Es sieht alles nach einem ganz gewöhnlichen Fußballabend aus, doch damit beim Theo-Jansen-Pokal in Obbornhofen auch in diesem Jahr zahlreiche Zuschauer die Spiele verfolgen können, ist ein ausgeklügeltes Konzept nötig.
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Es sieht alles nach einem ganz gewöhnlichen Fußballabend aus, doch damit beim Theo-Jansen-Pokal in Obbornhofen auch in diesem Jahr zahlreiche Zuschauer die Spiele verfolgen können, ist ein ausgeklügeltes Konzept nötig.

Theo-Jansen-Pokal

Vorbereitungsturnier trotz Corona: So bewahrt der SKV Obbornhofen seine Tradition in der Krise

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Seit 48 Jahren gehört der Theo-Jansen-Pokal des SKV Obbornhofen zur Vorbereitungszeit der heimischen Fußballszene. Auch in Corona-Zeiten lässt sich der Klub das Turnier nicht vermiesen.

Es fing alles mit der Installation einer der ersten Flutlichtanlagen im Kreis Gießen an. Im Jahr 1972 wurde der SKV Obbornhofen damit zum begehrten Testspielpartner in der Region, und die Verantwortlichen entschieden, statt einzelne Spiele zu machen, ein Turnier auf die Beine zu stellen. Ein Betreuer des damaligen Teams, Theo Jansen, sponserte den Pokal - und seitdem gibt es jeden Sommer das allseits bekannte Vorbereitungsturnier. Seit vergangenen Freitag läuft die 49. Auflage. "Wir sind ein bisschen stolz darauf, dass es das Turnier immer noch gibt", sagt Klaus Jäckel, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des rund 350 Mitglieder starken SKV.

Doch fast hätte die Coronavirus-Pandemie ihn und seine Mitstreiter ausgebremst - aber eben nur fast, denn im Gegensatz zu vielen anderen Turnieren aus der Umgebung wird in Obbornhofen auch in diesem Jahr gespielt - dank eines schnell aufgestellten aber dennoch ausgeklügelten Konzepts der Verantwortlichen.

Beim Ortsbesuch wird klar: Der Aufwand dafür ist immens. Doch Jäckel und seine Mitstreiter scheuen weder Kosten noch Mühen. Die Sportanlage am Rande des 900-Seelen-Ortes ist weitläufig - ein Vorteil in diesen Zeiten. Jeder, der das Gelände betritt, wird darauf hingewiesen, sich möglichst oft die Hände zu desinfizieren, Desinfektionsmittelspender gibt es an allen neuralgischen Punkten. Dazu gibt es drei Stationen zur Registrierung: Pro Hausstand muss ein Zettel mit Kontaktdaten ausgefüllt und in eine Box geworfen werden. "Am ersten Spieltag hatten wir noch Listen, da sind wir aber zu Recht darauf hingewiesen worden, dass das vom Datenschutz her problematisch ist", sagt Jäckel. "Also gibt es jetzt eigene Zettel, und die Boxen werden immer wieder geleert, sodass wir genau wissen, wie viele Leute auf dem Sportgelände sind." Denn: Laut Hygienekonzept des Hessischen Fußballverbandes dürfen sich inklusive Spielern, Trainern, Verantwortlichen, Schiedsrichtern und Zuschauern maximal 250 Personen gleichzeitig dort aufhalten. "Da wir erfahrungsgemäß nicht mehr als 150 Zuschauer haben, passt das", sagt Jäckel.

Theo-Jansen-Pokal: Besondere Regeln auch für teilnehmende Fußballmannschaften

So geht es weiter

Freitag: FSG Villingen/Nonnenroth/Hungen – SV Harbach (18.45 Uhr), SG Birklar – Traiser FC (20.30 Uhr).

Dienstag: SG Wohnbach/Berstadt – SG Utphe/Trais-Horloff/Inheiden (18.45 Uhr), SG Obbornhofen/Bellersheim – FSG Villingen/Nonnenroth/Hungen (20.30 Uhr).

Freitag, 21. August: SG Obbornhofen/Bellersheim – SV Harbach (18.45 Uhr), Traiser FC – SG Wohnbach/Berstadt (20.30 Uhr).

Dienstag, 25. August: SG Utphe/Trais-Horloff/Inheiden – SG Birklar (18.45 Uhr), SV Harbach – SV Rainrod (20.30 Uhr).

Freitag, 28. August: Spiel um Platz drei (18.45 Uhr), Finale (20.30 Uhr).

Die Zuschauer haben die Möglichkeit, an zwei Ständen Getränke sowie an einem weiteren Stand Essen zu kaufen. Alles ist im Einbahnstraßensystem aufgebaut, Markierungen auf dem Boden sorgen für den nötigen Mindestabstand, die Bedienungen stehen hinter Plexiglasscheiben. Auf den Bierbänken gelten die Gastronomie-Regeln: Bis zu zehn Personen oder Personen aus zwei Hausständen dürfen zusammensitzen. Zum Spielfeld muss der Mindestabstand eingehalten werden. Spieler, Trainer und Schiedsrichter sind streng vom Rest separiert, sodass es nur auf dem Platz zu direktem Kontakt kommt. "Hintergrund ist, dass wir alles so weit wie möglich entzerren wollten, um den Abstand überall problemlos einhalten zu können. Denn bei diesen Temperaturen wäre es brutal, vier Stunden am Stück mit Maske Fußball zu schauen", sagt Jäckel. Dennoch bittet er um das Mitführen eines Mund-Nase-Schutzes, falls es an einer Stelle - etwa bei einem Regenguss unter dem Vordach - doch einmal eng werden sollte. Ansagen weisen in regelmäßigen Abständen auf die Verhaltensregeln hin.

Damit auch die Fußballer der pro Abend vier Mannschaften keine unnötigen Risiken eingehen, gibt es vier Kabinen und zwei Duschen - das Sportheim samt Anbau ist dafür groß genug, auch wenn etwas improvisiert werden musste. Nach dem ersten Spiel haben die beiden Teams 45 Minuten Zeit, sich zu duschen, anschließend werden die sanitären Einrichtungen gereinigt, sodass sie rechtzeitig zum Ende des zweiten Matches wieder einsatzbereit sind. Nach jedem Abend werden die Kabinen gesäubert.

Theo-Jansen-Pokal: Besondere Regeln für die Benutzung der Toiletten

Um auch diese Regeln durchzusetzen, ist allen teilnehmenden Mannschaften das Hygienekonzept im Vorfeld schriftlich zugestellt worden, die jeweiligen Hygienebeauftragten der Vereine sprechen sich an jedem Abend neu mit der Turnierleitung ab. Das Feedback ist bislang: positiv. "Alle Teilnehmer waren mit den Maßnahmen einverstanden, letztlich haben ja alle dieselben Probleme", sagt Jäckel.

Die Toiletten innerhalb der Gebäude sind nur für Spieler, Trainer und Schiedsrichter zugänglich. Zuschauer müssen auf einen eigens angemieteten Toilettenwagen vor dem Sportgelände ausweichen. "Ich habe bis heute keine negativen Stimmen gehört, die Leute haben Verständnis dafür. Vielmehr habe ich den Eindruck, sie haben wieder Lust, herauszugehen, sich zu treffen, etwas zu essen oder zu trinken und natürlich Fußball zu schauen", sagt Jäckel. Die Umsätze aus dem Verkauf an den ersten beiden Abenden geben ihm recht, Eintritt wird traditionsgemäß keiner kassiert.

Dennoch sind die Einnahmen wichtig für den Verein, der in einer Spielgemeinschaft mit dem TSV Bellersheim in der Kreisoberliga Süd an den Start geht. Trotz der zusätzlichen Kosten von rund 1250 Euro hofft Jäckel auf ein Plus am Ende der dreiwöchigen Veranstaltung. Damit das klappt, sind pro Spieltag mindestens 14 Ehrenamtliche im Einsatz, teilweise in Doppelschichten. "Die Unterstützung aus dem Verein ist groß, dafür bin ich sehr dankbar", sag Jäckel, der auch davon profitiert hat, dass langjährige Partner und Sponsoren dem Klub hier und da etwas entgegengekommen sind. Denn: "Ich selbst bin 53 Jahre alt und kenne Obbornhofen nicht ohne dieses Turnier. Es hatte bis jetzt 48-mal stattgefunden, sodass wir auch die 49. Auflage unbedingt durchführen wollten", erklärt er - und fügt an: "Hoffentlich haben wir zum Jubiläum nächstes Jahr dann wieder andere Vorzeichen."

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