Nico Kurz aus Nidderau-Ostheim hat sich zum zweiten Mal in Folge für die Darts-Weltmeisterschaften in London qualifiziert. Bei seinem Debüt war der heute 23Jährige als Außenseiter in die dritte Runde vorgestoßen. FOTO: LEHMANN
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Nico Kurz aus Nidderau-Ostheim hat sich zum zweiten Mal in Folge für die Darts-Weltmeisterschaften in London qualifiziert. Bei seinem Debüt war der heute 23Jährige als Außenseiter in die dritte Runde vorgestoßen. FOTO: LEHMANN

Unter anderen Umständen

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Er hat es erneut geschafft: Nico Kurz aus Nidderau- Ostheim hat sich zum zweiten Mal in seiner noch jungen Karriere für die Darts-Weltmeisterschaften qualifiziert. Dort hofft der 23-Jährige auf einen Coup wie im Vorjahr - als er überraschend bis in die dritte Runde gekommen war. Doch die Vorzeichen sind in diesem Jahr ganz anders.

In gut eineinhalb Wochen startet die zweite Auflage seines Darts-Wintermärchens in England: Nico Kurz aus Nidderau-Ostheim hat sich wie im Vorjahr für die Weltmeisterschaften (15. Dezember bis 3. Januar) im Londoner Alexandra Palace qualifiziert. Die Vorfreude ist dem 23-Jährigen anzumerken. "Die WM ist einfach das größte, das es gibt, und ich darf schon wieder mitmachen. Das ist einfach nur geil! Die Teilnahme ist für mich schon ein riesiger Erfolg", sagt Kurz.

Er ist richtig gut drauf und blendet offensichtliche Nachteile aus. Die besten Spieler der Welt durften trotz Coronavirus-Pandemie in den vergangenen Wochen viele Turniere spielen. Der Ostheimer hingegen hatte im Oktober bei der European Tour in Hildesheim sein letztes Spiel unter Wettkampfbedingungen. "Ich kann das sowieso nicht ändern und von daher belastet mich das auch nicht. Es kann sein, dass es für die Profis ein Vorteil ist, aber ich fühle mich gut und trainiere hart", sagt er.

Drei Stunden am Tag steht er am Oche. Mal geht er zu Freunden trainieren, mal kommen Freunde zu ihm. Die meiste Zeit steht er aber alleine an der Scheibe. "Wenn du drei Stunden voll trainiert hast, dann bist du mental alle. Das Training ist anstrengend, aber ich ziehe das durch und werde die Trainingszeit in den nächsten Tagen noch einmal erhöhen."

Zwei Siege zum WM-Debüt

Er weiß warum. Im vergangenen Jahr war er der große Außenseiter bei der WM, schlug in der ersten Runde überraschend James Wilson aus England mit 3:1 und warf in der zweiten Runde ebenso überraschend den an Nummer 15 gesetzten Engländer Joe Cullen aus dem Turnier. In der dritten Runde verlor er dann knapp mit 2:4 gegen den Engländer Luke Humphries.

Zehn seiner Freunde hatten sich extra Urlaub genommen, waren nach London gereist und feierten mit Kurz. "Auf der Bühne kriegst du das alles gar nicht mit. Du willst nur gut spielen und dein Spiel gewinnen. Richtig realisiert habe ich alles immer erst, als ich mir abends im Hotel die Spiele noch einmal angesehen habe", sagt der 23-Jährige.

Kurz hatte im vergangenen Jahr gar nicht damit gerechnet, so weit zu kommen und hat immer wieder seinen Urlaub verlängern müssen. In diesem Jahr hat sich der Industriemechaniker von den Stadtwerken Hanau den Jahresurlaub gleich ans Jahresende gelegt und den ganzen Dezember frei.

Und es gibt noch einen Pluspunkt bei der zweiten WM-Teilnahme. In diesem Jahr kennt er sich in London aus. Er weiß wo das Hotel ist, kennt die Wege und Zeiten bis auf die Bühne.

Viele Unklarheiten im Vorfeld

Trotzdem wird vieles anders sein. Wegen Corona dürfen nur 1000 statt 3000 Fans in den legendären Alexandra Palace. Ausländische Fans dürfen gar nicht erst anreisen. Selbst ob er seine Freundin als Begleitperson mitnehmen darf, ist noch offen. "Es ist noch nicht klar, an welchem Tag ich mein erstes Spiel habe. Von daher habe ich auch noch keinen Flug und kein Hotel gebucht", erzählt er.

Klar ist aber, dass er ein schweres Los erwischt hat. Er spielt gegen den 53-jährigen und extrem erfahrenen Engländer Andy Hamilton. Ob der gegen den jungen Deutschen nervös wird, ist fraglich. "Ich glaube von den Profis wird auf der Bühne keiner mehr nervös. Hamilton ist ein sehr guter Spieler. Aber wenn man sein bestes Spiel abliefert, ist alles möglich", meint Kurz.

Auch der Nidderauer hat schon oft bewiesen, dass er in den entscheidenden Momenten die Nerven behalten kann. Den Schritt zum Vollprofi wagt er aber noch nicht. "Ich liebe meinen Beruf und mein Hobby Darts. Es wäre zwar gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht gerne Profi wäre, aber ich mache mir einfach keinen Stress. Ich bin noch sehr jung und versuche mich in jedem Jahr für die Profitour in England zu qualifizieren", sagt er. "Aber ich habe noch ganz viel Zeit."

Die aktuelle deutsche Nummer eins, Gabriel Clemens, aus dem Saarland wurde erst vor drei Jahren im Alter von 34 Jahren Profi. Sollte Kurz sein Auftaktmatch gegen Hamilton gewinnen, würde er in der zweiten Runde gegen eben jenen Clemens alias "The German Gigant" antreten. Im Finale der deutschen Superleague gewann er im Sommer gegen Clemens und schnappte sich auf diesem Wege sein Ticket für die WM. Kurz schränkt aber gleich ein: "An das zweite Spiel denke ich überhaupt noch nicht. Das erste Spiel wird schwer genug und darauf konzentriere ich mich."

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