Endlich wieder Beachvolleyball: Auf der Anlage der SG Rodheim können bis zu 16 Akteure gleichzeitig und unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie spielen.
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Endlich wieder Beachvolleyball: Auf der Anlage der SG Rodheim können bis zu 16 Akteure gleichzeitig und unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie spielen.

Trotz Einschränkungen

Warum Beachvolleyball in der Coronavirus-Krise ein geeigneter Sport ist

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Die Coronavirus-Krise fordert von Sportlern viel Durchhaltevermögen und Kreativität. Etwas besser haben es die heimischen Beachvolleyballer, denn dort profitiert man von den jüngsten Lockerungen.

Satire soll überspitzen. Doch dabei entspricht sie nicht immer der Realität vor Ort. Das trifft umso mehr zu, wenn man einen Beitrag des Satire-Magazins "Extra 3" mit der Realität der heimischen Beachvolleyballer gegenüberstellt. Dort wurde am 20. Mai über den "realen Irrsinn" berichtet, den die Empfehlungen des Deutschen Volleyballverbandes (DVV) zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs im Beachvolleyball herausgegeben hatte. Mehr als "Ball über die Schnur" sei so nicht möglich, so die Kritik.

Zwei Wochen später ist davon in der Praxis kaum etwas zu spüren, sagt Peter Stößinger. Er ist Mitglied im Volleyball-Abteilungsvorstand der SG Rodheim und mitverantwortlich für Beachvolleyball, das auf der Vierfelderanlage im Rosbacher Stadtteil seinen Mittelpunkt im Wetteraukreis hat. "Wir spielen aktuell relativ normal. Wir stellen aufgrund des Abstandsgebotes aber keinen Block und wiederholen Bälle, bei denen es zu engen Kontakten gekommen wäre. Das ist nicht optimal, aber es lässt dennoch einen nahezu normalen Spielfluss zu", erklärt er - und umreißt damit Vor- und Nachteile des Rückschlagssports im Sand in diesen Zeiten.

Beim Beachvolleyball wird in Zweier-Teams gespielt - ideal, um die Corona-Regeln einzuhalten. Doch es gibt ja noch den Gegner. Der befindet sich zwar jenseits des Netzes, doch gerade bei Angriffsschlägen auf der einen und gestelltem Block auf der anderen Seite kommt es doch immer wieder zu Berührungen. Auch innerhalb des Feldes kann es für das Zweier-Team bei einem Ball in die Mitte schon einmal eng werden. Deshalb hatte der DVV in seinen Empfehlungen einen deutlichen Abstand vom Netz sowie eine neutrale Zone mitten im Feld vorgeschlagen, sodass die Spieler jederzeit den Abstand wahren können.

Während der erste Vorschlag in Rodheim in der Praxis umgesetzt wird, ist Stößinger kein Freund von der zweiten. "Ich halte nichts von Abtrennungen, denn das schafft mehr Stolperfallen als alles andere", sagt der mehrfache deutsche Seniorenmeister. Um trotzdem der Verantwortung gerecht zu werden, haben sich die Rodheimer etwas einfallen lassen: Sie nutzen eine App, um zu gewährleisten, dass immer nur maximal 16 Spieler auf der Anlage sind - und sorgen damit auch wieder Nachvollziehbarkeit. "Jeder kann sehen, wer an welchem Tag mit wem zusammen auf dem Feld stand", sagt Stößinger. Im Falle einer Infektion wären die Kontaktpersonen schnell ermittelt.

Darüber hinaus gilt: keine Zuschauer, keine Auswechselspieler, keine Umkleiden oder Duschen sowie Händewaschen vor dem Betreten der Anlage und Desinfizieren der Bälle vor und nach dem Match. "Wir kommen, spielen und gehen wieder", sagt Stößinger. Das klappe gut, zumal inzwischen rund 70 Leute in der App organisiert sind. Jeder von ihnen muss außerdem vor seinem ersten Besuch einen Frage- bogen zur eigenen Gesundheit sowie mit allen Kontaktdaten ausfüllen, der in der Geschäftsstelle aufbewahrt wird.

Ebenfalls überraschend gut laufe es mit dem Ablegen einer Sitte, die im Volleyball völlig normal ist: das Abklatschen nach einem Punktgewinn. Das ist in Zeiten von Corona natürlich untersagt. "Ich wundere mich, dass wir das so gut im Griff haben"; sagt Stößinger. "Nur ab und zu sieht man einen, der mal zuckt und es sich dann anders überlegt."

Einziges Problem: An Wettkampfsport ist unter diesen Bedingungen nicht zu denken. Vor allem auf nationaler Ebene gibt es aufgrund der Unterschiede der Corona-Beschränkungen in den verschiedenen Bundesländern große Diskrepanzen. Auch die Austragung der Hallensaison ab Herbst ist damit weiter ungewiss. Zwar ist das Training in der Halle prinzipiell wieder erlaubt - allerdings sind die Regeln hier deutlich strenger, zumal die Mannschaften mit fünf Personen pro Team auch deutlich größer sind. "Es ist noch nicht absehbar, wann es wieder richtig los geht", sagt Stößinger.

Auch deshalb - und natürlich auch wegen des guten Wetters - geht es für die Rodheimer damit raus auf die Beachvolleyball-Anlage. "Man merkt den Leuten schon an, dass vielen die Ballwiederholungen aus den letzten Wochen fehlen, um gleich richtig reinzukommen", sagt Stößinger. Normalerweise wird vor der Beginn der Sommersaison gerne mal in sogenannten Beach-Camps im Ausland an der Form gefeilt. Das fiel in diesem Jahr weg. Womöglich könnten die Freunde des Beachvolleyballs in Rodheim aber bald auf ihre Kosten kommen. Der Verein spielt mit dem Gedanken ein eigenes Camp auf die Beine zu stellen, spruchreif sei laut Stößinger allerdings noch nichts.

Sein Fazit fällt dennoch positiv aus: "Wir als Beachvolleyballer sind im Vergleich in einer komfortablen Situation."

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