Gruppenliga Frankfurt-West

Türkischer SV Bad Nauheim vom Aufsteiger zum Gruppenliga-Spitzenreiter

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Der Türkische SV Bad Nauheim mischt die Fußball-Gruppenliga Frankfurt-West weiter munter auf. Der Aufsteiger die Spitze der Tabelle übernommen und darf jetzt von der Verbandsliga träumen.

Das war er, der erste ligaübergreifend komplette Spieltag in den Fußball-Amateurklassen. Es war ein holpriger Start mit etlichen Spielabsagen. Regen, Sturm und teils chaotische Platzverhältnisse machten dort, wo überhaupt angepfiffen und tatsächlich bis zum Ende durchgehalten wurde, den Kampf um einen möglichst ertragreichen Jahreseinstieg zu einem reinen Glücksspiel. Zu jenen Klubs, die den widrigen Begleitumständen die kalte Schulter zeigten und ihre Marschroute souverän umsetzt, zählt ganz gewiss der Türkische SV Bad Nauheim. Als Rangdritter der Gruppenliga Frankfurt-West beim FC Oberstedten gastierend, feierte die Mannschaft von TSV-Spielertrainer Tufan Tosunoglu im Oberurseler Stadtteil einen sicheren 5:1-Sieg und übernahm, weil die Partien des Führungsduos Spvgg. 05 Oberrad und SV BKC Bosnien abgesagt werden mussten, nach Saisonsieg Nummer 15 mit nunmehr 49 Zählern auf dem Konto erstmals die Tabellenführung – als Aufsteiger.

"Derzeit läuft wirklich alles nach Wunsch", meint Bad Nauheims sportlicher Leiter Deniz Can, "aber die aktuelle Situation ist nur eine Momentaufnahme. Oberrad und Bosnien haben weniger Spiele absolviert und verfügen deshalb in Sachen Meisterschaft über die besseren Chancen." Eine Sicht der Dinge, die einleuchtet. Fakt ist aber auch: Dass die Badestädter als Neuling derart hartnäckig in der Spitzengruppe mitmischen würden und nach 23 von 32 Pflichtspielen sogar vom Sprung in die Verbandsliga träumen dürfen, hätte zu Saisonbeginn selbst klubintern niemand für möglich gehalten. Eine Entwicklung, die nicht von ungefähr kommt:

Türkischer SV Bad Nauheim: Das sind die Gründe für den Höhenflug

Superstart ins neue Jahr: Mit optimalen neun Punkten aus den Spielen in Beienheim (2:1), gegen Neu-Anspach (3:2) sowie in Oberstedten (5:1) setzten die Bad Nauheimer ihren ab Mitte September eingeleiteten Höhenflug (elf Siege, drei Remis, nur eine Niederlage in Fauerbach) eindrucksvoll fort. Klar, dass die TSV-Cracks ihre Stärken auch am kommenden Sonntag vor eigenem Publikum im Gipfeltreffen gegen die Frankfurter Bosnier demonstrieren und sich für die Anfang September erlittene 1:3-Vorrundenniederlage revanchieren wollen. "Von nichts kommt nichts. Wir haben in der Wintervorbereitung hart trainiert. Das zahlt sich jetzt aus. Zudem verfolgen Tufan und ich ein klares taktisches Konzept, das zwar offensiv ausgerichtet ist, aber defensive Pflichten nicht vernachlässigen darf. Nur so hat man Erfolg", sagt Co-Trainer Sinan Can, der als rechte Hand von Spielertrainer Tosunoglu seit Sommer 2016 sportliche Verantwortung trägt. Man habe, so der Übungsleiter, aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und sich nach dem Gruppenliga-Abstieg /2017 sowie dem sofortigen Wiederaufstieg ein Jahr später vor der neuen Saison gezielt verstärkt. "Dabei wurde nicht nur auf Qualität geachtet", ergänzt Deniz Can. Will heißen: Spieler, die den Klub lediglich als Durchgangsstation betrachteten, waren und sind auf dem Rödgener Sportplatz unerwünscht.

Innovative Personalmaßnahmen: Vereine, bei denen nahezu alle im Sommer letzten Jahres geholten Neuverpflichtungen die Erwartungen erfüllen konnten, muss man mit der Lupe suchen. Dass der TSV diesem exklusiven Kreis angehört, ist unstrittig. Kamber Koc im Tor, dessen Stellvertreter George Meynioglu, die Abwehrspieler Fabian Schusterschitz und Volkan Kirim, Simon Kammer zusammen mit Jasmin Emrovic, Olcay Sancar, Rafael Adege und Haris Hodovic im Mittelfeld sowie im Angriff der mit 25 Treffern bislang treffsicherste Gruppenliga-Torjäger Salih Yasaroglu und Mevla Yigit sind nicht weniger als elf Personal-Ergänzungen, die die Erwartungen an sie erfüllen konnten.

Türkischer SV Bad Nauheim: Jetzt wird vom Aufstieg in die Verbandsliga Süd geträumt

Vereinsphilosophie: Hayrettin Bayrak und Celil Gezici vom Präsidium, Spielausschuss-Boss Emrah Koc und Deniz Can als Sportlicher Leiter verfolgen zusammen mit den Trainern Tosunoglu und Sinan Can zwei Ziele: Erstens die Vereinsidentität mit der Stadt Bad Nauheim zu pflegen sowie zweitens den Plan umzusetzen, künftig weitere Spieler mit deutschen Wurzeln an den Klub zu binden. "Simon Kammer und Fabian Schusterschitz fühlen sich bei uns pudelwohl. Sprachbarrieren gibt’s nicht. Hier sprechen alle deutsch, sowohl im Training als auch im Spiel", verrät Sinan Can. Deniz Cans Hinweis, "unser Kader besteht zu großen Teilen aus Bad Nauheimer Jungs", lässt auf geradezu familiäre Verhältnisse schließen. Ein Teamessen jeden Donnerstag bestätigt diese These.

Info

"Verbandsliga wäre der größte Erfolg der Klubgeschichte"

Im Sommer letzten Jahres, nach dem sofortigen Wiederaufstieg, war das Motto "Klassenerhalt" die ausgegebene Leitlinie beim Türkischen SV Bad Nauheim. Auch nach den ersten drei Saisonmonaten hatte sich daran nichts geändert, obwohl Spielertrainer Tufan Tosunoglu und seine Mannschaft längst in der Spitzengruppe der Fußball-Gruppenliga Frankfurt-West Stammgast waren. Inzwischen ticken die Uhren allerdings anders. "Klar, wir wollen weiter vorne mitspielen", sagen die Brüder Deniz und Sinan Can. Und sollte es noch ein bisschen mehr werden, hätten sie nichts dagegen: "Der Türkische SV Bad Nauheim hat noch nie in der Verbandsliga gespielt. Für unseren Verein wäre es eine völlig neue Erfahrung und der größte Erfolg in der Klubgeschichte." Dies bedeutet: Auf den Aufstieg zu verzichten, etwa aus organisatorischen Gründen, schließen die TSV-Verantwortlichen aus. Ob’s tatsächlich klappt, steht zwar auf einem anderen Blatt, doch das restliche Saisonprogramm könnte man durchaus als Steilvorlage werten: Sechs Heimspielen gegen den SV BKC Bosnien, Friedrichsdorf, Hausen, Bad Homburg, Dortelweil und Kalbach stehen lediglich noch drei Auswärtsduelle in Fechenheim, Seckbach und am vorletzten Spieltag beim Titelfavoriten Spvgg. 05 Oberrad gegenüber. Sollten die Bad Nauheimer vor ihrem 31. Pflichtspiel noch in Reichweite der "Nullfünfer" liegen, wäre das wohl ein Knüller mit Knalleffekt zum Saisonabschluss.

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