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Die Tischtennis-Saison ist unterbrochen - und könnte bis Anfang September fertig gespielt werden.

Coronavirus-Krise

Vom Warten und neuen Wegen: So gehen Wetterauer Sportvereine mit der Coronavirus-Krise um

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Die Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus treffen auch die Sportler, die meist fernab der großen Öffentlichkeit ihrem Hobby nachgehen. Wir haben uns bei Vereinen in der Wetterau umgehört.

Die Eishockey-Saison wurde vorzeitig beendet, der Fußball pausiert, Handball und Basketball haben bis auf die Profiligen ebenfalls den Betrieb eingestellt und befinden sich nun bereits in der Sommerpause. Doch was ist mit denen, die entweder erst im Sommer in die neue Runde starten wollten - oder auch denen, an die im normalen Sportalltag kaum einer denkt. Wir haben unter anderem bei Footballern, Tischtennis-Cracks und Schwimmern nachgefragt, wie hart sie von den Auswirkungen des Coronavirus getroffen sind. Hier ist das Ergebnis der großen Umfrage in der Wetterau:

Coronavirus-Krise: Footballer warten auf Saisonstart - Darts-Spieler waren eigentlich schon auf der Zielgeraden

Darts:Beim Dartsclub Wetterau geht man kreativ mit der Corona-bedingten Zwangspause um: Zehn der 75 aktiven Spielern des im Beienheimer "Raabenest" beheimateten Vereins haben sich auf einer Online-Plattform angemeldet und spielen nun mittels Webcam zweimal pro Woche ein Turnier gegeneinander. Der Spieler sieht das Board des anderen, kann über das Mikrofon mit dem jeweiligen Gegner sprechen und gibt nach einer Aufnahme seine Punkte selbstständig ein. "Das macht auch Spaß. Wir haben eben aus der Not eine Tugend gemacht", sagt Marcus Feick, der Vorsitzende des Klubs. Bereits zuvor hätten einige Spieler die Plattform genutzt, um ein Solo-Training mit einem Spiel gegen Gegner aus aller Welt aufzulockern. "Die Herausforderung ist momentan eher, eine Webcam zu bekommen", erklärt er. Wer keine hat, muss eben alleine mit dem Board die Form für den aktuellen Hessenliga-Spitzenreiter konservieren. Immerhin: Finanziell "sind wir vollkommen unabhängig", sagt Feick. "Wir hoffen nur, dass auch unserem Wirt nicht die Puste ausgeht." Ebenfalls aus der Kippe: die dritte Auflage des DC-Wetterau-Cups Anfang Oktober. "Wir wissen einfach nicht, wie sich die Lage entwickelt".

American Football:Sitzungen des Sportausschusses via App, Taktikerklärungen auf der Playstation, Team-Sitzungen mithilfe von Skype: Football-Landesligist Wetterau Bulls hat sich auf die Kontaktverbote in Zeiten des Coronavirus eingestellt. Und doch haben die Spieler von Trainer Kevin Richter Hummeln im Hintern: "Sie wollen trainieren, sie wollen spielen - sie haben einfach Bock", sagt der ehemalige Profi von Frankfurt Universe. Bis Anfang Mai sind vom Verband vorerst der Spiel- und der Trainingsbetrieb ausgesetzt, erste Jugendspiele bereits verschoben. Doch Richter sieht auch den Ligastart seines Teams, eigentlich für den 15. Mai vorgesehen, stark gefährdet. "Ich glaube nicht, dass wir dieses Jahr groß spielen - und wenn überhaupt, dann mit reduziertem Spielplan." Dabei hatte sich der noch junge Klub im zweiten Jahr nach seinem ersten Aufstieg einiges vorgenommen. "Wir haben viele neue Spieler, stehen also gut da und wollen Aufstieg, sagt der Coach. "Aber wenn es dieses Jahr nicht klappt, dann eben nächstes." Denn eins kommt für ihn nicht in Frage: ein Kaltstart. "Wir mussten wetterbedingt viel in der Halle trainieren, einige hatten noch gar kein Kontakttraining. Da ist für mich ein Spiel nicht durchführbar. Wir brauchen uns ja jetzt keine Gedanken um Corona machen und dann brechen sich die Jungs beim ersten Tackling ein Bein", sagt Richter. Seine Spieler versuchen die freie Zeit mit Online-Taktik-Schulungen, Challenges auf Instagram und einem vom Verein aufgelegten Einkaufsservice für betroffene und gefährdete Menschen (wir berichteten) zu überbrücken. "Uns geht es wie allen anderen: Die Ungewissheit können wir nicht ändern."

Coronavirus-Krise: Tischtennis-Spieler sind (noch) entspannt, Schwimmer bangen um Finanzen

Tischtennis:Auch hier ruht - natürlich - aktuell der Trainings- und Wettkampfbetrieb. Aber: Die Saison ist nicht abgebrochen. Alles weitere jedoch "steht in den Sternen", wie der neue Kreiswart Henrik Jasper unumwunden zugibt. Besonders die Fragen nach Auf- und Abstieg im Falle eines Abbruchs treiben ihn momentan um. "Jede Reglung ist unfair. Aus meiner Sicht kann man nicht gerecht werden, denn einen trifft es immer. Eine Annullierung wäre aus meiner Sicht daher im Fall der Fälle das Beste", erklärt er. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, noch hat der Hessische Tischtennisverband, der den Spielbetrieb bis einschließlich 19. April ausgesetzt hat, keine endgültige Entscheidung getroffen. Für Jasper nachvollziehbar, denn "Rein theoretisch haben wir ja bis September, wenn die neue Saison beginnt, Zeit. Und Tischtennis kann man auch mehrfach pro Woche oder zur Not auch mehrere Spiele pro Tag in Turnierform spielen", erklärt der Mann vom TTC Bad Nauheim/Steinfurth. "Aber da die Gesamtlage durchaus ernst ist, muss man auch sagen, dass es Wichtigeres gibt als Sport."

Schwimmen:Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) hat alle Veranstaltungen bis zum 31. Mai abgesagt. Darunter fallen zahlreiche Titelkämpfe, von Hessen- bis zu Europameisterschaften - und auch das für den 1. Mai geplante Frühjahrs-Meeting der SG Wetterau. Zum einen sollte dieser Wettkampf im Usa-Wellenbad die Möglichkeit bieten, Qualifikationsnormen zu erreichen, zum anderen ist diese Zusammenkunft auch stets über Meldegelder die einzige externe Einnahmequelle für die SGW. "Das spürt man dann natürlich schon", sagt Vorstandsmitglied Kerstin Uhlig. Man selbst müsse dann wiederum schauen, inwiefern man Starts bei Wettkämpfen in der zweiten Jahreshälfte finanziere. "Wenn’s um Pflichtzeiten geht, ist das natürlich kein Thema. Ob aber auch der eine oder andere zusätzliche Wettkampf zum Experimentieren geschwommen werden kann, muss man abwarten." Für den Nachwuchs hat Trainerin Ute Rothenstein Pläne erarbeitet. Beweglichkeit, Erhalt der Fitness und Übungen mit dem eigener Körpergewicht stehen im Vordergrund. "Vielleicht lässt sich über diesen Weg ja auch die gesamte Familie dazu bewegen, etwas zu tun", sagt Uhlig. Sie weiß: Die Masters-Schwimmer, also die Erwachsenen, "haben ihr eigenes Bewusstsein und suchen sich einen Ausgleich".

Coronavirus-Krise: Skaterhockey-Spieler waren heiß auf die neue Saison, beim Baseball ist nicht mal das Spielfeld fertig

Baseball:Die Friedberg Braves nehmen mit einer Herren- (Landesliga) und einer Jugend-Mannschaft am Spielbetrieb teil. Der Punktspiel-Auftakt war ursprünglich für den 19. April geplant und wird nun verschoben. "Die Jungs wollen gerne trainieren und spielen und sind natürlich etwas gefrustet. Aber mehr als zwei Jungs, die sich treffen, um sich gegenseitig die Bälle zuzuwerfen, ist derzeit eben nicht drin", sagt Vorstandsmitglied Franzisco Lucio-Tippmann, der Baseball in der Kreisstadt quasi schon seit den Anfängen Ende der 1980er-Jahre begleitet. Das Hauptproblem der Braves: das Spielfeld, die Seewiese. Alljährlich muss vor allem das Infield aufbereitet werden, nachdem die Seewiese in der Hoffnung auf einen kalten Winter Jahr für Jahr geflutet wird. Einen bis zwei Arbeitstage mit rund 15 bis 20 Leuten nimmt der "Feldbau" stets in Anspruch. Der ursprünglich geplante Termin am Wochenende war natürlich nicht zu halten. "Wir können nur abwarten. Und müssen nach behördlichen Lockerungen sehen, dass wir erstmal das Spielfeld aufbereiten, bevor wir trainieren können", sagt Tippmann. Die Saison an sich sieht er aber (noch) nicht gefährdet. "Man muss nun erstmal abwarten, wie lange sich das hinzieht. Ob’s dann am Ende aber wirklich sinnvoll ist, beispielsweise noch im Oktober zu spielen, ist auch zu überlegen." Einbußen im wirtschaftlichen Sinne seien durch die aktuelle Lage nicht zu befürchten, sagt Lucio-Tippmann, der auch die Kasse des Klubs verwaltet.

Skaterhockey:Patric Pfannmüller, Sportlicher Leiter und Trainer des Zweitbundesligisten Rhein-Main Patriots sowie Landesfachwart im Hessischen Rollsport- und Inline-Verband, sieht im Fußball den Gratmesser für den Saisonstart seiner Sportart. Aktuell ist der Spielbetrieb bis einschließlich 26. April ausgesetzt. "Ich denke, vor Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni wird es bei uns sicher nicht losgehen." Eine Saison dann bis in den Dezember hinein halte er für möglich und umzusetzen; gegebenenfalls mit einem Verzicht auf die Pokalrunde. Finanziell würde man sicherlich auch eine Saison ohne Spielbetrieb "überleben", doch würden den Patriots Einnahmen aus gleich mehreren Bereichen fehlen. Neben Eintrittsgeldern spielen aber auch die Umsätze der Gastronomie, gerade nach Spielen des Nachwuchs, eine Rolle. Zudem finanzieren sich die Patriots auch durch Einnahmen der Hallenvermietung. All diese Bausteine fallen aktuell weg. "Wir können dies einige Monate sicher gut abfedern. Wenn der Spielbetrieb erst einmal läuft, wird sich dies auch normalisieren. Momentan ist’s sicher ärgerlich, gerade für die Jungs, die heiß sind, endlich wieder loszulegen. Andererseits hilft uns Meckern und Jammern ja auch nicht weiter."

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