Erinnerungen aus dem privaten Archiv von Karin und Wolfgang Scheunemann: Am 3. Oktober 1990 laufen Athleten aus Bad Nauheim und Bad Langensalza gemeinsam über die deutsch-deutsche Grenze.
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Erinnerungen aus dem privaten Archiv von Karin und Wolfgang Scheunemann: Am 3. Oktober 1990 laufen Athleten aus Bad Nauheim und Bad Langensalza gemeinsam über die deutsch-deutsche Grenze.

30 Jahre Deutsche Einheit

Vor 30 Jahren: Als Athleten des LSC Bad Nauheim zum ersten Tag der Deutschen Einheit über die Grenze liefen

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Die deutsche Einheit wird 30 Jahre alt - und mit ihr ein ganz besonderes Erlebnis, als Sportler des LSC Bad Nauheim am 3. Oktober 1990 die Grenze überquerten.

Der LSC Bad Nauheim und der LSV Bad Langensalza aus der Partnerschaft der Wetterauer Kurstadt erinnern sich am morgigen Tag der Deutschen Einheit an ein ganz besonderes Erlebnis vor 30 Jahren, als sie mit einem Sternlauf den ersten Tag der Wiedervereinigung begingen.

Doch der Reihe nach: Bereits vor dem Mauerfall hatte die Stadt Bad Nauheim Interesse an einer Partnerschaft mit einer Kurstadt aus der DDR. Erst nach dem Ende des Eisernen Vorhangs war es so weit, am 14. Februar 1990. Bereits einen Monat zuvor hatten sich Wolfgang und Karin Scheunemann vom LSC Bad Nauheim in die Kleinstadt nach Thüringen aufgemacht. "Der Besuch der Wartburg war ein Traum von mir, am Thüringer Zipfel stand noch das Schild ›Willkommen in der DDR‹, aber die Straßen nach Bad Langensalza waren unmöglich", erinnert sich Karin Scheunemann. Dort angekommen folgte ein Besuch beim Bürgermeister - und einen Monat später ein Runder Tisch mit Sportvertretern beider Seiten.

Gruppenfoto auf dem Marktplatz in Bad Langensalza: Die Läufer waren insgesamt knapp neun Stunden unterwegs gewesen. Rechts im Bild: Andreas Möckel.

Dort fanden "die Scheunemanns" im Leichtathleten Andreas Möckel schnell einen passenden Partner. "Wir waren von Anfang an auf derselben Wellenlänge", sagte Karin Scheunemann heute. Bereits bei einigen der ersten Gespräche entstand die Idee eines gemeinsamen Laufes nach Langensalza zum ersten Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober. Der LSC reiste mit einer achtköpfigen Lauf-Crew, Betreuern sowie den Johannitern zum Treffpunkt ins osthessische Hünfeld, dort ging es gemeinsam mit Läufern aus der neu gewonnen Partnerstadt um 6.15 Uhr am Morgen auf die Strecke, die mit dem Auto etwa 100 Kilometer (Luftlinie: 80 Kilometer) misst. Alle fünf Kilometer wurden die vier Läufer (je zwei aus jeder Stadt) ausgetauscht und in den eigens mit einem Schriftzug versehenen Bus gesetzt, um sich zu erholen.

Bei Buttlar überquerte die Kolonne die Grenze, in sämtlichen Orten wurden die "Einheitsläufer" mit schwarz-rot-goldenen Fahnen begrüßt. "Das war irre, ich weiß gar nicht, wo die alle die Fahnen herhatten", sagt Karin Scheunemann. "Die Leute standen draußen und haben uns Essen und Getränke angeboten, alle waren sehr nett und auch das Wetter war super." An der Wartburg vorbei, ging es über einen russischen Truppenübungsplatz zur Stadtgrenze von Bad Langensalza, wo der Konvoi noch einen Stopp einlegen musste, um ja nicht zu früh für den um 15 Uhr geplanten Empfang auf dem Marktplatz einzulaufen. Dort standen der Bürgermeister der Gaststadt samt Sportdezernent sowie der eigens angereisten Wetterauer Landrat Herbert Rüfer als Empfangskomitee.

Aus einem Projekt wurde eine 30-jährige Freundschaft

Jeder Beteiligte erhielt ein Festblatt mit Ersttagsstempel als Erinnerung an diesen geschichtsträchtigen 3. Oktober 1990. "Daraus hat sich alles Weitere entwickelt", sagt Karin Scheuneman - und meint damit unzählige gegenseitige Besuche, gemeinsame Trainingslager, Sportfeste - samt eines Laufes (!) der Bad Langensalzaer Athleten zum Bad Nauheimer Jedermann-Zehnkampf 1995 und einer bis heute andauernden Freundschaft mit Möckel, der neben seinem Beruf als Lehrer am Sportgymnasium in Erfurt in der Zwischenzeit zu einem gefragten Moderator für nationale und internationale Sportereignisse geworden ist.

Kurz entschlossen reiste Möckel nach einer spontanen Kontaktaufnahme in der vergangenen Woche nach Bad Nauheim, um mit dem Ehepaar Scheunemann in Bildern, Briefen und anderen Dokumenten zu stöbern und in Erinnerungen zu schwelgen. "Ich habe immer alles aufgehoben", sagt Karin Scheunemann. "Aber genauso wie unsere Freundschaft hat sich das über die Jahre gehalten."

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