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Anja Schneidenbach, hier bei den diesjährigen hessischen Meisterschaften im Einzelzeitfahren, gehört zu den stärksten Radfahrerinnen im Bundesland.

Unverbissen ehrgeizig

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Anja Schneidenbach ist spät zum Radsport gekommen. Trotzdem ist die für den RV Germania Rockenberg startende Fahrerin eine der stärksten in Hessen.

Eigentlich wäre Anja Schneidenbach die perfekte Skispringerin. 52 Kilogramm verteilen sich auf 1,58 Meter Körpergröße. Dazu stammt sie aus dem sächsischen Klingenthal, bekannt für die Schanze am Schwarzberg. "Ich schaue beim Skispringen gerne zu, aber das ist nichts für mich", sagt Schneidenbach.

Ihre Leidenschaft ist der Radsport. Seit 2012 startet die 33-Jährige für den RV Germania Rockenberg, obwohl sie eigentlich in Fulda wohnt. Als es Schneidenbach beruflich nach Osthessen zog, wollte sie Lizenzrennen fahren. Über ihre Bekanntschaften aus dem Rockenberger Team, die sie bei einigen Rennen knüpfte, kam sie zur Germania - und ist seither ein fester Bestandteil der Rockenberger Mannschaft. Seit 2016 fährt sie zudem im Gießener Bundesliga-Team RSG Placeworkers.

Schneidenbach ist keine Lautsprecherin. Von ihren Erfolgen erzählt sie, als würde sie ihre Einkaufsliste vortragen. Dabei wurde sie 2014 nicht nur hessische Bergzeitfahrmeisterin, im vergangenen Jahr feierte sie mit dem Sieg bei den hessischen Zeitfahrmeisterschaften ihren größten Erfolg, die Titelverteidigung verpasste sie vor wenigen Wochen in Stadtallendorf als Zweite nur knapp. Dafür kürte sie sich am 1. Mai zur Hessenmeisterin im Straßenrennen. Ihre Bescheidenheit kommt aber zum Ausdruck, als sie direkt einordnet: "In Hessen fahren leider nicht so viele Frauen Radrennen, deswegen ist die Konkurrenz nicht so groß." Auch deswegen freut sie sich, in der Rad-Bundesliga gegen die nationale Elite zu fahren. "Das macht schon richtig Spaß", sagt sie.

Umso bemerkenswerter werden die Erfolge, als sie erzählt, wie sie zum Radsport kam: "Als Medientechnik-Studentin in Leipzig bin ich damit erstmals in Berührung gekommen. Mit Anfang 20 habe ich mir dann für 700 Euro mein erstes Rennrad gekauft." Für ein Rennrad ein Schnäppchen, deswegen fügt sie lachend an: "Ich habe es schon im Fahrradladen gekauft, aber es war mit einfacher Ausstattung."

Am Anfang startete sie bei Jedermann-Rennen und merkte, dass sie "gut dabei" ist, wie sie sagt. Schneidenbach mag es, wenn die Strecke hügelig ist. "Ausreißen ist bei meiner Statur schwierig. Ich versuche, kraftschonend zu fahren", sagt sie.

Der Reiz am Radsport liegt für sie in zwei Aspekten. Einerseits, um nach der Arbeit sich im Training auszupowern und in der Natur unterwegs zu sein. Der zweite ist der sportliche Ehrgeiz. "Ich bin zwar ehrgeizig, aber nicht verbissen", ordnet sie direkt wieder ein. "Ich schaue einfach, was ich mit meinen Möglichkeiten und dem Aufwand, den ich betreibe, noch erreichen kann." An drei Tagen in der Woche setzt sich Schneidenbach nach der Arbeit in einem kleinen Verlag auf ihr Rennrad und fährt zwischen zwei- und dreistündige Touren. Im Winter geht sie regelmäßig ins Fitnessstudio oder trainiert auf der Rolle, wenn das Wetter kein Radtraining zulässt. Mit ihrem Freund, dem Wölfersheimer Radfahrer Dirk Keßler, trainiert sie zusätzlich häufig am Wochenende.

Die Etappen der Tour de France, die sie schon als Kind intensiv verfolgte, einmal nachzufahren - ein gern gesetztes Ziel unter Radfahrern - kommt bei Schneidenbach eher nicht infrage. "Ich würde höchstens mal eine Woche am Stück fahren. Aber die langen Etappen über drei Wochen, das ist mir zu viel", sagt sie. Lieber will sie am 18. August bei den hessischen Bergzeitfahrmeisterschaften am Eisenberg bei Kirchheim auftrumpfen, am 15. September steht das Rennen "Rund um das Stadttheater" in Gießen auf dem Programm. Es wäre keine Überraschung, wenn bald der nächste Podestplatz auf die Einkaufsliste von Anja Schneidenbach kommt.

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