Die Plattform "Geisterspieltickets.de" bietet Vereinen die Möglichkeit, durch virtuelle Verkäufe von Eintrittskarten, Essen oder Getränken echte Einnahmen in Zeiten der Coronavirus-Krise zu generieren. FOTO: PM
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Die Plattform "Geisterspieltickets.de" bietet Vereinen die Möglichkeit, durch virtuelle Verkäufe von Eintrittskarten, Essen oder Getränken echte Einnahmen in Zeiten der Coronavirus-Krise zu generieren. FOTO: PM

Lokalsport

Virtueller Verkauf - reale Einnahme: Wie Klubs von einer Online-Plattform profitieren können

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Die Einnahmen fehlen, aber die Kosten laufen weiter. Eine Online-Plattform schafft Amateur-Klubs die Möglichkeit, Gelder zu generieren. Die Resonanz ist groß; auch bei Fußball-Vereinen aus der Wetterau.

Ein Bierchen gehört ja eigentlich immer dazu. Eine Bratwurst ebenso. Und der Eintritt, na klar! Zehn Euro pro Zuschauer sind beim Fußball auf diese Weise schnell zusammen. Geld, das sich summiert und den Amateurklubs gerade jetzt angesichts der Saison-Unterbrechung fehlt. Die Plattform "Geisterspieltickets" bietet Vereinen nun online die Möglichkeit, trotzdem Einnahmen zu generieren.

Regionalligisten wie Lok Leipzig, Rot-Weiß Essen oder Kickers Offenbach haben’s vorgemacht; im Wetterau zählt Kreisoberligist TSG Ober-Wöllstadt zu den Vorreitern. Doch längst richtet sich das Angebot nicht nur an Fußballer. Längst hat sich das Projekt "Geisterspieltickets" herumgesprochen. "Inzwischen sind bei uns auch Rugby-, Darts-, Schach- oder Schützen-Klubs registriert. Auch in anderen Bereichen, beispielsweise für Veranstalter kultureller Events, ist eine Nutzung denkbar", sagt Gerrit Kremer von Anbieter "Doppelpass UG" zu dieser Plattform, die Amateurklubs über die Zeit der Coronavirus-Krise hinweghelfen soll.

Am 1. April ist "Geisterspieltickets.de" online gegangen, in den ersten 24 Stunden hatten sich bereits 50 Klubs gemeldet, heute sind es über 500 - Tendenz steigend. Die Idee: Den Klubs über wenige Maus-Klicks Einnahmen zu ermöglichen; in der Ausgestaltung der Preise sind die Vereine flexibel. Bei der TSG Ober-Wöllstadt kostet beispielsweise das virtuelle Bier ebenso wie der Apfelwein zwei Euro, die Wurst gibt’s für 2,50 Euro, die Kiste Bier für 25 Euro. "Wir finden das eine lustige Idee und eine coole Sache, ein virtuelles Bier zu trinken", sagt Stefan Schneider, Vorstandsmitglied der TSG. "Uns fehlen - wie auch allen anderen Klubs - Einnahmen, wobei die Kosten weiterlaufen."

Online-Plattform startet durch

Bezahlt wird beispielsweise per Pay-Pal oder mit Kreditkarte. 80 Prozent "seiner" Einnahmen erhält der Klub, 20 Prozent gehen als Betriebskosten an den Plattform-Betreiber. Kosten für eine Anmeldung entstehen nicht. "Bevor sich jeder Verein für sich um technischen Support bemüht und selbst eine Plattform bastelt - hier ist man mit wenigen Klick schnell registriert", sagt Schneider, der von positiven ersten Reaktionen aus dem Umfeld zu berichten weiß. Nach inzwischen drei Wochen wurden auf der gesamten Plattform über 6800 Tickets, 5200 Würstchen, 7500 Bier und 1500 Bierkisten verkauft.

Die Idee stammt ursprünglich aus einer Online-Plattform des TC Freisenbruch. "Wir wollten, dass auch alle anderen Vereine in Deutschland daran partizipieren, die so etwas nicht so einfach umsetzen können", sagt Kremer. Dass der Kreisligist aus Essen die Idee "Geisterspiel-Shop" rasch realisieren konnte, ist kein Zufall. Denn ein Großteil des Vereinslebens spielt sich schon lange online ab. Mitglieder bestimmen dort unter anderem über die Aufstellung, Finanzen und Transfers mit. Der TC Freisenbruch bezeichnet sich als Deutschlands erster digitaler Fußball-Klub.

Betreiber und Nutzer von der Geisterspiel-Plattform zeigen sich durchaus kreativ. So manche Jugendmannschaft verzichtet beispielsweise auf den Bier-Verkauf, setzt stattdessen auf Limonade oder Wasser. Mancher Klub bietet seinen Fans auch VIP- oder Dauerkarten oder - ganz original - "Helga’s Frikadelle" an.

Klubs haben jederzeit die Möglichkeit, ihr "Kassenbuch" einzusehen. Abgerechnet wird am Monatsende. Und sollten die einbehaltenen Betriebskosten die tatsächlichen Kosten überschreiten, so hat der TCF angekündigt, 50 Prozent dieser Summe der von den Nationalspielern Leon Goretzka und Joshua Kimmich ins Leben gerufenen Aktion #WeKickCorona" als Spende zur Verfügung zu stellen.

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