Klaus Hille
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Eishockey

Geduld und Perspektiven: Die Eishockey-Branche wartet auf Tag X

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Die Eishockey-Spielerberater Günter Oswald, Klaus Hille und Klaus Weber sprechen über die aktuelle Lage, Perspektiven und den Spielermarkt.

(gsc). "The boys are back in town." Normalerweise ist das Anfang August die Nachricht für alle Eishockey-Fans. Diesmal aber kommen aber viele Puckjäger nicht vor Ende August zurück angesichts des zumindest auf den 2. Oktober verschobenen Saisonstarts des EC Bad Nauheim und der DEL2. Dazu eine Bestandsaufnahme mit den erfahrenen Spielerberatern Klaus Hille (Düsseldorf/Sports Consulting Group), Günter Oswald (Landshut/GOS Eishockey) und Klaus Weber (Regensburg/Intern. Sportmarketing-Agentur) unter einigen Stichworten.

Die Lage:Sie "ist überaus kompliziert - und dies für alle Seiten", sagen alle drei unisono. "Kein Spieler glaubt, dass er ohne Einbußen leben wird", erklärt Günter Oswald. Und er ärgert sich maßlos, dass die DEL diktatorisch, ohne Transparenz und arbeitsrechtlich nicht nachvollziehbar alte, bestehende Verträge verändert hat. Die Vereine seien dabei "überrumpelt worden vom Zwang der Liga", ergänzt Klaus Weber. "Ihre Macht wird nun größer, sie profitiere davon, dass die Gehälter sinken", meint Klaus Hille. "Der Markt ist gelaufen, denn schon vor der Coronakrise wurden die Verträge abgeschlossen, die jetzt nach und publik gemacht werden, um im Gespräch zu bleiben", sagt Weber. Und: "Es gibt nicht mehr viele freie Stellen. Deshalb werden jetzt auch nur noch Spieler von der Resterampe etwas preiswerter. Gute Leute werden immer Geld kosten und Geld verdienen."

Deutsche Spieler:Die stehen besonders hoch im Kurs, besonders die Jungen angesichts der Vorgaben von DEL und DEL2 zur Verjüngung der Kader - zur Freude des auf heimische Spieler fokussierten Oswald. Nur: "Es gibt zu wenig guten Nachwuchs aus den eigenen Reihen, weil auch in den letzten zehn Jahren zu wenig in die Jugendarbeit investiert wurde", sagt Weber. Mannheim, München und Berlin sind gut aufgestellt. Und dann? "Es ist kein Wunder, dass Klubs wie Iserlohn und Augsburg jetzt jammern."

Ausländische Spieler:Obwohl in der zweitklassigen American Hockey League (AHL) und der drittklassigen East Coast Hockey League (ECHL) völlig ungewiss ist, wann dort wieder gespielt werden kann, tun sich deutsche Klubs derzeit schwer, Nordamerikaner neu zu verpflichten. "Weil sie kaufmännisch sehr vorsichtig sein müssen" (Oswald), "weil die Spieler unsicher sind wegen der Einreisebeschränkungen bzw. Quarantänemaßnahmen" (Hille). Gleichwohl blicken viele Spieler nach Europa, um dort unterzukommen (siehe Perspektiven).

Saisonstart:Das Zweitliga-Ziel 2. Oktober hält Klaus Hille für "sehr ambitioniert, um das Wort unrealistisch zu vermeiden". Denn dazu müssten die Klubs Ende August voll ins Training einsteigen und wenig später ihre Kader komplettiert haben. Zum Vergleich: Die DEL will Anfang November loslegen, also einen Monat später auch als Finnland. Schweden plant ganz normal für Anfang September, Österreich für den 25. September - mit Zuschauern. Das, so Hille, wird man in Deutschland genau beäugen.

Perspektiven:"Alle Vereine und Spieler warten auf den Tag X, wenn in Deutschland klar ist: Ihr könnt loslegen. Das volle Programm, in Absprache mit den Arbeitsämtern und ohne aufschiebende Wirkung beim Vertragsbeginn", sagt Oswald. "Bis dahin werden die Vereine abwarten mit Neuverträgen und die ausländischen Spieler sich eher in andere Länder orientieren, wo die Fakten klar und die Summen fix sind."

Verpasste Chancen:"In der DEL wurde die große Gelegenheit verpasst, jetzt das Ausländerkontingent zu reduzieren", meint Weber. Obwohl er zu wenig deutsche Talente beklagt? "Ja. Das Niveau sinkt ohnehin seit Jahren, weil kein NHL-Spieler mehr in die DEL geht, sondern nur noch die dritte oder vierte Wahl aus AHL und ECHL kommen. In der neuen Saison werden die Fans wohl nur sekundär danach schauen, ob ihr Team Dritter oder Siebter ist. Jetzt geht es nur ums Überleben und darum, dass hoffentlich bald überhaupt gespielt werden kann." FOTOS: HNA

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