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FV Bad Vilbel: Selbstkritik, Disziplin und Ideen fehlen

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Freitagabend, Niddasportfeld, 21 Uhr: Gerade hatte der FV Bad Vilbel sein Heimspiel gegen den FC Kalbach mit 0:2 verloren, doch im Klubhaus, wo sich nach den aus Sicht der Brunnenstädter nicht sehr erbaulichen 90 Minuten die Fans und Spieler des heimischen Landesligisten versammelten, herrschte eine merkwürdige Stimmung.

Gleichgültigkeit machte sich breit. Fußball-Boss Domingo Correa-Perez, der das Team wegen der Abwesenheit von Trainer Holger Zimmer (lag mit Grippe im Bett) gecoacht hatte, war nicht mehr zugegen, von Thorsten Schamma, seinem Präsidiums-Kollegen, keine Spur. Beide hätte man gerne mit der Frage konfrontiert, wie es denn mittlerweile um die Saisonziele des Ex-Oberligisten bestellt ist. Ende Januar, nach der Entlassung von Zeynel Güngörmez, gab's diesbezüglich überhaupt keine Diskussionen, zumal man sich die Rückkehr ins hessische Fußball-Oberhaus klar und deutlich auf die eigene Fahne geschrieben hatte.

Inzwischen jedoch ist viel Wasser die Nidda hinunter geflossen, und die Grün-Weißen sind von der Realität eingeholt worden. Die tolle Ausgangs-Position, über die der FV zum Jahreswechsel verfügte, hat man durch indiskutable Vorstellungen in Oberrad, Griesheim und Obertshausen sowie durch eine gehobenen Ansprüchen ebenfalls nicht genügende Leistung gegen eine allenfalls Landesliga-Durchschnitt bietende Kalbacher Elf schlichtweg über Bord geworfen: Drei Siege, ein Remis und drei Niederlagen aus den Partien zwischen dem 23. Februar und dem 28. März - eine Zwischen-Bilanz, über die sich Mannschaften, für die der Klassenerhalt oder eine Position im gesicherten Landesliga-Mittelfeld das Wichtigste ist, sicher freuen würden.

Für den FV Bad Vilbel, der in der Endabrechnung einen der drei zum Direktaufstieg berechtigenden Plätze beansprucht, ist das viel zu wenig.

Gegen den FC Kalbach offenbarte sich zum wiederholten Mal, woran es bei den Brunnenstädtern mangelt. Zündende Ideen aus dem offensiven Mittelfeld, schnelle Kombinationen oder konstruktives Spiel über die Außen? Weitgehend Fehlanzeige. Einzelaktionen, vorwiegend durch Semir Sejdovic (61./65.) zelebriert, waren an der Tagesordnung. Und weil Zählbares darüber hinaus weder durch Standard-Situationen (zwei Sturm-Kopfbälle nach Ecke und Freistoß von Jens Paetzold) noch durch Distanzschüsse von Rani Buderi (64. – aus 14 Metern rechts vorbei) oder Jens Bretthauer (75. – Kalbachs Keeper Thomas Prätorius klärt mit Blitzreaktion) verbucht werden konnte, standen die Platzherren am Ende mal wieder mit leeren Händen da.

Dass der FV Bad Vilbel ab der 36. Minute, nach Giuliano Custozas Ampelkarte, in numerischer Unterzahl agieren musste, darf bei der Analyse freilich nicht vergessen werden. Eine Entschuldigung ist das nicht. Disziplin ist nämlich eine der Grundlagen, die Erfolge garantieren. Genauso übrigens, wie umsichtiges Agieren auf der Trainerbank. Im Falle Custozas hätte man jedenfalls viel früher handeln und den jungen Bad Vilbeler Spieler schon nach 20 Minuten, als er Kalbachs Lukas Höll ziemlich brutal und völlig unnötig fernab jeglicher Gefahrenzone von den Beinen holte, aus dem Spiel nehmen müssen. Referee Reisert (Ober-Roden) hielt ihm lediglich »Gelb« unter die Nase, obwohl »Rot« angebracht gewesen wäre. Die nächste Körperattacke (gefährliches Spiel gegen FCK-Stürmer Andreas Eifert) brachte dann den Platzverweis, und der FV Bad Vilbel sah sich – wie schon in Oberrad (Philipp Groda) oder in Griesheim (Florian Jagodzinski) – zum wiederholten Mal dem Dilemma ausgesetzt, den Erfolg ab einem sehr frühen Zeitpunkt mit nur noch zehn Mann auf dem Platz suchen zu müssen.

Die Kalbacher Gäste wussten aus diesem vermeintlichen Vorteil zwar nur wenig Kapital zu schlagen, konnten sich in einer Begegnung, die eigentlich auf ein torloses Remis hinaus lief, allerdings durchgehend auf Bad Vilbeler Defizite in Sachen Disziplin verlassen: Weshalb FV-Manndecker Jens Bretthauer, bis zur 73. Minute zusammen mit dem erstmals im Landesliga-Team eingesetzten Innenverteidiger Paul Britze sehr stabiler Faktor in der Bad Vilbeler Defensiv-Abteilung, Kalbachs Agmal Azami an der Strafraumgrenze niederstreckte, war nicht zu begreifen. Gefahr für René Güblers Kasten bestand jedenfalls nicht, aber dem Unparteiischen blieb gar nichts Anderes übrig, als einen Elfmeter zu pfeifen. Sebastian Spisla verwandelte sicher zur Gäste-Führung, während in der Endphase, als der FV Bad Vilbel auf den Ausgleich drängte, ein Konter über Spisla durch Ersin Kizarmis aus abseitsverdächtiger Position den alles entscheidenden zweiten Kalbacher Volltreffer erbrachte.

Trotz aller Ungereimtheiten: Von Selbstkritik, die angesichts der insgesamt sechsten Saison-Niederlage gegen einen nur Landesliga-Durchschnitt bietenden Kontrahenten angebracht gewesen wäre, war hinterher, im Klubhaus, nur wenig zu hören. »Wir waren die bessere Mannschaft. Die Leistung hat gestimmt, das Ergebnis nicht«, meinte der erneut im Mittelfeld agierende Spielertrainer Alexander Sturm. Der zu Tage getretene Mangel an Disziplin sei, so der Bad Vilbeler Routinier, gleich nach der Partie in der Kabine angesprochen worden. Eine Sicht der Dinge, die man akzeptieren muss. Den Einwurf, man dürfe von einem aufstiegsambitionierten Team wohl etwas mehr erwarten, beantwortete Alexander Sturm eher ausweichend: »Ein Ziel muss man immer haben. Wenn das Präsidium erklärt, dies solle die Rückkehr in die Oberliga Hessen sein, dann ist das seine Meinung.« Uwe Born

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