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Mit Siegerlächeln: Julia Terziyska (seit 2014 beim TC Bad Vilbel) und Alexandra Cadantu.

Tennis-Bundsliga

TC Bad Vilbel: Die Meisterschaft und die eigenen Gesetze der Bundesliga

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Der TC Bad Vilbel ist deutscher Meister der Damen. Der Aufsteiger hat sich schnell auf die eigenen Gesetzmäßigkeiten der Tennis-Bundesliga eingestellt und die Messlatte hoch gelegt.

Tennis ist anders. Die Bundesliga folgt eigenen Gesetzen. Keine ausgelassene Party-Nacht, kein gemeinsamer Kurz-Trip zum Saisonabschluss, keine klassische Meisterfeier. Als die kleine silberne Trophäe am Sonntagnachmittag in Dresden überreicht worden war, hat sich die Mannschaft vom deutsche Titelträger TC Bad Vilbel rasch in alle Richtung verstreut; die, die überhaupt noch da waren. Kirstin Flipkens und Johanna Larsson beispielsweise saßen da bereits im Flugzeug, um am nächsten Morgen ihr Erstrunen-Match im niederländischen s’Hertogenbosch zu bestreiten. Die Turniere der WTA- und ITF-Touren gehen eben vor. Dieses personelle Lotteriespiel hatte die fünfwöchige Saison geprägt - und den Aufsteiger aus der Brunnenstadt gerade am Ende noch einmal logistisch herausgefordert.

TC Bad Vilbel: Das Projekt "Bundesliga" ist in der Wetterau angenommen worden

Die Bundesliga wird angenommen. Zu den Heimspielen kamen jeweils rund 600 Zuschauer auf die Anlage des TC Bad Vilbel.

"Bundesliga-Tennis ist eine Riesen-Aufgabe; wenn es denn gut sein soll. Das war uns vorher vielleicht so nicht bewusst. Ich denke aber, wir haben uns als Klub und Gastgeber sehr gut präsentiert und zugleich auch sehr viel gelernt", sagt Andreas Binder, Vorstandsmitglied beim 800-Mitglieder-Klub, nach dem Überraschungs-Coup, durch den die Messlatte für die kommende Saison natürlich sehr hoch gelegt worden ist.

Das Projekt "Bundesliga" ist in der Wetterau angenommen worden. Mehr als 600 Zuschauer kamen zum Heimspiel-Auftakt bei noch einstelligen Temperaturen, Wind und dunklen Wolken am Himmel. Mehr als 600 Tennis-Interessierte haben auch die letzte der insgesamt drei Heim-Begegnungen auf den Courts in der Huizener Straße verfolgt. Dirk Hinkel, der Vereins-Chef, spricht stolz von einem "großen Garten-Happening, einem Familien-Fest mit tollem Tennis", das sich entwickelt habe und freut sich: "Der Klub lebt."

TC Bad Vilbel: Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte soll nicht das einzige Saisonhighlight bleiben

Kirstin Flipkens (links) punktet für den TC Bad Vilbel im Match gegen Andrea Petkovic.

Vom eigenen Erfolg waren sie selbst beim stets akribisch vorbereiteten TCBV überrascht. "Einmal Glück gehabt, zweimal Glück gehabt, dreimal Glück gehabt - und plötzlich hat sich uns diese ganz große Chance eröffnet", sagt Binder. Am Montag präsentierte Marcello Craca, der als Mannschaftsführer den steten Kontakt zu den Spielerinnen, deren Trainern und Managern hielt und die sportliche Verantwortung trug, den Pokal beim Quellenfest auf der Bühne. Die noch fehlende Meister-Plakette auf der Trophäe wurde kurzerhand durch einen Aufkleber ersetzt. Improvisieren hat man in diesen Tagen ja gelernt. Profis wie Flipkens und Larsson, die schon während der French Open per Videobotschaft ihrer Mannschaft alles Gute gewünscht hatten, oder auch Bibiane Schoofs haben sich, als es darauf ankam, als echte Teamplayer gezeigt. Zuletzt konnten auch Spielerinnen wie Julia Terziyska - seit 2014 in Bad Vilbel und damit quasi schon eine Institution - Jule Niemeier, Georgia Brescia (im Vorjahr schon dabei) oder eben die 16-jährige Mara Guth aus Usingen ihren Beitrag zum Erfolg leisten. Der leisen Kritik, die Mannschaft zusammengekauft zu haben, begegnet Binder mit dem Verweis auf den Profisport. "Wer auf diesem Level mitspielen will, der kann das nicht mit Spielern aus dem Verein oder der Region. Das gilt doch grundsätzlich für alle Sportarten."

Die deutsche Meisterschaft der Damen ist als größter Erfolg der Vereinsgeschichte so schnell nicht zu toppen. Die Tennis-Saison beschert dem TC Bad Vilbel aber noch weitere Highlights. Die Herren spielen im Juli - in Konkurrenz zur Sportwelt Rosbach im übrigen - in der Hessenliga. Und schließlich soll am Wochenende der 60-Jahr-Feier (30./31. August/1. September) auch der Titel als deutscher Meister der Herren 50 auf eigener Anlage verteidigt werden.

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