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Walter Arnold: Zurück in der zweiten Heimat

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Walter Arnold
Walter Arnold © Andreas Chuc

(wi) Walter Arnold, Haudegen beim früheren Eishockey-Bundesligisten VfL Bad Nauheim, ist zurück in der Wetterau. Der Abwehrspieler mit der Rückennummer 16 ist aus seiner eigentlichen Heimat nahe Bad Tölz wieder in die Kurstadt gezogen, in die Nähe seines Sohnes Thomas und seines Enkels.

Seine Ehefrau Ute, die aus Bad Nauheim stammt, ist kürzlich verstorben. »Meine Frau hat mich beim Sport immer unterstützt. Sie fehlt mir sehr, aber zum Glück habe ich ja noch die Familie meines Sohnes Thomas. Da gibt es noch genügend Aufgaben für mich«, sagt der 77-Jährige.

Sein Sohn Thomas schien einst in die (großen) Fußstapfen seines Papas treten zu können. »Thomas war fast talentierter als ich«, sagt Arnold, der meist an der Seite des früh verstorbenen Thomas Fauerbach aus Nieder- Mörlen agierte. Arnold junior hingegen ging es wie vielen Talenten aus dem eigenen Ort, ihm wurden auswärtige Spieler vorgezogen. Thomas Arnold setzte auf die berufliche Karte. Die Implantologie fesselte ihn mehr als der schnellste Mannschaftssport der Welt. 1994 gründete er sein eigenes Dentallabor. Heute beschäftigt er 15 Mitarbeiter. Aus der Liebe zu seiner Arbeit ist noch mehr entstanden. Zusammen mit dem Zahnarzt und Implantologen Dr. Reiner Eisenkolb entwickelte er ein neuartiges minimalinvasives Implantatsystem. In dem eigens dafür ins Leben gerufenen Unternehmen nature Implants ist Sohn Martin Geschäftsführer.

Der Papa, der noch zwei weitere Kinder und fünf Enkel zu seiner Familie zählt, lacht: »Jetzt hat er doch auch mal wieder den Draht zu Eishockeyspielern, wenn er deren Zähne wieder richtet.« Und ab und zu wird Walter Arnold, den in Bad Nauheim trotz seiner langen Abwesenheit als »Hausmeister« in Greiling viele gleich erkennen, auch mal im Colonel-Knight-Stadion vorbeischauen; auch sein Bild ist im VIP-Raum zu sehen.

»Mein erster Trainer war Georg Kowarik, der zuletzt in Österreich lebte. Leider hatte ich keinen Kontakt mehr mit ihm. Danach kam unter anderem Vladi Cechura. Der beste Trainer, den ich in Bad Nauheim hatte, war jedoch der Schwede Per Lundström. Ein unglaublicher Analytiker, mit dem ich manchmal bis tief in die Nacht zusammen Videos betrachtete und auswertete. Per hatte ein großes Herz für den Nachwuchs, das war leider bei vielen seiner Vor – und Nachfolger beim VfL nicht immer die Regel.« Lundström verstarb ganz jung in seiner Heimat an einem Krebsleiden. »Dem Per hätte man in Bad Nauheim ein Denkmal setzen sollen. Ich kann heute noch nicht verstehen, dass der Vorstand seinen Vertrag trotz der Erfolge nicht verlängert hat.«

Walter Arnold, am 18. April 1938 geboren, lernte das Eishockeyspielen beim SC Reichersbeuren und wurde später beim damaligen Topklub EC Bad Tölz unter seinem »großen Idol« Mike Daski ausgebildet. Mit dem gebürtigen Kanadier steht Arnold noch heute in Kontakt, und Daski holte Arnold, nachdem dieser seine Laufbahn in Bad Nauheim beendet hatte, in seinen Trainerstab. Und hier schließt sich der aktuelle Kreis: Stolz kramt Arnold ein Mannschaftsfoto hervor. »Hier: Aus dem Jahr 2006. Da hat der kleine Pauli unter meiner Regie in Tölz gespielt.« Der »kleine Pauli« heißt mit Vornamen Andreas und spielt in der kommenden Saison für den EC Bad Nauheim. »Der EC hat viele junge Spieler geholt. Das ist der richtige Weg, aber jetzt müssen noch einige Neuzugänge mit Erfahrung her, die die Jungs führen.«

Anfang der 60er Jahre kam Walter Arnold über den Umweg Eintracht Frankfurt – »da hat man dem Chef Günther Herold vonseiten der Fußballabteilung böse mitgespielt« – zu den Roten Teufeln und blieb dort fast ein Jahrzehnt. »Kurz bevor Ladislav Olejnik kam, habe ich aufgehört und mich in Bad Nauheim und in Hessen um den Nachwuchs gekümmert. Das war hartes Brot. In ganz Hessen standen mir gerade 58 Spieler zur Verfügung, in Bayern waren es damals 8000. Alleine daran sieht man die noch heute bestehenden Probleme in Hessen aufgrund viel zu weniger Eishallen. Da ist der Fußball kontraproduktiv für unsere Sportart.«

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