Trauer um einen Pokalhelden von 1970

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(jm). Die Replik des größten Triumphs der Offenbacher Vereinsgeschichte hatte seit jeher einen Platz in der Wohnzimmer-Anrichte im Weilbächerschen Heim in Hanau-Steinheim: Am 29. August 1970 hatte der OFC - als erster Zweitligist überhaupt - gegen den großen 1. FC Köln mit Stars wie Wolfgang Overath, Hannes Löhr oder Heinz Flohe den DFB-Pokal gewonnen. Beim 2:1-Sieg in Hannover stand Josef "Seppl" Weilbächer selbstverständlich in der Startelf. Der gebürtige Hattersheimer, der 1965 von Eintracht Frankfurt zum OFC gewechselt war und bis zu seinem frühen Karriereende 1971 stets im rot-weißen Trikot auflief, war eine der prägenden Figuren einer ebenso erfolgreichen wie illustren Ära Offenbacher Fußballgeschichte.

Beim ersten Aufstieg in die Bundesliga 1968 war er als rechter Verteidiger gesetzt, nach dem Abstieg und dem sofortigen Wiederaufstieg folgte die Krönung mit dem Pokal-Coup in Hannover. Die Freude über den Triumph ließ ihn damals auch die Schmerzen über die gebrochene Hand vergessen. "Du bleibst erst mal drin", hatte ihm Trainer-Legende Kurt Schreiner in der Halbzeit des Finales gesagt. Und Weilbächer biss selbstverständlich auf die Zähne, hielt durch - und stemmte später mit verbundener Hand den Pokal in die Höhe.

Ein Jahr später beendete Weilbächer nach dem erneuten Abstieg des OFC und der Aufdeckung des Bundesliga-Skandals nach 316 Spielen für den OFC seine Karriere. Der Familienmensch hatte sich gegen Angebote von Grasshopper Zürich und Hertha BSC entschieden. Fortan widmete er seine Kraft der familieneigenen Druckerei in Klein-Auheim, wo die Weilbächers 55 Jahre heimisch waren, ehe sie 2005 nach Steinheim zogen. "Ohne meine Frau Marion war ein Umzug undenkbar", hatte Weilbächer erklärt. Ausgerechnet am Tag des 54. Hochzeitstages starb Weilbächer nun im Alter von 75 Jahren. Er hinterlässt neben seiner Frau Tochter Steffi - und ein großes Vermächtnis als Fußballer und Persönlichkeit der Region.

In Klein-Auheim, beim FC Alemannia, benötigte er eine Weile, um sich vom Bundesliga-Spieler auf A-Klassen-Fußball umzustellen. "Statt Konkurrenzkampf galt es plötzlich das Kameradschaftliche zu pflegen", hatte Weilbächer eingeräumt. Beim FCA wirkte er jahrelang als Spieler, Trainer und Funktionär, aber auch die Kickers ließ er nie im Stich. Getreu seinem Motto: "Einmal Kickers, immer Kickers!" Bei der Traditionsmannschaft "Waldis" war er natürlich Stammspieler, genauso beim vom langjährigen OFC-Hauptsponsor Portas ins Leben gerufenen Promi-Klub FC Rhein-Main. "Das waren tolle Zeiten", hatte sich Weilbächer in Gesprächen stets gerne erinnert.

Doch der Mann mit dem großen Herzen für seine Familie und seine Vereine stellte sich auch in schlechten Zeiten hinter seinen Herzensklub. Nach dem Lizenzentzug Ende der 1989 in Folge einer unzureichenden Bürgschaft war er im Verwaltungsrat und im Präsidium der Kickers engagiert. Jahrzehntelang verfolgte er die Spiele des OFC, seit 2013 in die Viertklassigkeit der Regionalliga Südwest abgestürzt, auf der Tribüne.

Karl-Heinz Volz, Torwart und Elfmeterheld der Pokalsiegerelf von 1970 erinnert sich: "Der Seppl war ein Kickers-Mann mit Leib und Seele, obwohl er von der Eintracht kam. Er war gefühlt bei jedem Spiel der Kickers als Fan vor Ort, war ein richtig guter Typ, stets freundlich und gut drauf. Er war ein Außenverteidiger mit Drang nach vorne, hat auch immer wieder Tore geschossen. Ja, er war ein klasse Fußballer, immer mit vollem Einsatz dabei, da kannte er weder Freund noch Feind."

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