Verzwickte Lage

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(gae). Die Gießen 46ers benötigen dringend personelle Hilfe. Ohne den verletzten Luke Petrasek hinken sie der Konkurrenz hinterher. Das wurde beim 79:87 gegen Vechta mehr als deutlich. Und nun kommen die wichtigen Spiele gegen direkte Konkurrenten um den Klassenerhalt.

Aktuell keine vernünftige Trainingshalle, ein verletzter Spieler, dessen zeitliche Rückkehr nicht bekannt ist, und eine Niederlage nach der anderen. Die Gießen 46ers befinden sich in einer verzwickten Lage. Sechs BBL-Spiele, ein Sieg, Platz 15. Das ist die bittere Realität. Schon nach der nicht geplanten Heimpleite gegen Crailsheim sprach 46ers-Boss Heiko Schelberg in Bezug auf die Basketball-Bundesliga-Saison 2019/20 von einem "Ritt auf der Rasierklinge". Nach dem 75:79 gegen Aufsteiger Hamburg wurde der Geschäftsführer noch deutlicher und betonte mehrmals, dass für die 46ers nur der Klassenerhalt zähle. Tristesse macht sich im November bei den 46ers breit, die sich auch auf die Stimmung in der Halle überträgt. Vom oft zitierten "sechsten Mann" in der am Samstag mit 3325 Zuschauern besetzten Osthalle war nur wenig zu hören.

Die Spielweise der 46ers-Protagonisten führte auch nicht unbedingt dazu, dass die Menge ständig in Ekstase geriet. Gegen die druckvolle Verteidigung der Rasta-Männer - allen voran Wadenbeißer Max DiLeo (Bruder von dem in Gießen bestens bekannten TJ) - offenbarten sich Schwierigkeiten beim Ballvortrag. Stephen Brown und Bjarne Kraushaar waren froh, wenn sie es unfallfrei über die Mittellinie schafften und den Ball loswerden konnten. Aber auch der Rest der Gießener Mannschaft kam in keinen Rhythmus, sodass vieles Stückwerk blieb. Das Team hechelte von Beginn an einem Rückstand hinterher.

"19 zu 11 Turnovers, fünf zu zehn Offensivrebounds. Wenn man das mal runterbricht, sind genau die Differenzen der Turnover und Offensiv-Rebounds die Fieldgoals, die wir weniger werfen als Vechta. Nimmt man also allein zwölf Schüsse weniger als Vechta, dann ist es schwer, das Spiel zu gewinnen", brachte Gießens Coach Ingo Freyer die nackten Zahlen ins Spiel.

Beim 42:51-Halbzeitstand waren es aber nur neun Punkte auf die Vechtaer, die von Spiel zu Spiel stärker werden, mit sehenswertem Teamspiel brillierten und konsequent die Lücken unter dem Gießener Brett nutzten. Dabei zogen sie konsequent gegen ihre meist langsameren Gegenspieler zum Korb oder verwirrten den Gießener Abwehrverbund mit schnellem Passspiel. Insgesamt kamen sie auf 46 Punkte in der Zone - Gießen im Vergleich dazu auf 22.

In der Kabine der 46ers wurde es in der Pause laut. Freyer startete den Versuch, seine Mannschaft wachzurütteln und ihr nochmals deutlich vor Augen zu halten, dass sie in allen Bereichen zulegen muss, um gegen eine starke Rasta-Mannschaft nicht komplett unterzugehen. Doch erneut hatte sie anfangs große Probleme, vernünftige Abschlusse zu kreieren. Nach einer dreiminütigen Flaute erlöste Brandon Thomas die Fans auf den Rängen endlich vom Stehen und Warten auf den ersten Korb, als er per Dreier zum 45:55 traf.

Dann trat Jordan Barnett in Erscheinung, der aus der Distanz scorte und insgesamt auf 20 Punkte kam, in der Defensive aber ebenfalls Orientierungsschwierigkeiten hatte. Dennoch: Beim 60:66 nach Viertel drei war für die 46ers noch alles drin. Und sogar noch 51 Sekunden vor Schluss, als die niemals aufgebenden, aber limitierten Lahnstädter nach Dreiern von Teyvon Myers und Brown auf 79:83 aufschlossen. Letztgenannter leistete sich aber nach Ballgewinn einen Fehlpass, den der allein nach vorne sprintete Alen Pjanic sicherlich zum 81:83 in die Reuse gestopft hätte. So entschieden die Gäste die Partie an der Freiwurflinie.

Freyer nannte als einen Grund des Verlierens das Fehlen von Petrasek, der an einer Wirbelsäulenerkrankung laboriert, die ihn auf "unbestimme Zeit" außer Gefecht setze. Im ersten Viertel habe man gemerkt, dass auf der Position vier die Variante, die die 46ers mit Petrasek hatten, fehle. Zwar stehen die Offiziellen in Kontakt mit möglichem Ersatz für den flexiblen Powerforward. Es klang aber nicht so, als ob in Kürze Verstärkung für die Gießen 46ers im Anflug sei. Die Zeit drängt aber, denn am Samstag geht es gegen den MBC und eine Woche später zu den Veilchen nach Göttingen. Beides Teams, die hinter den Gießenern stehen.

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