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Der Vizeweltmeister macht im Dolce 160 aus

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Mit Phil Taylor und Raymond van Barneveld fehlten zwar zwei ganz Große des Geschäfts, doch der Rest der Weltelite war nahezu lückenlos vertreten: 45 der 50 besten Dartspieler der Welt waren nach Bad Nauheim zur German Dart Trophy ins Hotel Dolce gekommen und kämpften an zwei Tagen um jeweils 6000 britische Pfund (rund 6800 Euro). Die zwei Sieger beim neunten und zehnten Event der PDC Europe-Serie waren dann auch keine Unbekannten in dieser Sportart: Der 2008er-BDO-Weltmeister Mark Webster und der 2010er-PDC-Vizeweltmeister Simon Whitlock holten sich die Titel. Jeweils Zweiter: 1995er-BDO-Weltmeister Richard Burnett.

Bereits am Freitag war das dreitätige Event mit der Qualifikation eröffnet worden, 128 Dartspieler kämpften letztlich am Samstag und Sonntag in den Hauptfeldern um den Turniersieg. An 16 Boards wurden die Partien in zwei Räumen ausgetragen, zu denen nur Spieler und Offizielle Zugang hatten. Ausgewählte Matches sowie die Halbfinals und Endspiele fanden auf der Bühne im Theatersaal statt, der rund 700 Zuschauern Platz bot. Sportliche Brisanz herrschte gleich an mehreren Fronten, denn neben dem Tagessieg ging es jeweils auch um wertvolle Pfunds für die Weltrangliste sowie die sogenannte European Order of Merit. In letztgenannter Rangliste haben Europäer, die ihren Wohnsitz nicht in England oder Irland haben, die Möglichkeit, sich für die WM zu qualifizieren.

Am ersten Turniertag stand demnach auch Andree Welge im Mittelpunkt. Der Bremer schaffte es nach einer bravourösen Leistung als erster Deutscher auf deutschem Boden in ein Halbfinale eines PDC-Events. Dort unterlag er nach tollem Kampf, einer zwischenzeitlichen 5:3-Führung sowie einem Matchdart dem Engländer Mark Webster. »Das habe ich natürlich nicht erwartet. Ich war eigentlich gar nicht so gut drauf, weil ich diese Woche nicht gut trainiert habe.

Ich konnte nicht jeden Tag werfen«, war der beste deutsche Darter der vergangenen Jahre überrascht. Am zweiten Tag kam er zwar nicht über die zweite Runde hinaus, die Qualifikation für die WM im Dezember und Januar in London dürfte jedoch nicht mehr in Gefahr geraten. Mark Webster ließ sich unterdessen am ersten Tag nicht mehr aufhalten und gewann das Finale nach einem 1:3-Rückstand gegen den Waliser Richard Burnett noch mit 6:4.

Am zweiten Tag sollte dann der aktuelle Vizeweltmeister und Publikumsliebling Simon Whitlock seine große Show haben. Während Burnett schon im Viertelfinale in der Neuauflage des Vortages-Finales Webster klar mit 6:3 besiegte und danach auch Andy Jenkins (6:5) und Gary Anderson (6:4) ausschaltete, hatte Whitlock schon in der dritten Runde mit Nigel Haydon (6:5) die härteste Nuss zu knacken. Im Halbfinale ließ der Australier dann dem zweifachen BDO-Vizeweltmeister Ronny Baxter beim 6:3 keine Chance. Das Finale verlief dann äußerst ausgeglichen, ehe Whitlock nach dem 4:4 jeweils zum Ende der Legs zu glänzen wusste: Zunächst holte er sich mit einem 92er-Finish das 5:4, ehe er durch ein 160er-Finish den Sack zumachte - 6:4. »Ich bin überglücklich.

Das war mein erster Sieg in Deutschland. Das Publikum war wirklich fantastisch und absolut fair«, bilanzierte der in England wohnhafte Whitlock, der am Vortag noch das Halbfinale gegen Burnett klar mit 2:6 verloren hatte.

Weniger rund lief es für den Lokalmatador Michael Rosenauer aus Steinfurth, der nach den beiden Tagen seine Ambitionen auf ein WM-Ticket begraben musste. Jeweils in der zweiten Runde war für den Deutschen Meister von 2006 Endstation, wobei am ersten Tag kein Geringerer als der Holländer Co Stompé (besiegte 2008 im Finale der German Darts Championship Phil Taylor) sein denkbar knapper Bezwinger war (5:6). Jeweils in der ersten Runde hatte »Rosi501« das heimische Publikum auf der Bühne begeistern können und klare Siege gefeiert.

Am Samstagabend wurde zudem eine Wildcard für die U21-WM unter 23 Teilnehmern ausgespielt. Diese sicherte sich Benito van der Pas in einem rein niederländischen Finale gegen John de Kruijf. Michael Wiener

So funktioniert Dart

In der heute bei den populären Turnieren gespielten Variante geht es darum, 501 Punkte so schnell wie möglich auf exakt null herunterzuspielen. Drei Pfeile stehen zur Verfügung, pro Aufnahme können damit höchstens 180 Punkte erzielt werden. Zum Beenden muss der Punktestand mit einem Treffer in ein Doppelfeld immer genau auf Null reduziert werden. Bleibt also nach einer Runde der Rest 1, gilt dies als überworfen und die Runde zählt nicht. Ein Spiel wird dabei als Leg bezeichnet. In Bad Nauheim wurde »Best of 11 Legs« gespielt - wer als erstes sechs Legs gewonnen hatte, hatte die Partie für sich entschieden. Es wurde im einfachen K.o.-Modus gespielt. Das höchstmögliche Finish liegt damit bei 170 Punkten (Triple-20, Triple-20, Bullseye).

Zwei große Verbände prägen den Dartsport: Die PDC (Professional Dart Corporation) und die BDO (British Dart Organisation). Viele Weltklasse-Darter fingen in der BDO an und wechselten später zur PDC, die damit heute mit wenigen Ausnahmen die Weltelite vereint. Erfolgreichster Dartspieler aller Zeiten ist der Engländer Phil Taylor. Der 50-Jährige wurde zunächst zweimal BDO-Weltmeister, war dann Gründungsmitglied der PDC und gewann dort mittlerweile 13 WM-Titel.

Zudem stand er noch drei weitere Male im Finale, sodass er seit der ersten PDC-WM 1994 nur das Endspiel 2008 verpasste. Taylor, genannt »The Power«, ist durch den Dartsport mehrfacher Millionär. (mw)

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