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Unpopulär, aber alternativlos: HSG Wetzlar zieht U23 zurück

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(ra). Es ist eine unpopuläre Maßnahme, doch die U 23 der HSG Wetzlar wird am Saisonende aus der 3. Liga in die Oberliga zurücktreten. Für die Stammvereine TSV Dutenhofen und TV Münchholzhausen sowie die HSG Wetzlar GmbH und Co. KG ist diese Maßnahme alternativlos. Geschäftsführer Björn Seipp erklärt im Interview die Hintergründe. Und deutet an, dass es darüber hinaus längst Gedankengänge bezüglich einer Konzentration der Handball-Kräfte in Mittelhessen gibt.

Björn Seipp, wie ist es zu dem Entschluss gekommen, die U 23 am Ende der Saison aus der 3. Liga zurückzuziehen?

Björn Seipp:"Wir mussten einfach feststellen, dass wir langfristig nicht die Mittel zur Verfügung haben, um eine 2. Mannschaft in der 3. Liga zu halten und zielführend so aufzustellen, dass das Team als echter Unterbau für die Bundesliga-Mannschaft dient. Wir haben den mit Abstand niedrigsten Etat aller Drittligisten in Deutschland und sind jetzt schon personell unterbesetzt.

Die 3. Liga ist eben Teilprofitum. Da kommen die Spieler auch aus 50 bis 150 km Entfernung.

Seipp:"Exakt. Und letztlich kämen diese Spieler nur, um hier 3. Liga zu spielen und um Geld zu verdienen. Mit Anschlusskader für die Bundesliga hätte das nichts zu tun. Der Abstand ist ungefähr so wie der der Gießen 46ers zu den Teams in der NBA. Die Vorstellung, die viele haben, dass ein Spieler aus der A-Jugend kommt, ein Jahr U23 spielt und es dann fest in den Bundesliga-Kader schafft, ist Sport-Romantik pur.

Das heißt?

Seipp:"Das wir aus den genannten Punkte die Konsequenz gezogen haben. Es ist doch klar, dass diese Entscheidung für emotionalen Gesprächsstoff bei unseren Fans und Partnern sorgt. Aber klar ist auch, dass wir die wirtschaftliche Verantwortung für die Vereine und die Bundesliga-GmbH haben. Wir haben in den vergangenen Jahren jeweils einen sechsstelligen Betrag eingebracht, um die 3. Liga zu bewerkstelligen. Soll das aber zielführend sein, müsste man diesen Betrag mehr als verdoppeln. Dieses Risiko können und werden wir nicht gehen.

Welche Auswirkungen hat das auf die Jugendarbeit?

Seipp:"Die Nachwuchsarbeit von der C- bis zur A-Jugend wird weitergeführt. Klares Ziel ist auch das Vorantreiben der Kooperation und Zusammenarbeit mit dem TV 05/07 Hüttenberg. Denn wir haben hier wie dort die gleichen Probleme."

Gibt es da einen neuen Stand?

Seipp:"Es haben schon einige Gespräche stattgefunden. Alle Beteiligten wissen meiner Auffassung nach um die Vorteile, die eine Zusammenarbeit bringen würden.

Welche Idealvorstellung gibt es bei der HSG Wetzlar in Sachen Nachwuchsarbeit für die nächsten zwei, drei Jahre?

Seipp:"Das kurzfristige Ziel ist es, dass wir eigenständig in allen Altersklassen, also C- bis A-Jugend, die höchsten Spielklassen erreichen. Auf längere Sicht hin müssen die Vereine in Hüttenberg und Wetzlar ihre Kräfte bündeln, um für die Jugendlichen unserer Region ein Top-Produkt anbieten zu können."

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