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Andrei Dogot ist als Sommer-Zugang gleich Kapitän beim SKV Beienheim geworden. Wie viele andere Kicker sehnt er die Rückkehr auf den Platz herbei. Eine Pause von vier Monaten kennt er aus seiner bisherigen Laufbahn nicht.

Fußball

Von Rückkehr-Träumen und Abbruch-Szenarien

Andrei Dogot braucht den Fußball wie die Luft zum Atmen. Vier Monate Lockdown fühlen sich für ihn an wie ein Jahr. Mit dem SKV Beienheim will er - sobald es geht - durchstarten.

Wie fühlt sich ein Amateurfußballer nach vier Monaten ohne geregelten Trainings- und Spielbetrieb? Wir haben bei Andrei Dogot nachgefragt, dem Stürmer des SKV Beienheim. Der 31-jährige Moldawier war im letzten Sommer nach fünf erfolgreichen Jahren beim Ligakonkurrenten SC Dortelweil in den Reichelsheimer Stadtteil gewechselt.

Beim Tabellenelften der Gruppenliga Frankfurt-West hat der im Jahre 2015 aus seinem Heimatland in die Wetterau gekommene Familienvater noch nicht so richtig eingeschlagen. Verglichen mit seinen 16 Treffern in der abgebrochenen Saison 2019/20 im Dortelweiler Dress sind die bislang markierten drei Tore für Beienheim noch mit erheblichem Steigerungspotenzial verbunden. Bereut hat der mit Profi-Erfahrung ausgestattete Angreifer seinen Transfer jedoch keineswegs.

Herr Dogot, fast vier Monate ohne Spiel. Auch Mannschaftstraining ist nach wie vor untersagt. Wie fühlt sich ein Amateurfußballer während des Lockdowns?

Ich fühle mich natürlich nicht gut, weil ich von Monat zu Monat darauf warte, wann es wieder losgehen kann. In meiner ganzen Fußball-Karriere hatte ich noch nie eine so lange Pause. Vier Monate sind echt zu viel für mich, zumal ich auch noch nie ernsthaft verletzt war. Manchmal kommt einem der Gedanke, man habe schon ein Jahr nicht mehr Fußball gespielt. Das Positive ist, dass ich viel Zeit mit meiner Familie verbringen kann. Vor allem mein Sohn freut sich darüber.

Wie halten Sie sich individuell fit?

Da ich über eine gute Grundfitness verfüge, muss ich da nicht viel machen. Ich mache einige Übungen für den Körper, ein Fitnessstudio brauche ich nicht. Durch meinen Vater habe ich die Fitness im Blut, das war schon in Moldawien so.

Wie halten Sie den Kontakt zum Team und zu Trainer Matthias Tietz?

Viel Kontakt besteht da derzeit nicht, weil uns Corona vom Fußball getrennt hat. Wir treffen uns trotzdem einmal pro Woche virtuell zu einer Videokonferenz und absolvieren ein Online-Training. Bei den Übungen können wir natürlich auch miteinander reden. Es ist schon wichtig, die Kontakte nicht zu verlieren, wenn wir uns schon nicht treffen dürfen.

Der Profifußball wird trotz Lockdown nun schon lange im Sonderspielbetrieb ohne Publikum fortgeführt. Sind diese Privilegien aus Ihrer Sicht berechtigt?

Wenn ich die Geisterspiele im Profibereich sehe, kommt schon die Frage auf, warum wir das im Amateurbereich nicht auch machen können. Letztendlich gibt es aber bei den Profis Tests, viel bessere Regeln und Hygienekonzepte. Ich freue mich trotzdem darauf, am Wochenende die Bundesliga im Fernsehen zu verfolgen. Das bringt etwas Abwechslung in diese Zeit.

Durch die Pandemie droht in der zweiten Saison in Folge ein Abbruchszenario. Sind das für einen Fußballer verlorene Jahre?

Jeder Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag. Ich bin mit 31 Jahren aber noch lange nicht am Ende meiner Laufbahn. Ich fühle mich noch ganz gut, sodass ich noch mittendrin im Fußballgeschehen bin.

Haben Sie noch Hoffnung, dass die Runde Mitte April fortgesetzt werden kann und durch die Beendigung der Hinrunde eine Wertung erfolgen kann?

Das ist schwer zu sagen. Wenn der Lockdown noch einmal verlängert wird, dann wird das nichts mehr in dieser Saison. Um die Hinrunde zum Abschluss zu bringen, sollten wir im April wieder spielen dürfen. Es wäre schon gut, wenn es Lockerungen gäbe und wir dann in Zehnergruppen mit Abstand das Training wieder aufnehmen könnten. Dann sollte es gelingen, diese restlichen Partien doch noch auszutragen.

Wie ist die Corona-Lage in Ihrem Heimatland Moldawien?

In Moldawien ist die Situation noch schlimmer, denn das Land wird als Risikogebiet eingestuft. Dort spielt der Profifußball auch ohne Zuschauer weiter, aber ansonsten ist es von den Regeln her ähnlich wie in Deutschland. Die meisten Geschäfte sind zu. Schulen und Kindergärten öffnen langsam wieder. Meine Mutter ist Lehrerin und muss zeitweise Online-Unterricht erteilen. Für mich persönlich bleibt die Ungewissheit, wann ich unter diesen Umständen wieder in meine Heimat fahren kann.

Sollten beim Re-Start der Amateure Zuschauer zugelassen werden?

Natürlich sind Zuschauer wichtig, das sie uns durch ihre Unterstützung ein gutes Gefühl geben. Ohne Zuschauer stirbt die Schönheit dieses Sports. Uns ist aber erstmal wichtig, dass wir wieder trainieren und die Hinrunde zu Ende spielen können.

Haben Sie den Wechsel vom Spitzenteam Dortelweil nach Beienheim bereut, wenn Sie auf den aktuellen Tabellenstand schauen?

Nein, denn Dortelweil war mein erster Verein in Deutschland. Der Club wird für mich immer positiv in Erinnerung bleiben. Ich kann überhaupt nichts Schlechtes über den Verein sagen. Meine Entscheidung für diesen Wechsel war richtig, und dafür gab es mehrere Gründe, auf die ich nicht näher eingehen will. In Beienheim fühle ich mich wohl, die Kollegen sind alle sehr nett. Unser Problem ist, dass viele neue Spieler gekommen sind und ein neuer Trainer. Wir brauchen da noch Zeit, um uns zu finden. Ich bin davon überzeugt, dass da noch viel von uns zu erwarten ist in den kommenden Jahren.

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