Ungewöhnliche Umstände

  • vonred Redaktion
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(mka). Es ist schon eine bittere Pointe. Da kommt eine der besten Mannschaften Deutschlands, wenn nicht gar Europas, zu Besuch an den Frankfurter Ratsweg, um dort Puckjäger aufs Eis zu schicken, wie man sie dort selten sieht - und dann darf keiner zuschauen.

"Es ist sehr schade für unsere Fans, dass sie nicht dabei sein können", sagt Franz-David Fritzmeier, Sportdirektor der Frankfurter Löwen, über das Testspiel an diesem Freitag (19.30 Uhr) gegen Red Bull München, denn: "Wir wollten unseren Fans damit eine große Freude bereiten, und unseren Spielern auch."

Der aktuelle Löwen-Jahrgang immerhin wird in den Genuss eines ungleichen Kräftemessens kommen, wenn auch unter ungewöhnlichen Umständen: Dass die Spiele in allen deutschen Profiligen zumindest im November vor leeren Rängen ausgetragen werden, ist seit der Verschärfung der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vom Mittwoch klar und gilt zumindest für die ersten Wochen der neuen DEL 2-Saison. Und auch schon für den letzten Härtetest gegen München, vor zwei Jahren im Champions-League-Finale und in der vergangenen Saison als Erster der DEL-Hauptrunde auf dem besten Weg zum Titel - wie die Löwen eine Etage drunter -, ehe die Absage der Playoffs wegen der Pandemie allen Ambitionen ein Ende setzte,

Nun beginnt in Frankfurt der nächste Anlauf, in einer nicht nur wegen Corona besonderen Saison, an deren Ende der Meister der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys endlich wieder in die erste aufsteigen darf. Der Härtetest gegen München bietet da schon einmal einen interessanten Vorgeschmack. "Wir hatten in den letzten zwei Jahren immer hochkarätige Gegner in der Vorbereitung", erinnert Fritzmeier. "Für uns und unsere Spieler ist das ein interessanter Vergleich. Da kann jeder sehen: Wie weit ist der Weg zum Spitzen-Level, für uns als Team und individuell?"

Erste Erkenntnisse

Mit zwei Größen der eigenen Klasse hat man sich übungshalber schon getroffen: Beim EHC Freiburg, in der vergangenen Saison überraschend stark dabei, siegten die Löwen vorige Woche 2:1, bei den alten Hessenrivalen Kassel Huskies verloren sie am Sonntag mit 3:4 - wobei für Fritzmeier und Co. die daraus gewonnenen Erkenntnisse wichtiger waren als die Ergebnisse. "In Freiburg waren wir schon gut unterwegs. Man hat gemerkt, dass die Mannschaft im Sommer gut gearbeitet hat und fit ist", hält der Sportdirektor fest, und: "Wir standen defensiv schon ganz gut und hatten auch nach vorne gute Ansätze." In Kassel sei es dann ein typisches Testspiel gewesen, ein Auf und Ab, mit einigen Fehlern auf beiden Seiten. "Da hat man gesehen, dass wir gerade im Detail noch einiges an Arbeit vor uns haben", so Fritzmeier. "Aber dafür ist die Vorbereitung ja da."

Bis zum Saisonstart am 6. November, wieder gegen den Aufstiegs- und Meisterschaftskonkurrenten Kassel, dann aber daheim am Ratsweg, wird noch an taktischen und anderen Feinheiten geschliffen, nach den bestmöglichen Reihen gesucht. Der Kader dafür war früh weitgehend beieinander, eine prominente Nachverpflichtung aus der DEL hat Fritzmeier auch nicht vor - während in Kassel etwa zuletzt die Nationalspieler Moritz und Marcel Müller anheuerten, solange die erste Liga noch nicht loslegt.

"Das ergibt keinen Sinn, wenn der Verein wirtschaftlich ums Überleben kämpft, Spieler und Mitarbeiter auf Gehalt verzichten und Staatshilfen in Anspruch genommen werden, dann den Kader aufzublähen", erklärt der Löwen-Manager. "Und wir wollen ja auch eine Mannschaft entwickeln, und nicht jemanden reinsetzen, der einem für ein paar Wochen den Platz wegnimmt und dann wieder weg ist." Ganz ausschließen will Fritzmeier einen derartigen Transfer aber auch nicht. "Das käme aber nur infrage, wenn ein Spieler langfristig verletzt ist und damit auch ein Posten wegfällt", sagt er. "Zusätzliches Geld werden wir dafür nicht in die Hand nehmen."

Der letzte freie Platz im Kader wird in Kürze so besetzt, wie man es lange geplant hat - mit einem ausländischen Verteidiger. Mit der Entscheidung haben sich die Löwen Zeit gelassen, weil "wir immer den bestmöglichen Spieler wollten", erklärt Fritzmeier. Nun hat man ihn wohl gefunden, was in Corona-Zeiten auch eine spezielle Aufgabe war - einen Namen gibt es allerdings noch nicht.

Kein Gejammer

Jammern gilt indes nicht im Löwen-Lager. Nicht über den zweimal verschobenen Saison-Spätstart, nicht über die von sechs auf dreieinhalb Wochen begrenzte Vorbereitung mit der gesamten Mannschaft. "In der Situation, in der wir uns befinden, sind wir froh, unserer Arbeit nachgehen zu können", betont Fritzmeier. "Es ist eine außergewöhnliche Situation für die ganze Welt. Die müssen wir so nehmen wie sie ist und versuchen, positiv nach vorne zu schauen." Zwar sei vieles anders: keine Zuschauer zum Beispiel, dafür Hygiene- und Abstandsregeln in Kabine und Halle und eine ganze Reihe Unwägbarkeiten. Aber sobald die Spieler auf dem Eis seien, sagt Franz-David Fritzmeier, sei zumindest ein Stück Normalität zurück: "Das gibt ihnen Sicherheit." Und das kann ja nicht schaden, in einer Zeit voller Ungewissheiten.

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