2. Handball-Bundesliga

Turbulente Saison mit Happy End für TV Hüttenberg

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Der TV 05/07 hat eine Saison hinter sich, die bestimmt noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Natürlich auch wegen der Pandemie, der Spiele ohne Zuschauer und dem spannenden Saisonverlauf.

Mit dem letzten Spieltag am vergangenen Wochenende endete eine Handball-Saison, die sich in dieser Form wohl kein Vereinsverantwortlicher, Spieler und Anhänger noch einmal so wünscht. Die wahnsinnige körperliche und mentale Belastung traf alle Teams der 1. und 2. Handball-Bundesliga - darunter eben auch den heimischen TV 05/07 Hüttenberg. 31 Punkte hat der Zweitligist auf die Habenseite bringen können, diese Ausbeute dürfte auch für die kommende Saison ein Ziel sein.

Als am Samstagabend gegen 19.20 Uhr der Abpfiff der Zweitliga-Saison ertönte, wurde vielen bewusst, was gerade erreicht wurde. Nicht nur die DHB-Pokalteilnahme ab Sommer war für den TV 05/07 Hüttenberg gesichert, sondern es war das versöhnliche Ende einer eigentlich unvorstellbaren Saison. Inmitten einer Pandemie, mit mehr Unwägbarkeiten als Klarheiten und der oft täglichen Befürchtung, einen positiven Corona-Test zu erhalten. Dazu mussten sich Spieler und Vereine - bis auf wenige Partien - auf Handball vor leeren Rängen einstellen. »Normalerweise arbeiten wir Montag bis Freitag, um einen Spieltag am Samstag und ein Erlebnis für unsere Fans auf die Beine zu stellen. Das war dieses Jahr brutal schwierig und es dauerte auch einige Zeit, bis man das akzeptiert hatte«, gibt TVH-Geschäftsführer Fabian Friedrich Einblick in die veränderte, alltägliche Arbeit.

Der Saisonverlauf: Hüttenberg tat sich von Beginn an enorm schwer. Bereits das erste Saisonspiel gegen den ambitionierten Aufsteiger aus Wilhelmshaven ging verloren, es herrschte Ernüchterung in Hüttenberg. Denn erst am fünften Spieltag gelang in der Rittal-Arena der erste Punkt, anschließend siegte der TVH in Eisenach. Ohne Nikolai Weber und den damaligen Cheftrainer Frederick Griesbach, der mittlerweile als Co-Trainer bei den Frauen der SG BBM Bietigheim agiert, sorgte Interimscoach Johannes Wohlrab für den ersten doppelten Punktgewinn. Anschließend setzte es drei Niederlagen in Folge, die am 30. November 2020 die Entlassung von Griesbach nach sich zog. Über den Zeitpunkt ließe sich durchaus diskutieren, da die vorherigen Niederlagen gegen die späteren Bundesliga-Aufsteiger Lübbecke und Hamburg jetzt nicht die großen Überraschungen waren. So rutschte Wohlrab in die Rolle des Cheftrainers - und wie. Aus den fünf Spielen bis zum Jahresende holten die Hüttenberger acht von zehn möglichen Punkten und schöpften so neue Hoffnung im Abstiegskampf. Der Trainerwechsel erwies sich für den heimischen Zweitligisten als goldrichtige Entscheidung. »Der Weg, den ich mit der Mannschaft eingeschlagen habe, der hat gefruchtet. So was weiß man natürlich vorher nie. Aber wir wollten zurück zu den Hüttenberger Attributen und wieder als Kollektiv auftreten«, sagt Wohlrab im Rückblick.

Nach der Winterpause setzte es bei Abstiegskonkurrent Emsdetten erst einmal eine deftige 27:34-Niederlage, anschließend jedoch einen 25:24-Heimsieg gegen den TuS Ferndorf. »Die Niederlage in Emsdetten war schon ein ordentlicher Nackenschlag, aus dem wir unsere Lehren ziehen mussten und was auch einfach zu der Entwicklung einer Saison dazugehört«, glaubte Wohlrab immer an die Qualitäten seiner Mannschaft. Und er sollte durchaus recht behalten. Fünf Heimspiele in Folge blieb der TVH ungeschlagen, erst der VfL Gummersbach stoppte in einem dramatischen Finish diesen Lauf. Am Ende der Saison sollte sich diese kleine Diskrepanz auch in den Punkten zeigen: Zu Hause holten die Blau-Weißen 19 Punkte, auswärts waren es zwölf.

Lange von Corona verschont geblieben, erwischte es dann Mitte April auch Hüttenberg: Zwei Wochen Quarantäne aufgrund mehrerer Infektionen und damit verbundene Spielabsagen waren die Folge. Nach drei Wochen ohne Spiel ging es Anfang Mai zurück in den Ligaalltag und in die letzten zehn Saisonspiele. Nach dem Motto, »mühsam ernährt sich das Eichhörnchen«, sammelte die junge Wohlrab-Truppe Punkt um Punkt, um drei Spieltage vor Schluss, im Heimspiel gegen Emsdetten, den Matchball zum Klassenerhalt zu haben - und zu verwandeln.

In Erinnerung bleiben wird sicherlich der folgende Auswärtssieg beim TuS Ferndorf, in dem Wohlrab die jungen Wilden losließ, die Erfahrenen schonte und die jüngste Mannschaft der Zweitligageschichte überraschend siegte. »Ich bin wirklich unglaublich stolz auf die Mannschaft. Die jungen Spieler sind immer mehr in ihre Verantwortung reingewachsen und ich hätte im Dezember nicht gedacht, dass wir drei Spieltage vor Schluss den Klassenerhalt für uns sichern. Natürlich hatten wir auch Tiefs, aber die gehören zur Saison dazu, und die Mannschaft hat sich da immer wieder rausgezogen. Am Ende haben wir unser Ziel erreicht und ich bin sehr glücklich und mächtig stolz«, kommt Wohlrab fast schon ins Schwärmen. »Ein ganz besonderer Dank gilt in dieser Saison unserem gesamten medizinischen Team. Ob Athletiktrainer Jonas Meissner, Reha-Trainer Peter Nagel oder unsere Physiotherapeuten und Ärzte. Wir hatten für die Belastungen wirklich wenige Verletzungen, das ist allein ihr Verdienst«, stellt er das Team hinter dem Team in den Vordergrund.

Das Personal: »Aus der Not eine Tugend mit der Jugend gemacht«: So oder so ähnlich könnte man die Planungen beim TVH in Worte fassen. Allen voran Eigengewächs Niklas Theiß nahm im Saisonverlauf eine immer wichtigere Rolle ein, verdrängte hinter Merlin Fuß auf Halbrechts Dieudonne Mubenzem an die zweite Stelle. Fuß und Mubenzem verlassen Hüttenberg nun, nach dem zweiten Mann neben Theiß wird noch gesucht. Ian Weber, Hendrik Schreiber und der tschechische Nationalspieler Vit Reichl erwiesen sich als richtig starke Transfers. Reichl fand sich extrem schnell in das Hüttenberger Spielsystem ein, Weber und Schreiber waren mit Merlin Fuß die Taktgeber im Rückraum. Ryuga Fujita, vor der Saison aus Leipzig gekommen, machte seine Rolle auf Rechtsaußen als Backup von Routinier Tobias Hahn ordentlich, sein Part könnte in der kommenden Saison noch wichtiger werden. Marvin Lindenstruth entpuppte sich als wichtige Entlastung am Kreis und im Deckungsverbund für Vit Reichl, zeigte vorne wie hinten gute Leistungen, wenn Reichl eine Pause brauchte. Stefan Kneer war mit seiner Erfahrung nach anfänglicher Verletzungsprobleme die erwartet wichtige Stütze für die jungen Spieler. Insbesondere der junge Patrick Jockel profitierte von seiner Unterstützung, wenn der TVH mal in der 6:0-Deckung agierte.

Die Zukunft … hat einen Dirigenten mit dem Taktstock: Dominik Mappes. Der Rückkehrer vom Bundesliga-Absteiger Eulen Ludwigshafen, quasi der verlorene Sohn, der zurück in die Heimat kommt. Er soll sie anleiten, die jungen Theiß, Schwarz und Co., deren Rolle kommende Saison noch wichtiger werden wird. Wohlrab: »Wir wollen und müssen den Weg mit eigenen Jungs aus der Jugend gehen. Das ist die Philosophie des Vereins und von mir. Dafür steht Hüttenberg!« Bezeichnend dafür, dass der 18-jährige Noel Hoepfner einen Vertrag bis 2024 unterschrieben hat, auf der Torwartposition rückt Finn Rüspeler in das Umfeld der ersten Mannschaft hinter Dominik Plaue und Simon Böhne.

Die Hallensituation: Wird der TV Hüttenberg seine Heimspiele demnächst wieder im heimischen Sportzentrum austragen? Es ist der Wunsch der Verantwortlichen: »Natürlich würden wir gerne wieder vor unserer heimischen Tür spielen. Mit den aktuellen Bestimmungen sind die Vorgaben im Sportzentrum aber schwierig umsetzbar. Wir fahren deshalb logischerweise zweigleisig in der Planung. Um im Sportzentrum spielen zu können, müsste sich die Lage noch weiter entspannen und die Parameter passen«, lässt Geschäftsführer Friedrich verlauten. »Klar ist aber: Wir brauchen unsere Zuschauer. Mit einer weiteren Saison ohne Zuschauer wäre an Bundesliga-Handball in Hüttenberg nicht mehr zu denken.«

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