In Vorfreude auf die neue Herausforderung: Nicklas Rau vom FC Kaichen pfeift künftig auch in der Fußball-Regionalliga. FOTO: FRA
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In Vorfreude auf die neue Herausforderung: Nicklas Rau vom FC Kaichen pfeift künftig auch in der Fußball-Regionalliga. FOTO: FRA

Regionalliga-Schiedsrichter

Unverhoffter Aufstieg: Wetterauer Schiedsrichter steigt in Regionalliga auf

  • vonFrank Schneider
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Der FC Kaichen ist in der kommenden Saison in der Fußball-Regionalliga vertreten. Schiedsrichter Nicklas Rau pfeift in der neuen Saison Spiele in der vierthöchsten Spielklasse. Dabei ist der 31-Jährige aus Nieder-Wöllstadt eigentlich schon zu alt für einen Aufstieg.

Seit im Jahr 1994 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) die damals noch drittklassige Regionalliga eingeführt wurde, hat noch kein Schiedsrichter aus dem Kreis Hanau in dieser Spielklasse gepfiffen. Nicklas Rau wird der erste sein. Der in Heldenbergen aufgewachsene 31-jährige Unparteiische des Friedberger A-Ligisten FC Kaichen profitiert dabei auch ein Stück weit von der Corona-Krise, denn regulär in diese Spielklasse aufgestiegen ist er nicht.

Nicklas Rau hat in seiner Vita schon einige Höhepunkte

Da in der Regionalliga wegen des Saisonabbruchs der Vorsaison in der Spielzeit 2020/21 nunmehr 22 Mannschaften an den Start gehen, wurde der Pool der für die Spielleitungen infrage kommenden Schiedsrichter mit einem sogenannten Ersatzkader erweitert.

Einer dieser Plätze ging an das Mitglied der Hanauer Schiedsrichtervereinigung. Etwa fünf Einsätze wurden den sonst in den Oberligen tätigen Schiedsrichtern des Ersatzkaders in Aussicht gestellt. Nicklas Rau freut sich schon auf jedes einzelne Spiel. Karrierehöhepunkte waren für ihn bislang Testspiele von Bundesligisten (so pfiff Rau 2018 das Gastspiel der Frankfurter Eintracht im Herbert-Dröse-Stadion gegen Hanau 93) und viele Entscheidungs- und Relegationsspiele. In der höchsten hessischen Spielklasse war für Rau das Nordhessenderby zwischen dem KSV Baunatal und dem KSV Hessen Kassel vor stattlicher Kulisse ein prägendes Erlebnis.

Nicklas Rau war eigentlich zu alt für einen Regionalliga-Aufstieg

"Nicklas Rau ist ein sehr guter und engagierter Schiedsrichter, der diese Berufung total verdient hat", sagt HFV-Vizepräsident Torsten Becker, der einst als Schiedsrichter bis zur Hessenliga pfiff. Rau tritt damit in die Fußstapfen von vor vielen Jahren höherklassig agierenden Schiedsrichtern aus dem Kreis Hanau wie dem schon verstorbenen Ex-Bundesliga-Referee Rudolf Schreiner.

Dass Nicklas Rau mit seinen 31 Jahren mittlerweile für einen regulären Aufstieg in der pfeifenden Zunft schon zu alt ist, gehört zu den Besonderheiten des Schiedsrichterwesens. In den vergangenen beiden Spielzeiten lag der Kaichener in der Bewertungsrangliste weit oben, den Weg in die vierthöchste Spielklasse wurde aber jüngeren Kollegen geebnet. Der in Nieder-Wöllstadt lebende Rau hat sich damit abgefunden. Als langjähriger Hessenliga-Referee ist er etabliert und genießt auch ohne einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter entsprechende Wertschätzung.

Seine gesammelte Erfahrung ist sowohl im Lehr- wie auch im Beobachterwesen gefragte Expertise. In der Region Frankfurt ist er für diese beiden Aufgabengebiete der verantwortliche Mann. Als 15-Jähriger legte Rau einst die Schiedsrichterprüfung ab. Seither ist er auf vielen Plätzen unterwegs gewesen und ist, in der eigenen Schiedsrichtervereinigung und auch von Verbandslehrwart Andreas Schröter gefördert, bereits mit Anfang 20 in den erlauchten Kreis der Hessenliga-Schiedsrichter aufgestiegen.

Jetzt hält Nicklas Rau selbst Ausschau nach Talenten. "Die Schiedsrichtervereinigungen haben alle ein Nachwuchsproblem, da das Image durch verschiedene Gewaltszenen auf dem Platz schon ein wenig gelitten hat, doch es gibt bei uns in der Region auch hoffnungsvolle junge Schiedsrichter, die sicherlich ihren Weg gehen werden", sagt der Hessenliga-Referee.

Schiedsrichterei hat Vorrang vor eigener Fußballertätigkeit beim FC Kaichen

Generell ist der Fußball das größte Hobby des Betriebswirts. Rau kann selbst passabel gegen den Ball treten und wirkt auch unterstützend im Spielausschuss des FC Kaichen mit. "Ich habe unserem neuen Trainer Marcel Kopp aber schon gesagt, dass er in dieser Runde mit mir besser nicht plant", erzählt Rau. Die Einsätze als Schiedsrichter haben für ihn Vorrang und Spielleitungen in der Regionalliga Südwest bedürfen auch einer gewissen Vorbereitung. "Ich kann da am Samstag keine Spielleitung absagen, weil ich mir am Tag zuvor im A-Liga-Training oder in einem Spiel eine Verletzung zugezogen haben", meint der 31-Jährige. Die unverhoffte Chance will er jetzt nutzen, die zugeteilten Spiele in der Regionalliga Südwest mit seinen Assistenten souverän über die Bühne bringen.

Als ausgesprochener Vereinsmensch genießt er beim Fußball auch das kameradschaftliche Drumherum. "Nicklas Rau kennt im Fußballkreis Friedberg wirklich jeder", sagt Kreisfußballwart Thorsten Bastian. Und in der neuen Saison kennt man ihn auch in der Regionalliga Südwest.

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