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Deutscher Tennis-Meister der Damen: Die Mannschaft, das Trainer-Duo die Vorstandsmitglieder des TC Bad Vilbel können in Dresden die Sektkorken knallen lassen.

Tennis-Bundesliga

Wie der TC Bad Vilbel mit dem deutschen Titel Tennis-Geschichte schreibt

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Der TC Bad Vilbel hat die deutsche Tennis-Meisterschaft der Damen gewonnen; trotz einer Niederlager zum Abschluss einer nervenaufreibenden Woche.

Irre - und wohl einzigartig! Der TC Bad Vilbel hat am Sonntag nationale Tennis-Geschichte geschrieben. Am letzten Spieltag der Bundesliga der Damen konnten die Brunnenstädterinnen beim 3:6 in Dresden die noch fehlenden Matchpunkte zur deutschen Meisterschaft gewinnen. Im Sommer 2011 hatte der TCBV noch in der Bezirksoberliga Frankfurt gespielt. Eine Serie von sechs Aufstiegen in acht Jahren wurde - pünktlich zum 60-jährigen Vereinsbestehen - mit dem Titelgewinn gekrönt. "Das ist unglaublich. Heute hat sich noch einmal der Charakter unserer Mädels gezeigt. Man konnte sehen, wer bereit ist, für den anderen einzustehen, wenn’s brennt. Und wenn man die Saison zusammenfasst, dann ist dieser Titelgewinn auch einfach nur gerecht", sagt Marcello Craca, der Mannschaftsführer, der aus den Händen von Thomas Heil, Präsidiumsmitglied im Deutschen Tennis-Bund, die Trophäe entgegengenommen hatte. Am Ende trennten den Meister nur zwei Zähler (!) vom Tabellenvorletzten, was die Leistungsdichte und Unberechenbarkeit der Liga unterstreicht.

Hinter Craca und Marco Ockernahl - quasi Craca’s rechte Hand - lag eine extrem nervenaufreibende Woche. Bad Vilbel war - bedingt durch die Erfolge der Profispielerinnen auf der WTA- und ITF-Tour - zunehmend das Personal ausgegangen, so dass lange Zeit überhaupt nicht feststand, wer denn - trotz eines 16er-Kaders - letztlich überhaupt antreten könne, zumal sich Bibiane Schoofs, die Vielspielerin aus den Niederlanden (in fünf von sieben Partien eingesetzt) aufgrund ihrer Verletzung vom Freitag nicht zur Verfügung gestanden hatte. Immer wieder wurden Transferverbindungen und die sich kurzfristig verändernden Turnierpläne überprüft, unzählige Telefonate mit Spielerinnen und deren Managern geführt. Kirstin Flipkens und Johanna Larsson hatten die TCBV-Funktionäre schließlich eigens am Samstag aus Frankreich beziehungsweise den Niederlanden nach Dresden einfliegen lassen, nur, um die Einzel zu bestreiten; um große Titelchance zu nutzen. Während die Doppel liefen, saßen die beiden French-Open-Halbfinalistinnen bereits wieder im Flugzeug nach Eindhoven, um am Montagmorgen Erstrunden-Matches beim Rasenplatzturnier in s’Hertogenbosch bestreiten zu können.

Die Mannschaft habe ihr Ziel "übererfüllt", sagt Dirk Hinkel, der Klub-Chef, der mit rund zwei Dutzend Tennis-Freunden aus Bad Vilbel in Dresden vor Ort war. Für die Gastgeber ging es - unterstützt von mehr als 1000 Zuschauern - um den Klassenerhalt. Inwiefern man in der Wetterau, wo man sich als Neuling zunächst nur hatte etablieren wollen, nun vielleicht in die Fußstapfen vom einstigen Seriensieger Regensburg (Rückzug nach drei Meistertiteln) treten werde, ließ Hinkel in der sportlich größten Stunde des Vereins offen. "Jetzt werden wir den Moment genießen, ein bisschen durchatmen - und uns dann in aller Ruhe zusammensetzen."

Drei Matchpunkte - so die interne Kalkulation - sollten reichen, um den Vorsprung auf die Verfolger Karlsruhe-Rüppurr und Bredeney verteidigen zu können. Und die Rechnung ist aufgegangen. Georgia Brescia wuchs an Position vier regelrecht über sich hinaus, zudem ging in der zweiten Einzelrunde Flipkens im Duell mit Andrea Petkovic als Siegerin hervor (6:4, 7:6). Als Jule Niemeier an Position fünf noch einen Zweisatzerfolg hatte feiern können, war - auch angesichts der Zwischenstände in den Partien der Konkurrenz - die Entscheidung gefallen. Im Doppel kam schließlich Mara Guth zu ihrem Bundesliga-Debüt. Damit hatte Bad Vilbel 14 seiner 16 Spielerinnen zum Einsatz gebracht. Die Usingerin, die Lokalmatadorin im Kader, hatte am Vortag noch das Finale um die deutsche U17-Meisterschaft bestritten; und knapp verloren. Zwei der drei Doppel verlor Bad Vilbel im Champions-Tiebreak, was die bedeutungslose zweite Saisonniederlage zur Folge hatte.

Einzel: Petkovic - Flipkens 4:6, 6:7; Allertova - Larsson 6:1, 6:4; Flink - Cadantu 6:0, 7:6; Ormaechea - Brescia 3:6, 3:6, Rosca - Niemeier 0:6, 1:6; Galfi - Terziyska 6:4, 7:6. - Doppel: Petkovic/Allertova - Cadantu/Brescia 6:0, 6:3; Flink/Galfi - Terziyska/Guth 6:0, 2:6, 10:6; Ormaechea/Krejsova - Niemeier/Dzalamidze 0:6, 6:3, 10:4.

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