+
Brandon Oberwallner ist seit August der Schwimmtrainer der SG Wetterau. Im kommenden Jahr möchte der 19-Jährige, dass seine Schützlinge von ihrer Leistung her bei deutschen Meisterschaften starten können. (Foto: Nici Merz)

SG Wetterau

Warum ein 19-Jähriger die besten Schwimmer der Wetterau trainiert

  • schließen

Bei der SG Wetterau hat mit Brandon Oberwallner ein 19-Jähriger vor Kurzem das Traineramt übernommen - und sogleich große Ziele für den Verein formuliert. Ein Fulltime-Job für Trainer und Sportler.

Eigentlich ist Brandon Oberwallner Wasserballer beim VfB Friedberg und spielt mit seiner Mannschaft in der 2. Bundesliga Süd. Doch seit August ist er auch Trainer der Startgemeinschaft Wetterau, einem Zusammenschluss aus dem Schwimmclub Bad Nauheim und der Schwimmabteilung des VfB Friedberg. Dort trainiert er rund 25 Leistungsschwimmer. Ein Interview mit einem 19-Jährigen, der klare Ziele hat – für seine Sportler, seinen Verein und für sich selbst als Trainer.

Was macht für Sie die Faszination am Schwimmsport aus, wo Sie doch selbst nie Leistungsschwimmer waren?

Brandon Oberwallner: Einmal ging es mir darum, um mir selbst zu beweisen, dass ich diesen Job machen kann. Denn nicht wenige haben am Anfang zu mir gesagt, dass ich das nicht schaffen werde. Andererseits finde ich den Schwimmsport einfach megacool. Er ist leider viel zu unpopulär in Deutschland.

Wie gehen Sie damit um, dass außer während der Olympischen Spiele kaum einer vom Schwimmsport Notiz nimmt?

Oberwallner: Mit meinen Freunden, die wie ich beim VfB Friedberg Wasserball spielen, habe ich darüber schon früher in der Schule immer viel geredet. Der Fußball ist einfach der Massensport, dahinter kommt vielleicht noch Handball – und dann sieht man, dass es im Wetteraukreis nur in Friedberg und Bad Nauheim überhaupt Schwimmvereine gibt. Das Problem dabei ist, dass wir ein Schwimmbecken von der Größe 20 Meter x 50 Meter brauchen, wohingegen es im Fußball reicht, sich im Garten oder auf der Straße ein Tor abzustecken und einen Ball zu haben. Auf der anderen Seite ist Schwimmen aber für mich mittlerweile ein Fulltime-Job mit Vor- und Nachbereitung des Trainings und der Wettkampfbetreuung am Wochenende. Deshalb muss da medial aus meiner Sicht auch mehr passieren.

Alleine im Usa-Wellenbad sind wir aktuell acht Vereine, die sich die Wasserzeit teilen müssen

Brandon Oberwallner

Wie ist es um den Schwimmsport in der Wetterau bestellt?

Oberwallner: Im Vergleich zu großen Vereinen in Frankfurt oder auch in Wetzlar haben wir mit unseren zehn Stunden Wassertraining pro Woche bei der SG Wetterau gerade einmal die Hälfte von dem, was andere haben. Ich habe vom Gefühl her, eine Bahn für eine Stunde zur Verfügung, die anderen haben vier Bahnen für drei Stunden, was auch daran liegt, dass wir nur ins Usa-Wellenbad gehen können. Aber wir haben in der Vergangenheit trotzdem schon sehr gute Schwimmer hervorgebracht, die auch bei deutschen Meisterschaften angetreten sind, aber meist irgendwann den Weg in einen größeren Verein gewählt haben, wo sie bessere Bedingungen vorfinden.

Verschärft sich das Problem durch die vermehrte Schließung von Schwimmbädern?

Oberwallner: Es geht ja nicht nur um die Schließung von Schwimmbädern, sondern die Situation verschärft sich noch mehr dadurch, dass es gleichzeitig immer mehr Vereine gibt, die ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Alleine im Usa-Wellenbad sind wir aktuell acht Vereine, die sich die Wasserzeit teilen müssen. Außerdem sind wir in Bad Nauheim eine Kurstadt, die die entsprechenden Badegäste hat, die eben auch ihren Platz haben möchten – und idealerweise auch keine nassen Haare durch uns bekommen wollen (lacht).

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus? Laut Studien können immer weniger Kinder überhaupt schwimmen.

Oberwallner: Das stimmt. Es führt dazu, dass die Kinder immer weniger am Schwimmsport interessiert sind. Ich habe das Gefühl, dass Fußball immer präsenter wird und andere Sportarten nach und nach abgehängt werden. Beispielsweise im Wasserball war mein Jahrgang als Jugendspieler super aufgestellt, mittlerweile ist die Mannschaft nicht einmal mehr halb so groß. Das ist also eine Zukunftsfrage.

Was ist Ihr Ziel als Trainer?

Oberwallner: Mittlerweile sage ich: Gebt mir noch ein Jahr, dann ist die SG Wetterau wieder so weit, dass wir bei deutschen Meisterschaften Starter haben. Das ist das klare Ziel.

Mein Training tut weh, aber ich sage immer, dass es etwas gibt, dass noch mehr weh tut

Brandon Oberwallner

Wie darf man sich ein Training bei Ihnen vorstellen?

Oberwallner: Mein Grundprinzip ist "Hart aber fair". Die Schwimmer wollen etwas erreichen, sie haben mir ihre Ziele mitgeteilt und daher auch an mich gewisse Erwartungen. In den vergleichsweise geringen Trainingszeiten, die wir haben, müssen wir ordentlich reinhauen. Es wird alles individualisiert – je nach Strecke und Lage. Wir machen aktuell zehn Stunden Wassertraining und sieben Stunden an Land. Mein Training tut weh, aber ich sage immer, dass es etwas gibt, dass noch mehr weh tut: Wenn man beim Wettkampf am Beckenrand angeschlagen hat und nicht die Platzierung oder die Zeit schafft, die man sich vorgenommen hat.

Was wird konkret trainiert?

Oberwallner: Schwimmen ist ein Allroundsport, man muss also sehr viel Verschiedenes trainieren. Technik ist das A und O. Schwimmen ohne Technik ist wie Fußball ohne Ball. Ansonsten trainieren wir Kraft, Schnelligkeit, Kraft-Ausdauer, Maximalkraft, also letztlich alle Komponenten, die die Sportwissenschaft kennt. Dafür mache ich Athletiktraining für den ganzen Körper. Dabei kommt es natürlich immer darauf an, welche Strecke der Schwimmer bevorzugt. Das kann ich gar nicht nur im Wasser trainieren, denn dort habe ich nur ein Siebtes meines Körpergewichts zur Verfügung.

Worauf kommt es im Schwimmsport an?

Oberwallner: Leistungsschwimmen ist ein Talentsport. Wir haben das Wasser als Element, wogegen man ankämpfen muss. Dazu braucht man einfach Talent, eine gute Lage im Wasser und für die Spitze auch den entsprechenden Körperbau mit einem großen Oberkörper und langen Armen. Außerdem ist Schwimmen viel Kopfsache. Man braucht Ehrgeiz und Disziplin, um etwas zu erreichen. Grundsätzlich empfehle ich, früh mit dem Schwimmen anzufangen, um den Grundstein zu legen.

Als ich im August als Trainer die erste Mannschaft übernommen habe, habe ich schnell gesehen, dass wir im Verein viel Talent haben, was noch gar nicht ausgeschöpft worden ist

Brandon Oberwallner

Sieht man als Trainer sofort, ob ein Schwimmer Talent hat?

Oberwallner: Ich bin der Meinung, Talent sieht man sehr schnell. Als ich im August als Trainer die erste Mannschaft übernommen habe, habe ich schnell gesehen, dass wir im Verein viel Talent haben, was noch gar nicht ausgeschöpft worden ist.

Wie eignen Sie sich die Kenntnisse für Ihren Job an?

Oberwallner: Einerseits bekommt man viel durch Gespräche mit älteren und guten Trainern mit. Andererseits bietet das Internet natürlich auch die Möglichkeit, viel bei Youtube nachzuschauen. Der Landessportbund bietet darüber hinaus Fort- und Weiterbildungen für Trainer an, die ich regelmäßig besuche. Ich möchte auch langfristig den Trainerjob als zweites Standbein haben.

Info

Brandon Oberwallner im Portrait

Brandon Oberwallner spielt seit fünf Jahren Wasserball beim VfB Friedberg. Der gerade erst 19 Jahre alt gewordene Trainer hatte dort in der Jugend bereits Erfahrung als Übungsleiter gesammelt und seine Lizenz gemacht. Nach einer Anfrage von der SG Wetterau hat er im vergangenen August die erste Mannschaft übernommen, nun soll auch die zweite Mannschaft dazukommen. Der gebürtige Schwalheimer studiert ab Oktober Sportwissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt. Die SG Wetterau verfügt neben Kindergruppen über drei Mannschaften, die nach Leistungsstand und Erfahrung unterteilt sind und einmal im Jahr auch zu Ligenwettkämpfen antreten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare