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TC Bad Vilbel Deutscher Meister

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Das Final Four wurde zum Schaulaufen, zu einer Demonstration der sportlichen Ausnahmestellung im Tennis-Sommer 2012. Der TC Bad Vilbel benötigte am gestrigen Sonntagmittag in Düren kaum zweieinhalb Stunden, ehe durch den fünften Einzelpunkt das Finale um die Deutsche Meisterschaft der Herren 40 gegen den krassen Außenseiter TSV Feldkirchen vorzeitig entschieden war. Auf dem Papier endete die Partie mit 8:1.

Ihre eigentliche Pflicht hatten die Brunnenstädter bereits am Vortag in beeindruckender Weise erfüllt; im Halbfinale gegen den gastgebenden Titelverteidiger TC Gürzennich-Wald, den Finalisten der vergangenen drei Jahre. Jan-Frode Anderson verbuchte nach nur knapp 2:45 Gesamtspielzeit den Sieg zum 5:0-Zwischenstand während der Einzel, so dass der Finaleinzug unerwartet souverän sichergestellt werden konnte.

»Wir hätten nicht geglaubt, uns jemals solche Ziele setzen, geschweige denn, diese auch erreichen zu können«, sagt Ingo Söhngen. Er, selbst Mitglied im Kader und neben Mannschaftsführer Andreas Binder eine Art Team-Manager, hatte das Personal – in Abstimmung mit Vorstandsmitglied Dirk Hinkel und Dr. Frank Wagner – so zusammengestellt. »Hinter diesem Erfolg steckt ein Prozess, der über Jahre vorangetrieben wurde. Eine solche Sache lässt sich nicht mal so für eine Saison planen«, sagt Söhngen. Das Gesamtpaket stimme einfach. »Sportlich, menschlich und auch die Akzeptanz im Klub betreffend«, sagt der »Macher«. Rund 40 Fans hatten die Herren 40 zum Turnier nach Düren begleitet. Dort wurden die Spiele von jeweils rund 200 Zuschauern an beiden Turniertagen verfolgt.

Vor fünf Jahren hatte der Erfolg der Herren 40 das Duo Binder/Söhngen animiert, die ambitionierten Spieler der Rhein-Main-Region auf der Anlage an der Huizener Straße in Bad Vilbel zu versammeln. »Ganz dosiert« sei man gestartet, habe die Entwicklung peu a peu vorantrieben. Den Begriff einer »gekauften Mannschaft« weißt er weit von sich. »Die Jungs kennen sich und haben Spaß miteinander. Wir sind befreundet und fahren auch mal zusammen in den Urlaub. Im Grunde haben wir die perfekte Mannschaft«, glaubt Söhngen, dessen Worte von Paul Haarhuis, der ehemaligen Nummer eins der ATP-Doppel-Weltrangliste und Davis-Cup-Sieger Bernd Karbacher unterstrichen werden, und in der familiären, geselligen Atmosphäre während der Turniertage auch deutlich zum Ausdruck gekommen sind.

In der Stunde des Erfolges wurde der Blick dann aber schon auf die kommende Spielzeit gerichtet. Der Meister der Regionalliga Süd-West darf im Jahr 2013 das Final Four-Turnier ausrichten. Und die klare Ansage vom deutlich geschlagenen Vorjahresfinalisten Alzey ist bereits nach Bad Vilbel gedrungen. »Natürlich. Ein solches Turnier auf der eigenen Anlage ausrichten zu können, ist ein erstrebenswertes Ziel«, sagt Söhngen. Gespräche, den sportlich-taktischen Spielraum durch die eine oder andere Neuverpflichtung zu erweiteren, seien deshalb bereits angelaufen.

Halbfinale, TC Gürzenich-Wald – TC Bad Vilbel 2:7: Im Eiltempo fegten die Quellenstädter die Gastgeber regelrecht von den Courts. Nach nur gut einer Stunde hatte Mario Penirschke den ersten Erfolg für Bad Vilbel hinter Dach und Fach gebracht, kaum zehn Minuten später verließ auch Michael Geserer mit einem Zwei-Satz-Erfolg seinen Platz, so dass dem Match von Dirk Dier bereits so etwas wie eine Schlüsselrolle zukam. Der Saarländer gewann an Position zwei ebenfalls in zwei Durchgängen, eine frühe Entscheidung über den Finaleinzug bahnte sich an.

»Bad Vilbel ist uns in dieser Besetzung klar überlegen«, räumte Jan Stremmel, der Kapitän der Hausherren, ein. In bester Besetzung hätte man vielleicht Paroli bieten können, glaubt er. Am Samstag allerdings nicht, zwei der Top-Sechs-Akteure und damit die Tiefe im Kader fehlten. Auf Augenhöhe duellierte sich einzig Jaques Oliver Moers im Top-Duell mit Paul Haarhuis. Der Franzose verbuchte im Einzel den einzigen Satzgewinn für Gürzenich, der Niederländer gewann Durchgang Nummer zwei und erzwang einen Tiebreak. Oliver Kesper hatte da seinen Kontrahenten schon längst demoralisiert und Jan-Frode Anderson den wichtigen fünften Zähler eingefahren, so dass die beiden ehemaligen ATP-Tour-Profis längst nur noch für die Statistik spielten. Haarhuis verspielte zunächste zwei Matchbälle, wehrte anschließend zwei ab und verwandelte den dritten Matchball zum 15:13-Endstand. Ludek Vildmann und Bernd Karbacher, die als Ersatzspieler mitgefahren waren, gewannen anschließend erwartet sicher ihr Doppel. Die beiden weiteren Doppel wurden seitens der Brunnenstädter abgeschenkt, um mit Blick auf das Finale keine Verletzung zu riskieren.

Finale: TSV Feldkirchen – TC Bad Vilbel 1:8: Die Brunnenstädter ließen sich den Titel nicht mehr nehmen. Erneut hatte Mario Penirschke in seinem Einzel rasch vorgelegt und verließ nach nicht einmal einer Stunde siegreich den Platz. Als Dirk Dier nachgelegt und auch Michael Geserer so richtig ins Spiel und zum Erfolg gefunden hatte, lag der Sekt bereits kalt. Paul Haarhuis ließ sich auch von den permanenten Stop-Versuchen von Razvan Itu nicht irritieren und wies den Rumänen in seine Schranken, so dass wie schon am Vortag Jan-Frode Anderson den spielentscheidenden Zähler einfahren konnte. Michael Nickolaus

Die Ergebnisse:

Halbfinale – TC Gürzenich-Wald – TC Bad Vilbel 2:7: Einzel: Jacques Olivier Moers – Paul Haarhuis 6:3, 4:6, 13:15, Gerald Mandl – Dirk Dier 3:6, 2:6, Veli Paloheimo – Jan-Frode Andersen 3:6, 0:6, Jan Stremmel – Mario Penirschke 2:6, 2:6, Peter Vogel – Oliver Kesper 0:6, 1:6, Hendrik Böttcher – Michael Geserer 2:6, 0:6. – Doppel: Böttcher/Thorsten Fraaß – Ludek Vildman/Bernd Karbacher 2:6, 2:6. – Zwei Doppel nicht ausgespielt, Wertung für Gürzenich-Wald.

Finale – TSV Feldkirchen – TC Bad Vilbel 1:8: Einzel: Razvan Itu – Paul Haarhuis 0:6, 1:6, Peter Anneser – Dirk Dier 1:6, 0:6, Axel Held – Jan-Frode Andersen 0:6, 0:6, Martin Henning – Mario Penirschke 0:6, 1:6, David Gassmann – Oliver Kesper 2:6, 6:7, Ralf Gruber – Michael Geserer 2:6, 1:6. – Keine Doppel ausgespielt, Wertung 2:1 für Bad Vilbel. (mn)

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