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Der ehemalige Zweitliga-Profi Ugur Albayrak ist der wohl prominenteste Neuzugang in der Gruppenliga Frankfurt-West. Bereits am vergangenen Wochenende lief er erstmals im Dress des Türkischen SV Bad Nauheim auf. Sein Team gewann gegen den Kreisoberligisten TSG Ober-Wöllstadt - hier gegen Tim Oliver Menges - klar mit 9:2.

Prominenter Neuzugang im Interview

Ugur Albayrak: Ex-Zweitliga-Profi als neuer Hoffnungsträger beim Türkischen SV Bad Nauheim

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Er hat bereits bei allen großen hessischen Fußballklubs gespielt, Erfahrungen in Profligen gemacht - und nun ist er der Hoffnungsträger des Türkischen SV Bad Nauheim: Ugur Albayrak. Ein Interview.

Über die Frage, welcher Verein der Gruppenliga Frankfurt-West sich für die Meisterschaftsrunde 2019/2020 den spektakulärsten Neuzugang sichern konnte, braucht man nicht lange nachzudenken. Diesbezüglich hat der Türkische SV Bad Nauheim mit der Verpflichtung von Ugur Albayrak einen sensationellen Coup gelandet, der aufhorchen ließ und klubintern Hoffnungen auf ein zumindest ebenso gutes Abschneiden wie in der Spielrunde 2018/2019 (Rang drei) weckt.

Türkischer SV Bad Nauheim: Ugur Albayrak und Spielertrainer Tufan Tosunoglu kennen sich aus Offenbach

Denn der nach eigenen Angaben "waschechte Frankfurter Bub", der in der vergangenen Saison für den Verbandsligisten SC 1960 Hanau in 19 Einsätzen sieben Treffer erzielte, kann auf eine lange Profi-Laufbahn blicken. Die führte den inzwischen 31-jährigen Offensivspieler ab der Saison 2007/2008 bis August 2018 inklusive eines Kanada-Trips zu den Ottawa Fury sowie der Türkei-Engagements bei Kayserispor und Keciörengücü Ankara zu zehn verschiedenen Klubs. Inzwischen hat er dem Profifußball entsagt und sich einer Ausbildung zum Immobilienkaufmann gewidmet. In seiner Zeit bei Kickers Offenbach, dem FSV Frankfurt, Eintracht Frankfurt II, dem SV Darmstadt 98, Eintracht Trier, Viktoria Aschaffenburg und Wacker Nordhausen brachte es Albayrak auf drei Einsätze in der zweiten Liga, 38 Spiele in der dritten Liga, 129 Regionalliga-Spiele und 30 Hessenliga-Duelle. Bad Nauheims Spielertrainer Tufan Tosunoglu erwartet von seinem "Spezi" aus gemeinsamen Offenbacher Zeiten einen auf die ganze Mannschaft bezogenen Leistungsschub: "Steht uns Ugur Albayrak permanent zur Verfügung, wären 20 oder mehr Saisontreffer nichts Außergewöhnliches". Das Interview mit dem Ex-Profi lässt erkennen, dass er die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen beabsichtigt.

Herr Albayrak, Sie sind in ihrer bisherigen Fußballer-Laufbahn viel rumgekommen, standen in Kanada, in der Türkei und bei allen hessischen Spitzenklubs unter Vertrag. Wo hat es Ihnen am besten gefallen?

Ugur Albayrak:Meine schönste Zeit war definitiv bei den Offenbacher Kickers, wo ich das Einmaleins des Fußballs von der Pike auf gelernt habe. Auch in Kanada, bei den Ottawa Fury, war’s sehr interessant. Zwar nur ein halbes Jahr, weil ich ein heimatverbundener Mensch bin, aber Land und Leute kennenzulernen, war ein tolles Erlebnis.

Sie haben in Ihrer Karriere bislang unter 24 verschiedenen Übungsleiter gespielt. Gab’s in all den Jahren Trainer, die Ihnen besonders imponiert haben?

Albayrak:Natürlich hatte jeder seine ganz speziellen Eigenarten und besaß genügend fachliche Kompetenz. Aber Hans-Jürgen Boysen, unter dem ich in Offenbach und später auch beim FSV Frankfurt gespielt habe, ist die klare Nummer eins. Mit ihm konnte man auch mal über Dinge reden, die sich außerhalb des fußballspezifischen Tagesgeschäfts bewegten. Ihm am nächsten kam Kosta Runjaic, der zu meiner Zeit beim SV Darmstadt 98 auf dem Trainerstuhl saß.

Nun spielen Sie für den Türkischen SV Bad Nauheim. Wie kam es dazu?

Albayrak:Tufan Tosunoglu kenne ich seit gefühlten 20 Jahren. In Offenbach haben wir fast alle Jugendklassen gemeinsam durchlaufen und sind später in den OFC-Profikader berufen worden. Da war es nur logisch, dass wir später mal gemeinsame Sache machen würden. Jetzt hat sich der Kreis geschlossen. Tufan Tosunoglu und Deniz Can, der TSV-Spielausschussvorsitzende, hatten bereits während der vergangenen Runde mal nachgefragt, ob ich mir einen Wechsel nach Bad Nauheim vorstellen könnte. Dort Fußball mit nach wie vor hohem Engagement, aber unter nicht ganz so professionellen Bedingungen zu spielen, passt exakt in meine persönlichen Planungen.

Beim 9:2-Testspielsieg über den Kreisoberligisten TSG Ober-Wöllstadt waren Sie erstmals im TSV-Dress mit von der Partie. Welchen Eindruck hatten Sie von der Mannschaft?

Albayrak:Für’s erste Spiel unter Wettkampfbedingungen war es wirklich nicht schlecht. Defizite, die mir aufgefallen sind, gab’s natürlich auch. Die Fehlpassquote war zu hoch und die Chancenverwertung trotz der neun erzielten Tore zu gering. Ferner gilt es, zu langes Ballhalten zu vermeiden.

Tufan Tosunoglu, Ihr früherer Weggefährte aus Offenbacher Zeiten, bestimmt beim Türkischen SV die sportlichen Richtlinien. Eine Konstellation, die Konflikt-Potenzial zumindest nicht ausschließt, oder?

Albayrak:Da wird es mit Sicherheit keine Probleme geben. Tufan Tosunoglu ist der Trainer. Er bestimmt, was Sache ist. Ich bin lediglich Spieler und werde teamintern die Aufgaben übernehmen, die ich nach den Vorgaben des Trainers erfüllen soll. Klar ist aber auch: Ich bin mir nicht zu schade, innerhalb der doch recht jungen Mannschaft zusammen mit erfahrenen Spielern wie Firat Can oder Salih Yasaroglu eine Führungsrolle zu übernehmen. Dass der Verein das von mir auch erwartet, liegt auf der Hand.

Gibt es Positionen, auf denen Sie Ihre Fähigkeiten besonders effektiv zur Geltung bringen können?

Albayrak:Ich bin Stürmer und fühle mich zentral in der Spitze eigentlich am wohlsten. Links offensiv agieren oder hinter den Spitzen die Fäden ziehen, könnte ich mir aber ebenfalls vorstellen. Extrem laufintensive Rollen, etwa im zentralen Mittelfeld oder als Abwehraußen, waren hingegen noch nie mein Ding und werden es auf meine alten Tage wohl auch nicht mehr werden.

Letzte Saison wäre der TSV Bad Nauheim um ein Haar in die Verbandsliga Süd aufgestiegen. Zählt der Klub auch in der neuen Runde zum Kreis der Titelanwärter?

Albayrak:Dies zu beurteilen, ist schwierig. Dazu kenne ich die Konkurrenz zu wenig. Für mich persönlich gilt: Der Türkische SV Bad Nauheim erreichte in der vergangenen Runde Tabellenplatz drei und musste in Sachen qualitativer Personalausstattung gewiss keine Einbußen quittieren - das Gegenteil ist eher der Fall. Deshalb gehe ich davon aus, dass wir erneut in der Spitzengruppe mitmischen können. Und wenn nächstes Jahr der Sprung in die Verbandsliga Süd ansteht, wäre es für mich keine Überraschung.

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