüttert wurden sie häufig von Felix Eich, "ein wichtiger Faktor für unsere Mannschaft, wie Schwing betont.

Das Prunkstück war aber die Defensive. Nur 38 Gegentore waren Bestwert in der Liga - mit Ansage. "In der vergangenen Saison sind wir im Mittelfeld gelandet, weil wir zu offensiv gedacht haben", sagt Schwing. Das Ziel vor der kürzlich beendeten Saison war nicht ein Tabellenplatz oder eine Region. Die Defensive sollte stabilisiert werden.

SV Gronau: Zehn Neuzugänge mussten vor der Saison integriert werden

Keine leichte Aufgabe, zumal zehn Neuzugänge integriert werden mussten. Doch die intensive Trainingsarbeit von Schwing gepaart mit dem Eifer der Mannschaft in den Einheiten zahlte sich aus. "Für mich als Trainer war das Wichtigste, das mir die Jungs vertraut haben. Ich fordere viel von den Jungs, sie haben viel davon umgesetzt", sagt der A-Lizenz-Inhaber. Zudem sei der Zusammenhalt im Verein "sehr, sehr gut. Stephan Firla als Spielausschussvorsitzender und der Förderverein um Uwe Schäfer halten mir den Rücken frei", sagt Schwing.

Die Abwehr war auch in den beiden Relegationsspielen zum Gruppenliga-Aufstieg der Trumpf. Auch hier überließ Schwing nichts dem Zufall. Mit Videoanalysen stellte er sein Team auf die favorisierten Gegner, die SG Ober-Erlenbach und die SG Westend, ein. Gerade im Westend-Heimspiel vor 650 Zuschauern lieferten die Gronauer einen aufopferungsvollen Kampf. "Jeder wusste, wo die Stärken und Schwächen beim Gegner liegen. Das hat den Jungs die nötige Sicherheit gegeben", sagt Schwing. Das Ergebnis gab ihm Recht, der SVG blieb über 180 Relegationsminuten ohne Gegentor.

Die Abwehr soll auch in der Gruppenliga für ausgebissene Zähne bei den Gegnern sorgen. Aber, das betont Schwing: Wir wollen uns nicht verstecken, sondern in der Liga etablieren." Zum Saisonabschluss ging es übrigens am vergangenen Wochenende nach Düsseldorf. Gut für den Trainer, schließlich sind die Biergläser dort traditionell etwas kleiner.

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