Vorgezogene Bescherung

  • schließen

(kus). 30 Sekunden vor dem Ende holte Kai Wandschneider, der Trainer der HSG Wetzlar, Tibor Ivanisevic vom Feld und nahm ihn in den Arm. Wandschneider gratulierte Ivanisevic zu einer phänomenalen Vorstellung, die den Wetzlarern den Weg zur Sensation beim THW Kiel ebnete. Mit 27:20 (13:9) gewannen die Mittelhessen am Sonntag beim Spitzenreiter der Handball-Bundesliga und haben sich zwei Tage vor Heiligabend selbst ein Weihnachtsgeschenk gemacht.

"Es ist der absolute Hammer. Für uns ist das eine Riesensensation", sagte Wandschneider. Sein Team bot eine überragende Abwehrleistung - und hatte Ivanisevic zwischen den Pfosten, der nach eigenen Worten sein "bestes Bundesliga-Spiel" gezeigt hatte. Tollkühne Optimisten hätten vor dem ersten Rückrundenspieltag vielleicht auf einen hauchdünnen Erfolg der Grün-Weißen beim zuletzt aufstrebenden Branchenprimus gesetzt - aber dass die HSG Wetzlar den Rekordmeister in dessen Halle dominieren würde, das war für die HSG-Fans sicher unvorstellbar.

Aber genau dies ist am Sonntag passiert. Die Abwehr der Gäste um den bärenstarken Anton Lindskog stellte das Star-Ensemble von der Förde vor riesige Probleme - der gefürchtete THW-Rückraum spielte praktisch keine Rolle. "Wir hätten noch drei Stunden spielen können und hätten das Spiel nicht mehr gedreht", sagte Kiels Nationalspieler Patrick Wiencek bei Sky. Die HSG hat ihre Deutschland-Tournee mit den drei Spielen in Leipzig, in Berlin und in Kiel innerhalb einer Woche mit 4:2 Punkten beendet und nur am Donnerstag in der Hauptstadt verloren - Chapeau, HSG Wetzlar!

Ivanisevic, der am Ende auf 19 Paraden kam, vereitelte gleich die ersten drei Angriffe der Kieler und kassierte erst nach sechs Minuten den ersten Treffer. Doch bis dahin hatten seine Kollegen Cavor und Kristian Björnsen per Gegenstoß bereits zweimal zugeschlagen.

Und es kam noch besser für die HSG: Emil Frend Öfors brachte die Gäste nach zehn Minuten mit 4:1 in Führung. Kurzzeitig schien Kiel beim 8:9-Anschluss (24.) in die Spur zu finden. Aber hinten parierte Ivanisevic unter anderem zwei Gegenstöße sowie einen Siebenmeter von Niclas Ekberg, und vorne sorgten Maximilian Holst per Siebenmeter sowie Frend Öfors und Björnsen per Gegenstoß sowie Cavor aus dem Rückraum für eine 13:8-Führung der Grün-Weißen.

Als Cavor in der 38. Minute zum 17:11 für Wetzlar traf, wurde es ruhiger in der Sparkassen-Arena. Näher als auf vier Tore (17:21/49.) kamen die Kieler nicht mehr heran. Nach Lindskogs Tor zum 25:18 sechs Minuten vor dem Ende war das Spiel entschieden.

Kiel: Quenstedt, Landin; Ekberg (8/5), Dahmke (3), Bilyk (2), Pekeler (2), Weinhold (2), Zarabec (2), Duvnjak (1), Wiencek, Rahmel, Zarabec, Horak, Nilsson.

Wetzlar: Ivanisevic, Suljakovic; Cavor (7), Frend Öfors (6), Björnsen (5), Holst (4/4), Lindskog (3), Mirkulovski (1), Torbrügge (1), Feld, Waldgenbach, Rubin, Kristjansson.

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Christian und Fabian vom Dorff (Kaarst). - Zuschauer: 10 285. - Zeistrafen: 4:4 Minuten. - Siebenmeter: 7/5:6:4.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare