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In der Klemme: Salvatore Bar (Mitte) und der FC Hanau 93 - hier beim Spiel gegen Türk Gücü Friedberg um Ceyhun Dinler (l.) und Abdussamed Gürsoy - bangen angesichts der Corona- Krise um das finanzielle Fortbestehen des ältestens Fußballklubs Hessens. FOTO: JAUX

Überleben in stürmischen Zeiten

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(fra). Wie existenzbedrohend ist die durch die Corona-Krise auferlegte Fußball-Zwangs-pause im Amateurbereich? Hessenligist FC Hanau 93 hat bereits am Wochenende Alarm geschlagen und seine Mitglieder und Freunde um Spenden gebeten, um laufende finanzielle Verpflichtungen trotz wegbrechender Einnahmen kompensieren zu können.

In den sozialen Netzwerken rief der Spendenaufruf des ältesten hessischen Fußballklubs - moderat ausgedrückt - aber auch kritische Töne hervor. Art und Weise und auch der Zeitpunkt lösen in Anbetracht der dramatischen Ausnahmesituation im Land bisweilen Unverständnis und Kopfschütteln aus. "Wir werden kritisiert, dass wir uns den Virus zunutze machen, um an Gelder zu kommen. Dabei ist es doch gerade der Virus, der in den kommenden Monaten ein Massensterben an Vereinen auslösen wird", sagt Abteilungsleiter Giovanni Fallacara. "Ja, Hanau 93 geht es finanziell schlecht und das übrigens nicht erst seit Corona - und wir haben uns mit dem Brief an unsere Sponsoren und Fans gewandt, weil wir Hilfe brauchen. Ich traue mich wenigstens, das öffentlich zu tun und stecke da gerne die Prügel ein", erklärte Fallacara, der mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Adolfo Alonso den Hilferuf unterzeichnet hat.

Die fehlenden Einnahmen aus dem vorerst einzigen abgesetzten und dazu nicht als Kassenschlager zu erwartenden Heimspiel gegen den Tabellenletzten FSV Fernwald (ursprünglich terminiert für den 28. März) bereiteten weniger die größten Bauchschmerzen, vielmehr sind es fortlaufende Gehaltszahlungen und die daraus resultierenden Abgaben an Berufsgenossenschaft, Krankenkassen und Knappschaft. "Wir sind solide auf- gestellt und haben unsere Spiele alle ordnungsgemäß angemeldet, aber wir sind von der Einnahmenseite zeitlich nach vorn lahmgelegt", skizziert Fallacara die Lage.

Aufgrund der finanziellen Schieflage sei ein Aufruf an Mitglieder, Gönner und Fans ohnehin geplant gewesen. Erst kam der Terror in Hanau dazwischen, jetzt Corona. Irgendwann habe man sich an die Öffentlichkeit wenden müssen, betont Fallacara. Aus dem angesprochenen Kreis potenzieller Geldgeber habe es auch keine Kritik gegeben, Unmut hätte es nur in den sozialen Medien gegeben. Aber: "Ich will mir auch nicht nachsagen lassen, dass ich nicht auf unsere Situation hingewiesen hätte."

Denn: Aktuell sei es keineswegs gesichert, dass der Traditionsverein auch in der kommenden Saison die Hessenliga wird stemmen können, auch wenn Fallacara fest von der sportlichen Berechtigung ausgeht. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ab Mitte April wieder gespielt werden kann. Die Saison wird bestimmt annulliert und es wird keine Auf- und Absteiger geben", prophezeit der Abteilungsleiter.

"Seit sieben Jahren kämpfe ich mit anderen für diesen Verein ums Überleben. Dabei haben wir auch unzählige Spendenaktionen für andere Vereine gemacht. Jetzt brauchen wir Hilfe und werden prompt kritisiert", ärgert sich Fallacara, der aktuell auch kommissarisch den Förder- verein des FC Hanau 93 leitet.

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