Kreissportgerichtsurteil

Überraschende Wende in Verhandlung über Spielabbruch in Nieder-Wöllstadt

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Der Spielabbruch zwischen dem SV Nieder-Wöllstadt und dem SV Gronau sah aus wie eine klare Sache: ein Unfall. Doch bei der Verhandlung vor dem Kreissportgericht gab es eine überraschende Wende.

Alles sah danach aus, als sollte das am 18. November abgebrochene Spiel in der Fußball-Kreisoberliga Friedberg zwischen dem SV Nieder-Wöllstadt und dem SV Gronau einfach noch einmal neu angesetzt werden. Doch in der Verhandlung des Kreissportgerichts gab es dieser Tage dann doch eine überraschende Wendung: Der Nieder-Wöllstädter Spieler Jannik Braun wird für drei Pflichtspiele gesperrt, der Verein hat die Verfahrenskosten und die Verwaltungsgebühren (insgesamt rund 100 Euro) zu tragen, die Partie soll zudem von Klassenleiter Armin Kling neu angesetzt werden.

Kreisoberliga Friedberg: Schiedsrichter fügt in mündlicher Aussage ein entscheidendes Detail hinzu

Was war passiert? Braun war in der 70. Minuten besagter Partie nach einem Zweikampf am Boden angeschlagen liegen geblieben, der Unparteiische Marcel Uhl (Maintal) hatte sich nach dessen Befinden erkundigen wollen und sich hinuntergebeugt. Braun wollte daraufhin offenbar die Hand des Schiedsrichters von seiner Schulter lösen, als er den Unparteiischen so unglücklich am Kinn traf, dass dieser erst zurücktaumelte, dann zu Boden ging und wenig später mit dem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung in ein Krankenhaus gebracht werden muss.

Uhl blieb als Zeuge vor dem Kreissportgericht um den Vorsitzenden Karl-Ernst Kunkel und seine Beisitzer Klaus Häuser und Egon Antmansky bei dieser Aussage, die er bereits in einem ausführlichen Sonderbericht dargelegt hatte – mit einer Ausnahme. Uhl sagte aus, er habe das Spiel zwar grundsätzlich fortsetzen, dem Spieler aber zuvor die Rote Karte wegen unsportlichen Verhaltens zeigen wollen. Dies sei aber aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands nicht mehr möglich gewesen. "Der Schiedsrichter konnte uns glaubhaft rüberbringen, dass er dem Spieler wegen einer Unsportlichkeit eigentlich die Rote Karte hatte zeigen wollen. Diese Aussage kam uns wahrheitsgemäß vor", sagte Kunkel nach der knapp zweistündigen Verhandlung. Wegen ebenjener Unsportlichkeit ist Braun nun vom Kreissportgericht bestraft worden.

Kreisoberliga Friedberg: SV Nieder-Wöllstadt will Urteil akzeptieren und nicht in Berufung gehen

Eine Sperre wegen unsportlichen Verhaltens beträgt mindestens zwei Spiele, sie wurde auf drei erhöht, da "es eine unnatürliche Handbewegung des Spielers in Richtung des Schiedsrichters war und der Treffer so stark war", erklärte Kunkel weiter. Immerhin: Im Falle einer Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter hätten dem Spieler mindestens zwölf Spiele Sperre sowie mindestens weitere vier wegen des Herbeiführens eines Spielabbruchs gedroht.

Während Kontrahent Gronau, mit drei Zeugen bei der Verhandlung im Sportheim des SV Ober-Mörlen vertreten, bereits im Vorfeld angekündigt hatte, jedes Urteil zu akzeptieren, gab es vonseiten der Nieder-Wöllstädter Überlegungen, in Berufung zu gehen. Davon sah der Verein nach einer internen Sitzung am Montagabend angesichts des Aufwands einer Verhandlung vor dem Verbandssportgericht aber ab. "Wir akzeptieren das Urteil zähneknirschend. Es hat ein Geschmäckle für uns, aber wir wollen nach vorn schauen", sagte Pressesprecher Walter Nebel auf Nachfrage. "Die Sache ist unerfreulich, aber wir machen jetzt einfach den Deckel drauf". Man sei dennoch weiterhin davon überzeugt, dass der Vorfall zwischen Braun und dem Schiedsrichter nicht mehr als ein Unfall gewesen sei.

Man werde nun versuchen, das Spiel eine Woche vor dem ersten regulären Spieltag am 10. März ansetzen zu lassen. Die genaue Entscheidung darüber obliegt Klassenleiter Kling nach Rücksprache mit den Vereinen.

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