Überall Sorgen

  • vonred Redaktion
    schließen

(hna/sid). Es sind Worte, die aufrütteln. Und zugleich Worte, die in den Sozialen Netzwerken so häufig geteilt wurden, dass man vom sprichwörtlichen durch die Decke gehen sprechen kann. Am Dienstag hat sich Moritz Müller, Kapitän der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft und Vorsitzender der neuen Spielergewerkschaft, zu Wort gemeldet. Sein Beitrag wurde tausendfach geteilt und kommentiert. Die Reichweite und Resonanz sind also riesig.

So schreibt der Ex-Kasseler: "Wir sorgen uns alle um unseren Sport, aber man hört uns noch nicht laut genug!" Und: "Wir brauchen gerade jetzt lösungsorientiertes Denken, um dem Eishockey zu helfen. Anstatt darüber zu sprechen, was man alles nicht darf, muss man über Szenarien sprechen, wie man es machen kann. (...) Die Eishockey-Familie muss dringend auf sich aufmerksam machen."

Auch Denis Shevyrin, in der vergangenen Saison Kapitän des DEL2-Klubs Kassel Huskies und zuvor beim EC Bad Nauheim aktiv, hat Müllers Worte auf seinem privaten Insta-gram-Profil geteilt und seine persönliche Meinung kundgetan: "›Wir‹ sind Sportarten wie Eishockey, Basketball, Handball usw., die massiv von den Veranstaltungsverboten betroffen sind und bis jetzt, so scheint es mir, mit der Arbeit, Bemühungen um neue Konzepte und Suche nach Lösungen allein gelassen werden."

Auch sein Beitrag stieß auf große Resonanz. Er habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, sich in dieser Form zu äußern, erklärt Shevyrin. "Ich möchte zum Nachdenken auffordern. Darüber, wie wichtig Sport für unsere Gesellschaft ist. Und ob nicht gerade Profisport einen Beitrag zur Erleichterung der Situation leisten kann. Egal ob Spieler, Fan oder Ehrenamt- licher: Lasst uns gemeinsam nach Lösungen suchen. Denn auch bei uns geht es um Existenzen und die Erhaltung der tollen Entwicklung des Eishockeys in Deutschland in den vergangenen Jahren."

Anlass für die deutlichen Worte ist die zusehends kompliziertere Lage für das Profi-Eishockey. Sowohl DEL als auch DEL 2 wollen am 13. beziehungsweise 6. November in die neue Spielzeit starten - mit Fans. In Stein gemeißelt sind die Daten aber nicht. Denn Zuschauereinnahmen sind für den Sport überlebenswichtig. Und erst in der vergangenen Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Rücksprache mit den Länderchefs mitgeteilt, dass eine Arbeitsgruppe bis Ende Oktober die Möglichkeiten für eine Rückkehr von Zuschauern in Sportarenen erarbeiten soll.

Zudem erschweren unterschiedliche Corona-Regelungen der Länder den Spielbetrieb. Beispiel Junioren-Eishockey: Denn jetzt wurde ebenfalls bekannt, dass Bayerns Erstliga-Teams vorerst nicht am bundesweiten Spielbetrieb teilnehmen dürfen. Infolgedessen wurde der fürs anstehende Wochenende geplante Saisonstart in der Deutschen Nachwuchsliga vorerst auf Ende September verschoben. In zwei Wochen will das bayrische Kabinett auf Grundlage dann vorliegender Corona-Zahlen neu entscheiden.

Der Deutschen Eishockey Liga (DEL) rennt derweil die Zeit davon. Gut zwei Monate vor dem geplanten Ligastart fehlt den 14 Klubs immer noch eine klare Perspektive der Politik für einen machbaren Saisonstart. Die strengen Regeln wegen Corona in Bayern und Nordrhein-Westfalen behindern bislang die Planungen, die Klubs schlagen Alarm, im neuen Jahr droht einigen von ihnen das Aus.

"Wenn es dabei bleibt, dass in Bayern keine und in NRW nur 300 Zuschauer erlaubt werden, dann wird es sehr schwierig für uns. Wir wollen kein Harakiri", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke dem SID. Bis Mitte oder spätestens Ende September müssten die Klubs Klarheit haben, "um vernünftig in die Saison starten zu können", sagte Tripcke.

"Wir brauchen einige Wochen Vorlauf", sagte Geschäftsführer Philipp Walter vom Bad Nauheimer DEL-Kooperationspartner Kölner Haie dem SID. Nicht nur die Teams müssten sich auf die Saison vorbereiten, auch in den Arenen und bei den Medienpartnern müsse viel in die Wege geleitet werden. "Wir fordern, dass uns die Politik eine Perspektive aufzeigt", so Walter.

Der Bund-Länder-Gipfel hat eigentlich Zuschauer für den Profisport verboten, doch Tripcke sieht Chancen. Man habe die Beschlüsse so verstanden, dass Sportevents "unter der Einhaltung von Hygienestandards mit Zuschauern möglich sind", erklärte der Liga-Chef. Deshalb setze man auf die Vorschläge der neuen Arbeitsgruppe mit den Chefs der Staatskanzleien.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare