Nicklas Rau hat in dieser Saison erstmals ein Spiel in der Fußball-Regionalliga als Schiedsrichter geleitet. FOTO: SCHNEIDER
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Nicklas Rau hat in dieser Saison erstmals ein Spiel in der Fußball-Regionalliga als Schiedsrichter geleitet. FOTO: SCHNEIDER

Unterbrechung nachvollziehbar

  • vonFrank Schneider
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Als Fußball-Schiedsrichter ist Nicklas Rau durch die Corona-Pandemie stark eingeschränkt. Im WZ- Gespräch überrascht der Nieder-Wöllstädter mit der Aussage, dass auch ihm die Zuschauer fehlen.

Als Hessenliga-Schiedsrichter ist Nicklas Rau das sportliche Aushängeschild der Hanauer Schiedsrichtervereinigung. Der aus Heldenbergen stammende und mittlerweile in Nieder-Wöllstadt lebende 31-Jährige zählt in dieser Runde zu einem Pool an Schiedsrichtern, die auch in der Regionalliga Südwest eingesetzt werden. Im Gespräch mit dieser Zeitung schildert der auch als Fußballer und Funktionär für den Friedberger A-Ligisten FC Kaichen tätige Rau seine Eindrücke aus der vierthöchsten Spielklasse und den Umgang der Schiedsrichterzunft mit der anhaltenden Corona-Krise.

Herr Rau, Sie sind seit dieser Saison erstmals als Schiedsrichter in der Regionalliga Südwest unterwegs. Wie sind Ihre ersten Erfahrungen?

Ich hatte am 25. Oktober mein erstes Spiel beim FK Pirmasens. Fußballerisch ist das nochmal ein Unterschied in puncto Schnelligkeit und Intensität. Aber auch die Professionalität im Vergleich zur Hessenliga ist klar erkennbar. Ich bin froh, dass ich vor dem erneuten Lockdown noch diese Erfahrung sammeln durfte, da ich sehr gut im Spiel drin war und von beiden Teams voll akzeptiert wurde.

Im Zuge der Saisonunterbrechung wird derzeit ja heiß diskutiert, ob Fußball in den Regionalligen noch Amateursport ist oder dort bereits Profibedingungen herrschen. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Ein Profi macht hauptberuflich nichts anderes als Fußball spielen. Da in der Regionalliga etwa 50 Prozent der Teams anderweitig berufstätige Spieler in ihren Reihen haben, sehe ich die Spielklasse auch nicht als komplette Profiliga an. Dafür gibt es einfach zu viele Unterschiede. Daher ist die Unterbrechung nachvollziehbar, wenn die Ausübung von Fußball nur dem Profisport vergönnt ist.

Sind Ihre höherklassigen Einsätze als Schiedsrichter wegen der Pandemie ebenfalls erschwerten Bedingungen unterworfen ?

Das Einhalten der AHA-Regeln gehört ja inzwischen zum Alltag und wird beim Fußball ebenfalls eingehalten. Im Spiel ist aber alles wie immer, daher sehe ich da keine erschwerten Bedingungen. Schade ist die fehlende Atmosphäre durch ausbleibende Zuschauer, die auch mir als Schiedsrichter fehlen.

Gibt es in Corona-Zeiten eigentlich auch für Schiedsrichter virtuelles Training oder Schulungen?

Jede Schiedsrichtervereinigung bietet monatlich Online-Sitzungen an. Hinzukommen Videokonferenzen vom Verbandsschiedsrichterausschuss. Das Training liegt in der Eigenverantwortung jedes einzelnen Schiedsrichters.

Befürchten Sie, dass - wenn die jetzige Situation noch einige Zeit anhält - Ihnen für weitere Aufstiege womöglich die Zeit davonlaufen könnte ?

Ohne die Pandemie wäre ich nicht mehr als Schiedsrichter in die Regionalliga aufgestiegen. Mit 31 Jahren gilt man beim DFB bereits als zu alt. Die neue Grenze für die Regionalliga liegt aktuell bei 25 Jahren. Die Zeit spielt da also schon lange gegen mich. Ich habe in diesem Fall von der aktuellen Situation profitiert.

Sie kennen sich ja durch ihre Mitarbeit im Lehr- und Beobachtungswesen der Region Frankfurt auch in unteren Ligen aus. Schiedsrichter können ja während des Spiel oftmals nicht auf Kontakte verzichten, auch Abstand halten fällt in kritischen Situationen schwer. Gehen die oftmals in den unteren Ligen zum Einsatz kommenden älteren Schiedsrichter aufgrund der Pandemie nicht unnötige Risiken ein?

Mir ist bisher kein Fall bekannt, der auf eine Ansteckung während eines Fußballspiels zurückzuführen ist. Daher sehe ich da nicht das große Risiko. Die Gefahr besteht eher nach dem Spiel vor und in den Vereinsheimen. Wenn man sich an die AHA-Regeln hält, besteht auf dem Sportplatz nur wenig Gefahr - auch nicht für ältere Schiedsrichter. Durch die Wiederaufnahme des Spielbetriebs konnte wenigstens etwas Normalität für alle Schiedsrichter zurückkehren. Die Bereitschaft mehr Spiele als üblich zu leiten, war spürbar.

Wie sieht es in Sachen Nachwuchsarbeit in den Schiedsrichtervereinigungen aus? Lassen sich aufgrund der aktuellen Situation überhaupt Lehrgänge für Neulinge planen beziehungsweise besteht dafür überhaupt Nachfrage ?

Die Nachfrage hält sich eher in Grenzen. Die eine oder andere Vereinigung hat Online-Lehrgänge durchgeführt. Dadurch wird immerhin die Digitalisierung im Schiedsrichterwesen gefördert. Teilweise mussten auch Lehrgänge wieder abgesagt werden. Die Vereinigungen müssen jetzt versuchen, im Frühjahr durch Neulingslehrgänge Schiedsrichter zu gewinnen und die ausgebildeten Schiedsrichter in der Praxis einsetzen, damit die Nachwuchsschiedsrichter langfristig dem Hobby Schiedsrichter erhalten bleiben. Im Lockdown und ohne Einsätze besteht die Gefahr, dass Schiedsrichter wieder abspringen oder ganz aufhören.

Wie hart trifft Sie eigentlich persönlich der "Lockdown light" ?

Da ich beruflich voll ausgelastet bin, habe ich einen geregelten Tagesablauf und der erneute Lockdown betrifft mich nicht so sehr wie andere Menschen. Was mir aktuell fehlt, ist der persönliche Kontakt zum Freundeskreis, die eingeschränkten Sportmöglichkeiten und das fehlende Vereinsleben - einfach auf den Sportplatz gehen, Bekannte treffen und gemütlich ein Bier trinken. Ich freue mich auf die Zeit, wenn die Pandemie vorbei ist und wir zurück zur Normalität übergehen können.

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