Tomáš Sklenák gibt den Spielzug vor. In 20 Jahren als Profihandballer war das nie anders. Nach fünf Jahren verlässt er nun den TV 05/07 Hüttenberg. FOTO: RAS
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Tomáš Sklenák gibt den Spielzug vor. In 20 Jahren als Profihandballer war das nie anders. Nach fünf Jahren verlässt er nun den TV 05/07 Hüttenberg. FOTO: RAS

Handball

Tomáš Sklenák, der Meister des Wacklers

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Nach fünf Jahren beim TV 05/07 Hüttenberg beendet Tomáš Sklenák seine Handball-Laufbahn. Der Spielmacher kehrt in seine Heimat Tschechien zurück.

Das vorzeitige Saisonende in der Handball-Bundesliga hat verhindert, dass in Hüttenberg die traditionelle Verabschiedungsparty nach dem letzten Saisonheimspiel steigen konnte. So musste der TV 05/07 Hüttenberg nach der schon länger fest stehenden Trennung von Markus Stegefelt die Abgänge so verdienter Spieler wie Kapitän Mario Fernandes, Eigengewächs Moritz Lambrecht und auch Routinier Tomáš Sklenák zunächst mit einer einfachen Pressemitteilung verkünden, hat mittlerweile aber für den 21. Juni ein virtuelles Abschiedsspiel ins Leben gerufen.

"Ja, das ist besonders schade", trauert der 38-jährige Tscheche. Denn er ist, genauso wie in seinen zehn Jahren beim ThSV Eisenach, der ihn zuletzt in seine "Hall of Fame" aufnahm, ein Publikumsliebling. "Mir war es immer wichtig, dass ich nach einem Spiel, egal ob es gut oder schlecht war, nicht gleich nach Hause bin, sondern mich den Fans gestellt habe. Schließlich bezahlen auch sie uns mit ihrem Eintritt."

Den Status musste sich Sklenák allerdings erarbeiten, was ihm mit seiner professionellen Einstellung aber bemerkenswert schnell gelang. Denn sein Einstieg in Mittelhessen vor fünf Jahren war alles andere als optimal. "Ich habe am Mittwoch hier meinen Vertrag unterschrieben und am Samstag habe ich mir dann im Spiel mit Eisenach zum zweiten Mal das Kreuzband gerissen", erinnert er sich genau. "Ich habe gedacht, was werden die Leute in Hüttenberg sagen? Das war für mich die Motivation, hart zu arbeiten und wieder auf die Platte zurück zu kehren. Ich wollte den Leuten zeigen, dass ich kein schlechter bin." Um nach zu schieben. "Ein großer Dank geht aber auch an Peter Nagel (Reha-Trainer - die Red.), der super mit mir gearbeitet hat."

Und die Fans haben ihren "Skleny" in fünf TVH-Jahren ins Herz geschlossen. Was sicherlich auch an seiner Art Handball zu spielen liegt, die immer den Erfolg der Mannschaft vor den eigenen gestellt hat. "Das hat mir zu Hause schon Probleme gemacht. Ich telefoniere nach jedem Spiel mit meinem Vater. Der wollte immer nur Tore sehen. Wenn ich dann gesagt habe zwei Tore. habe ich richtig eine auf die Fresse bekommen", lacht der Familienvater. Dennoch hat Sklenák sich nicht von seinem Weg abbringen lassen. "Schon mit 17 Jahren, bei meinem ersten Profiverein, habe ich nie auf die Tore geschaut. Mir war es immer wichtig alles für die Mannschaft zu tun."

Und es waren auch etliche namhafte Mitspieler, die davon profitierten. So ist für Tomáš Sklenák im Rückblick auf seine lange Karriere es natürlich schwer, ein absolutes Highlight heraus zu heben. "Die Europameisterschaft 2010 in Wien und Innsbruck. Wir hatten eine schwere Gruppe mit Spanien, Frankreich und Ungarn. Aber wir sind in die zweite Runde gekommen. Da waren alle fit. Wir waren wie eine große Familie. Der achte Platz war für die Tschechei schon gut", erinnert er sich dann aber doch sehr gerne. Und verschweigt in seiner gewohnt bescheidenen Art, dass man dabei die Hauptrunde vor dem großen Handballnachbarn Deutschland abschloss, dem man - mit sogar vier Sklenák-Toren - ein Unentschieden abgerungen hatte. Sklenak trug als Spielgestalter auch sein Scherflein dazu beitrug, dass Filip Jicha, mittlerweile Trainer beim deutschen Meister THW Kiel, Torschützenkönig des Turniers wurde. "Ich muss meinem Ex-Trainer Martin Lipták danken, der mich nach acht Jahren wieder zurück in die Nationalmannschaft geholt hatte. Er wusste, was er von mir erwarten konnte. Und die meisten Gegner kannten mich nicht, da ich ja aus der 2. Liga kam", erinnert sich "Skleny" gerne zurück. "Das bleibt in meinem Herz. Mit Alois (Mraz), Daniel (Kubes - aktueller tschechischer Nationaltrainer - die Red.) und den anderen, das war etwas Besonderes."

Diesen Trainerweg, den Jicha, Kubes, Mraz eingeschlagen haben, sieht Tomáš Sklenák auch für sich. "Ich werde vielleicht die Trainerscheine machen und in meiner Heimat meine Erfahrung an junge Spieler weiter geben. Vielleicht als ersten Schritt an eine A-Jugend. Viele meiner alten Freunde sind jetzt Trainer. Es wäre schön, wenn wir in Tschechien wieder eine Ära aufbauen und Spieler wieder nach Deutschland und Spanien bringen könnten. Momentan haben wir da ein Loch", hat er auch nach 15 Jahren in Deutschland den Handball in seiner Heimat im Blick.

Doch noch hat der Mittelmann die eigene Karriere nicht ganz beendet. "Der Plan war eigentlich, noch ein Jahr in Deutschland zu spielen. Vielleicht etwas näher an meiner Heimat, damit ich nicht auf Dauer 1000 Kilometer fahren muss. Aber durch Corona ist das schwierig. Es sind viele Spieler ohne Vertrag und ich bin nicht mehr der Jüngste. Ob da noch Platz für mich sein wird, wenn es wieder losgeht?"

Die Entfernung nach Hause, wo er mit seiner Familie sich aktuell bei den Eltern aufhält, ist für ihn sehr wichtig. "Als die Saison unterbrochen wurde und man nicht wusste, was kommt, sind wir zurück gefahren. Wir sind 14 Tage in Quarantäne gegangen und wurden dann untersucht. Wir sind alle gesund." Denn dort ist, geplant eigentlich ab Sommer, der Familienmittelpunkt. "Die Familie zieht fest in die Tschechei. Es war immer unser Plan, wieder näher zu den Großeltern zu kommen. Meine Frau hat 15 Jahre alles für mich gemacht. Jetzt ist es Zeit, etwas zurück zu geben. Und da unsere große Tochter aus der Grundschule kommt, ist nun der richtige Zeitpunkt, dass meine Frau mit den beiden Mädchen wieder zurück geht. Für Vicky wird es eine Umstellung von einer Grundschule im Dorf bald auf eine große Schule zu gehen. Wir hatten alle Möglichkeiten abgesprochen, aber Ende März war dann alles auf Null. Nun müssen wir schauen."

Für Sklenák, der als Muster für Beständigkeit in 20 Profi-Jahren gerade einmal in drei Vereinen aktiv war, ist es klar, dass sein Weg ihn auch wieder in die Handkäsemetropole führen wird. "In meiner Zeit in Eisenach waren auch Wechsel möglich. Aber ich hatte dort eigentlich alles. Da war das finanzielle nicht so wichtig, um dafür umzuziehen", erklärt er die zehn Jahre unter der Wartburg, die aber dann doch am Ende nicht mehr ganz so harmonisch waren. "Beim TVH habe ich wieder den Spaß am Handball gehabt. Vor diesen tollen Fans. Das ist einzigartig in Deutschland, dass auch noch lange nach Spielende die Fans auf dem Spielfeld stehen und reden und Bier trinken. Ich habe schon mit Fabi (Geschäftsführer Fabian Friedrich - die Red.) telefoniert. Ich denke, dass wir schon noch etwas machen wegen dem Abschied. Gerade für die Fans wäre es schon optimal, wenn alle dabei sein könnten. Sie haben uns immer unterstützt. Auch in den letzten beiden Jahren, die nicht so toll waren. Ich komme dann auch gerne die 1000 Kilometer. Ich habe mit vielen Fans auch schon telefoniert und gesagt, dass wir noch zusammen feiern." Tomáš Sklenák noch einmal im TVH-Trikot - es wäre nicht nur für ihn ein Traum.

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