Walter Roth (Mitte) wurde von Landrat Jan Weckler (links) mit dem Sportehrenpreis des Wetteraukreises ausgezeichnet. Rechts: Florstadts Bürgermeister Herbert Unger. FOTO: NICKOLAUS
+
Walter Roth (Mitte) wurde von Landrat Jan Weckler (links) mit dem Sportehrenpreis des Wetteraukreises ausgezeichnet. Rechts: Florstadts Bürgermeister Herbert Unger. FOTO: NICKOLAUS

Sportehrenpreis

Walter Roth: Mit sportlicher Leistung und ehrenamtlichem Engagement

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
    schließen

Er hat Medaillen von Weltmeisterschaften mit nach Florstadt gebracht und nationale Titelkämpfe organisiert. Walter Roth hat bewiesen, dass jeder Schicksalsschlag auch etwas Positives beinhalten kann: Er bietet Menschen mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit eine Perspektive. Vom Wetteraukreis wurde dem Behindertensportler und -funktionär nun der Sportehrenpreis verliehen.

In diesem Jahr war alles eine Nummer kleiner. Kein aufwendiges Rahmenprogramm, keine Show-Elemente, nur rund zwei Dutzend geladene Gäste. Die Alternative sei gewesen, die Verleihung in diesem Jahr abzusagen. "Doch das hat das Virus nicht verdient", sagte Landrat Jan Weckler während seiner Begrüßungsrede im Plenarsaal im Kreishaus, wo am Dienstagabend zum 19. Mal der Sportehrenpreis des Wetteraukreises verliehen wurde. Die mit 2500 Euro dotierte Auszeichnung honoriert herausragende sportliche Leistung oder beispielhaftes ehrenamtliches Engagement. Walter Roth aus Ober-Florstadt verbindet die elementaren Auswahlkriterien der Jury, in der auch die Sportredaktion der Wetterauer Zeitung sitzt.

Roth sammelte im Schießsport Medaillen, Plaketten und Urkunden (unter anderem Platz zwei bei der WM 1998 im spanischen Santander), er leistet unzählige Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit im Vorstand und dient anderen Menschen als positives Beispiel für den Umgang mit körperlichen Einschränkungen. "Er hat bewiesen, dass man den Kopf nicht in den Sand stecken muss, dass man hinfallen, sich aber auch aufrichten kann. Das ist die Botschaft, die er uns in Florstadt vermittelt", unterstreicht Herbert Unger, der Bürgermeister in seiner Rede. Im Vorjahr erst hatte er dem heute 68-Jährigen den Ehrenbrief des Landes Hessen übergeben. Roth war zufällig zum Schießsport gekommen. "Nach fünf Schuss wusste ich aber: Das ist’s."

Nach seinem Unfall im Jahr 1988 habe er lange Zeit nichts mit sich anzufangen gewusst, erzählt Roth, der als Landwirt tätig war. Er habe sich überreden lassen müssen, einmal beim RSC Main-Kinzig an der Ronneburg vorbeizuschauen. "Und da habe ich Menschen gesehen, die alle fröhlich und positiv waren, obwohl einige noch schlechter dran waren als ich". Der Ehrgeiz hatte ihn gepackt. Basketball, Tischtennis, Leichtathletik - vieles hatte er ausprobiert und ist schließlich beim Schießsport hängengeblieben. "Wenn sich noch ein bisschen Erfolg einstellt, macht’s umso mehr Spaß. Man lernt viele Länder und Menschen kennen, findet Freunde", sagt Roth, der die Bezeichnung "Gegner" bewusst meidet.

Mit dem Luftgewehr gewann er WM-Silber und Bronze, seine größten Erfolge. Zeitweise war er in bis zu vier Schützenvereinen gemeldet. Selbst während einer Reha-Maßnahme blieb er im Training. "Im Nationalkader kann man es sich nicht erlauben, einfach mal sechs Wochen nicht zu trainieren", sagt Roth, der vor seinem Unfall nie mit dem Schießsport in Berührung gekommen war.

Beim Rollstuhl- und Reha Sport-Club (RSC) Main-Kinzig übernahm er in den 1990er Jahren rasch das Amt des Sportwarts, wurde später Abteilungsleiter Schießen und führt den Klub nun seit sieben Jahren als Vorsitzender. Beim SV Nieder-Florstadt, bei dem er seit mehr als 25 Jahren Mitglied ist, leitete Roth 14 Jahre lang die Pressearbeit und konnte sich im Vorjahr als Schützenkönig feiern lassen.

Im Jahr 2006 organisierte Roth die Deutschen Tischtennis-Meisterschaften der Behinderten und holte später noch dreimal die nationalen Titelkämpfe im Bogenschießen, ebenfalls im Behindertenbereich, nach Florstadt.

"Walter Roth kam einst zu uns in einer Rolle, der er aus seinem vorherigen Leben nicht kannte. Er hat aber seinen Weg gefunden, hat sich nicht zurückgezogen, sondern Verantwortung übernommen. Ohne seine Tätigkeit wäre vieles im Vereins - auch in der jüngeren Vergangenheit - nicht möglich gewesen", sagte Marianne Unta, langjährige Wegbegleitern im RSC, die am Abend als Laudatorin aufgetreten war.

Landrat Jan Weckler sah den Abend der Preisverleihung auch als "Zeichen, dass die Vereine auch in der aktuellen Zeit da sind, und dass Ehrenamt unverzichtbar ist". Es sei das Rückgrat des kulturellen Lebens. Im Wetteraukreis sind rund 2200 Vereine gemeldet, darunter etwa 630 Sportklubs.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare