Frankfurt-Marathon

Überleben bis nächstes Jahr

  • vonred Redaktion
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(kaja). Monatelang hatten Renndirektor Jo Schindler und sein Team darum gekämpft, den Frankfurt-Marathon in diesem Jahr trotz der Coronavirus-Krise nicht absagen zu müssen. Doch schließlich sah sich der Veranstalter des zweitgrößten deutschen City-Klassikers gezwungen, die Reißleine zu ziehen - nach 1986 zum erst zweiten Mal in der Geschichte. Am Dienstag wurde das Aus des eigentlich für den 25. Oktober vorgesehenen Events verkündet. Die 39. Auflage des Traditionslaufs am Main soll es nun erst am 31. Oktober 2021 geben.

"Gemessen an den Nöten, die diese weltweite Pandemie den Menschen, Staaten, Institutionen und Unternehmen bereitet, ist die Absage einer Sportveranstaltung weniger bedeutend", sagt Schindler. Die Entscheidung stellt für ihn und seine Agentur motion events in wirtschaftlicher Hinsicht jedoch auch einen großen Einschnitt dar.

Mit zahlreichen Problemen, die ihnen das Virus und die damit noch bis mindestens 31. Oktober verbundenen Einschränkungen für Großveranstaltungen in Hessen bereiteten, wären die Organisatoren wohl klargekommen. Abstandsregelungen am Start und auf der Strecke, ein veränderter Zieleinlauf und individuelle Verpflegung - vieles wäre trotz der Masse an Läufern, die sich nach mehr als 27 000 im Vorjahr gerade auf einen neuen Teilnehmerrekord zubewegte, möglich gewesen. Doch auch die zuletzt etwa 400 000 Zuschauer am Rand hätte man nach den offiziellen Vorgaben mit ihren Daten erfassen müssen, um eine Nachverfolgung sicherzustellen. Dafür, sagt Schindler, sei es "zu spät" gewesen. Bei längerer Vorlaufzeit hätten die Teilnehmer schon bei der Meldung ihre Begleiter angeben können. Entlang der 42,195 Kilometer langen Strecke könnte man Zonen für Fans einrichten, die sich vorher registrieren. Der City-Biathlon in Wiesbaden, der allerdings nur über 1,6 Kilometer führt, will dies Ende September vormachen.

Fürs nächste Jahr sollen solche Ideen, die dann noch mit den zuständigen Behörden abzustimmen wären, für alle Fälle in den Planungen mit berücksichtigt werden. Jetzt gilt es erst einmal, das eigene Überleben sicherzustellen. Denn auch wenn der normalerweise mit einem Budget in Höhe von mehr als drei Millionen Euro ausgestattete Marathon nicht stattfindet, fallen bei der sich jeweils über ein Jahr streckenden Planung reichlich Ausgaben an. Deshalb wurden die Läufer gebeten, sich die Meldegebühr nicht auszahlen zu lassen, sondern einen Gutschein vorzuziehen, den sie innerhalb von drei Jahren gegen einen Startplatz eintauschen können. Echte "Marathon-Retter" verzichten gleich ganz auf ihre Einzahlung.

Schindler hat seine Mitarbeiter inzwischen auf Kurzarbeit gesetzt. Zudem wurde ein Unternehmerdarlehen in Höhe von 400 000 Euro bewilligt. Mit Sponsoren und Partnern versucht er Einigung darüber zu erzielen, dass sie zumindest einen Teil ihrer Zuschüsse aufrechterhalten. Auch Stadt und Land sicherten zu, wie Schindler es ausdrückt, "dass sie uns nicht im Regen stehen lassen".

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