Aufschlag in ein neues Zeitalter der Leistungsklassen: Sobald wieder gespielt werden kann, wird die LK ab sofort wöchentlich aktualisiert. FOTO: FRIEDRICH
+
Aufschlag in ein neues Zeitalter der Leistungsklassen: Sobald wieder gespielt werden kann, wird die LK ab sofort wöchentlich aktualisiert. FOTO: FRIEDRICH

Meinung zur LK 2.0

"Verringert Ungerechtigkeit, wertet Doppel auf"

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
    schließen

Seit dem 1. Oktober erfolgt die Einstufung des Leistungslevels der heimischen Tennisakteure auf neuem Wege: Wöchentlich nun wird die Wertung angepasst, die Bandbreite, in der sich die Spieler bewegen, wird größer.

Die Zeit der Corona-Pandemie bringt auch dem heimischen Tennis große Veränderungen: Seit dem 1. Oktober gilt ein neues Leistungsklassen-(LK)System: Ständige Aktualisierung des eigenen Stands, leichterer Aufstieg, aber auch komplexere Formeln. Mit der LK werden im Verein gemeldete Tennisspieler seit rund zwei Jahrzehnten in ihrer Leistungsfähigkeit eingestuft. Die besten in Deutschland konnten sich bisher mit der LK1 schmücken, Anfänger begannen mit der LK23 - einmal jährlich änderte sich nach der Abrechnung die LK.

Partien, die in die LK-Wertung 2018 eingeflossen sind, fielen zu 72 Prozent auf Medenspiele mit der Mannschaft zurück, 16 Prozent fielen auf Leistungsklassen-Turniere, zwölf Prozent waren auf Ranglistenturniere zurückzuführen.

Der Deutsche Tennisbund trägt diesem Umstand nach eigenen Angaben nun Rechnung, indem er die Punktevergabe für einzelne Erfolge anpasst. Doppelsiege während der Medenrunde bringen Spielern künftig mehr Zähler ein, der Abstieg in eine niedrigere LK-Stufe wird abgemildert, fällt also bei Zwangspause in der Medenrunde geringer aus.

Das neue System basiert auf mehreren mathematischen Formeln, vor allem bei der Einbeziehung der Altersklasse wird es komplex. Klar ist: Die LK beginnt künftig bei 25 statt 23, die Hürden, um in eine höhere LK aufzusteigen, steigen mit der Leistungsfähigkeit. So muss die Lollarer Tennisspielerin mit LK 25 nur 50 Zähler für den Sprung auf die nächste LK sammeln (gleichbedeutend mit einem Sieg gegen eine gleich starke Spielerin), ein Hungener Tennisspieler mit LK13 benötigt beispielsweise 200 Punkte für den Sprung auf LK12. Eingesehen werden kann die eigene LK-Entwicklung auf mybigpoint.

Der bisherige Spitzenwert von 1 kann künftig nur noch von den Top 100 der Rangliste der Damen und Herren in Deutschland erreicht werden, Nachkommastellen sind möglich. Die wichtigsten Änderungen, die seit dem 1. Oktober gelten, im Überblick:

Wöchentliche Aktualisierung:Die LK wird deutlich dynamischer: Jede Woche erfolgt eine Aktualisierung der LK unter Berücksichtigung der erzielten Mannschafts- und Turnierergebnisse.

Erweiterung bis LK 25:Damit ergibt sich eine größere Differenzierung im unteren LK-Bereich, sodass sich die vielen Spieler mit LK 23 besser verteilen werden.

Leichterer Aufstieg:Spieler haben es im unteren LK-Bereich von nun an leichter, sich zu verbessern. In der LK 25 reicht beispielsweise bereits ein Einzelsieg für einen Aufstieg um eine LK-Stufe.

LK mit Nachkommastelle:Auch innerhalb der einzelnen LK-Stufen wird genauer differenziert: Die LK wird mit einer Dezimalstelle ausgewiesen. Somit lassen sich auch kleinere Verbesserungen abbilden.

Reduzierung des maximalen Abstiegs:Der bisherige Abstieg von max. 2 LK-Stufen pro Jahr wird auf 1,2 reduziert. Die Verrechnung erfolgt ebenfalls kontinuierlich: Jeder Spieler bekommt pro Monat einen "Motivationsaufschlag" von 0,1 auf seine LK angerechnet.

Wertung der Doppel:Auch Doppelspielen wird künftig angemessen gewürdigt: Doppel- und Mixedergebnisse fließen mit 50 Prozent Wertigkeit in die Berechnung ein. Damit wird sich das Abschenken von Doppeln reduzieren.

Jeder Sieg zählt:Auch Siege gegen LK-schwächere Gegner führen zu einer stärkeren Verbesserung. Somit gewinnt jedes Match an Bedeutung.

(sno). Zur LK-Wertung 2.0 haben wir zwei gegensätzliche Meinungen zweier Tennisspielerinnen aus der Region gesammelt.

Lisa Hoffmann, Mannschaftsführerin der Damen des TC Bad Vilbel IV:Ich erkenne viele Vorteile an der neuen LK-Wertung. In der Theorie klingt es jedenfalls gut, am eigenen Leib konnte man es ja noch nicht spüren.

Die Ungerechtigkeit wird verringert, unter anderem dadurch, dass die Spielstärke nun wöchentlich angepasst werden soll. Bislang war es oft so, dass man am Saisonende gegen eine LK20 beispielsweise gespielt hat, die tatsächlich schon LK15 war - das ist mit der ständigen Aktualisierung nun nicht mehr möglich. Die Rechnung ist ein bisschen schwierig zu verstehen, mit der App sollte das aber kein Problem sein.

Gut finde ich auch, dass die Doppel ab sofort höher gewertet werden. Teilweise war man in der Medenrunde, wenn die Spiele schon entschieden waren, etwas unmotiviert, teilweise wurden die Doppel leider sogar abgeschenkt. So kann sich die Spannung und Motivation nun erhöhen.

Insgesamt gesehen ist die Leistungsklasse natürlich vor allem ein Statussymbol. Wer in der LK 1 bis 10 unterwegs ist, kann definitiv richtig gut Tennis spielen. Gerade zwischen 15 und 20 bewegt sich aber vieles auf gleichem Niveau.

Andrea Hermann, Mannschaftsführerin der Damen 50 der MSG TV Watzenborn/TV Waldgirmes, Hessenliga-Meister:Die veränderte LK-Struktur klingt kompliziert. Deshalb habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt. Die Formeln habe ich nicht wirklich verstanden. Die ganze LK-Wertung ist mir persönlich auch ziemlich egal.

Ich will Tennis spielen, ob gegen eine LK14 oder LK22 ist mir egal. Auch meine eigene Leistungsklasse ist mir nicht wichtig. Ich glaube, die LK dient oft eher dem Ego. Wir lieben die Medenrunde als Mannschaft, meine Freundinnen fehlen mir. Was ich deshalb gut finde an der Änderung ist, dass die Doppel aufgewertet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare