Tipps vom älteren Bruder annehmen und dennoch eigenen Stil wahren

(jms) Im Fußballsport gab es schon einige berühmte "Bruderpaare". Ob Karl Heinz und Michael Rummenigge, Uli und Dieter Hoeneß oder aktuell die Boateng-Brüder Kevin-Prince und Jerome. Auch im Handball gibt es gegenwärtig zwei Brüder die mit voller Power und einem riesigen Ehrgeiz einer glanzvollen Zukunft entgegensehen. Die aus Butzbach/Kirch-Göns stammenden Andreas (24 Jahre) und Stefan Lex (19) sorgen seit dieser Saison gemeinsam beim mittelhessischen Handball-Zweitligisten TV Hüttenberg für Furore.

(jms) Im Fußballsport gab es schon einige berühmte "Bruderpaare". Ob Karl Heinz und Michael Rummenigge, Uli und Dieter Hoeneß oder aktuell die Boateng-Brüder Kevin-Prince und Jerome. Auch im Handball gibt es gegenwärtig zwei Brüder die mit voller Power und einem riesigen Ehrgeiz einer glanzvollen Zukunft entgegensehen. Die aus Butzbach/Kirch-Göns stammenden Andreas (24 Jahre) und Stefan Lex (19) sorgen seit dieser Saison gemeinsam beim mittelhessischen Handball-Zweitligisten TV Hüttenberg für Furore. Im Interview mit WZ-Mitarbeiter Jan Martin Strasheim erzählt das Brüderpaar, welche Ziele sie in nächster Zeit haben und wie es ist, mit dem Bruder zusammen in einer Mannschaft zu spielen.

Wer die Stimmung beim TV Hüttenberg einmal live erleben möchte, hat Gelegenheit VIP-Tickets zu gewinnen. Premiumsponsor Gerhardt Bauzentrum verlost im Rahmen der Veranstaltung "Frisch in den Frühling" an diesem Samstag ab 18 Uhr (Bleichweg im Butzbacher Industriegebiet) Tickets für das Topspiel gegen den Tabellenführer HSG Düsseldorf.

Mit 24:29 hat der Tabellen-Sechste TV Hüttenberg nach einer zwischenzeitlichen 17:12-Führung zur Pause am vergangenen Samstag das Heimspiel gegen den HSC 2000 Coburg verloren. Andreas und Stefan Lex, hatten Sie Angst davor, den zweiten Tabellenplatz zu erringen oder woran ist diese überraschende Niederlage festzumachen?

Andreas Lex: Es ist wirklich sehr schwer zu sagen, warum wir dieses Spiel verloren haben. Die erste Halbzeit war stark von uns. Doch was in der zweiten Hälfte passiert ist, ist unerklärlich. Wir haben reihenweise 100-prozentige Torchancen ausgelassen. Das war kurios. Wir Spieler haben alles falsch gemacht und unsere Chancen nicht mehr genutzt."

Stefan Lex: "Ich war völlig verblüfft nach dem Abpfiff. Wir hatten Coburg doch so gut im Griff und dann so etwas. Ich wusste erst gar nicht was ich sagen sollte.

Stefan, Sie sind in dieser Saison mit einem Doppelspielrecht ausgestattet und können auch beim Regionalligisten HSG Pohlheim auflaufen. Aufgrund der Verletzung von Florian Billek (Kreuzbandriss, Anm. d. Red.) sind Sie nun fast ausschließlich beim TVH. Wo liegen die Unterschiede?

Stefan Lex: In Pohlheim habe ich schon die Rolle als Führungsspieler. Das ist beim TVH nicht so. Dort spiele ich auch auf der ungewohnten Rechtsaußenposition. Zudem weht in der Zweiten Liga ein ganz anderer Wind. In der Regionalliga spielen einige ‘Alt-Profis’. In der Zweiten Liga geht es dagegen viel professioneller zu. Die Mannschaften sind zum Teil richtig stark.

Andreas Lex: Man sieht, dass Stefan eine ähnliche Entwicklung durchmacht wie ich. Auch ich habe früher im Rückraum gespielt und bin nun auf der Linksaußenposition gelandet.

Stefan Lex: Ich habe nur den Vorteil, dass ich Linkshänder bin.

Andreas, Sie haben zu ihren Zeiten bei der HSG Wetzlar einmal gesagt, dass ihr Bruder ein wesentlich größeres Talent habe als Sie...

Andreas Lex: Ja das stimmt. Stefan hat sicher ein bisschen mehr in die Wiege gelegt bekommen als ich. Er arbeitet zudem auch sehr hart an sich und ist auf einem sehr guten Weg. Ich erinnere mich daran, als wir damals in Wetzlar noch unter Dragan Markovic gespielt hatten, hat der Trainer immer zu mir gesagt, ich solle meinen Bruder mit ins Training bringen. Da hat Stefan mit 15 Jahren schon bei der Bundesligamannschaft der HSG mitgespielt. Mit 16 wurde er erstmals bei der HSG eingesetzt. Es gab damals richtig Ärger, weil er nicht spielberechtigt war.

Sie machen gerade eine Ausbildung zum Speditionskaufmann. Stefan, wo liegen derzeit ihre Prioritäten? Und wie anstrengend ist die Dreifachbelastung Ausbildung, Pohlheim, Hüttenberg?

Stefan Lex: Wichtig ist mir, dass ich erstmal meine Ausbildung fertig mache. Ich habe noch zwei Jahre Vertrag in Hüttenberg und fühle mich sehr wohl im Verein. Auch in Pohlheim spiele ich sehr gerne. Es macht mir so gerade richtig viel Spaß. Es läuft einfach super gut, und bis jetzt kann ich von einem perfekten Jahr sprechen. Ich trainiere einmal in der Woche in Pohlheim mit. Ich bin in beiden Teams gerne dabei.

Andreas Lex: Man muss wirklich sagen, dass diese Doppelspielberechtigung richtig gut klappt. Andere Beispiele haben ja in der Vergangenheit gezeigt, dass es nicht immer so gut funktioniert. Aber beide Vereine sowie die Trainer Jan Gorr und Marius Naidin regeln das wirklich vorbildlich. Es läuft alles im Sinne des Sportlers und nicht nur so wie es die Vereine wollen. Stefan wird nicht verheizt.

Sportlich sind sie schon echte Stützen in ihren Klubs. Aber gerade bei Ihnen, Andreas, hat sich in dieser Saison so ein bisschen die Nervosität beim Abschluss von Tempogegenstößen bemerkbar gemacht. Haben sie eine Erklärung für die ungewohnte Abschlussschwäche?

Andreas Lex: Es ist wirklich schwer zu sagen, woran es liegt. Ich denke, mir fehlt so ein bisschen das Vormittagstraining aus Wetzlarer Tagen. Damals habe ich fast jeden Vormittag Würfe trainiert. Das wir uns nicht falsch verstehen: In Hüttenberg ist das Training top. Da gibt es nichts zu meckern. Mir fehlt derzeit ein bisschen die Abgeklärtheit. Gegen Ortenau habe ich sechs Bälle im gleichen Eck untergebracht. Gegen Coburg habe ich gute Chancen vergeben - sicher auch, weil ich wieder das gleiche Eck angepeilt habe und der Torwart geklärt hat. Das zeigt auch, dass sich die Coburger gut vorbereitet haben. Bei solchen Sachen gibt es keine Ausreden - die Tempogegenstöße müssen sitzen.

Bei Ihnen Stefan, war es besonders bewundernswert, mit welcher Abgeklärtheit sie gegen Delitzsch in der letzten Minute den Siebenmeter zum Ausgleich verwandelt haben. Locker, lässig und völlig unaufgeregt - entspricht das ihrem Naturell?

Stefan Lex: Ich mache mir da nicht so den Kopf. Da gibt es nur hopp oder top. Ich weiß, dass ich Verantwortung übernehmen kann und habe auch keine Probleme damit, Siebenmeter zu werfen.

Mit dem TV Hüttenberg spielen Sie beide nun oben mit. Der zweite Platz scheint realistisch....

Andreas Lex: Natürlich wäre es eine tolle Sache, wenn wir um den Bundesliga-Aufstieg mitspielen könnten. Aber wir machen uns derzeit darüber in der Mannschaft keine Gedanken. Wir sind realistisch. Noch sind einige Spiele zu absolvieren. In der Pflicht steht der Verein zwar nicht, denn der TVH hat einen sehr kleinen Etat gegenüber den anderen Klubs. Es wäre aber eine tolle Sache, diese Spiele mitzunehmen.

Wie ist es eigentlich tagtäglich mit dem eigenen Bruder zusammen zu sein. Gab es früher im Kindesalter Reibungspunkte, und wie ist das Verhältnis zwischen Ihnen heute?

Stefan Lex (lacht): Ja, früher haben wir uns schon öfter mal gestritten. Meistens habe ich als kleinerer Bruder den Kürzeren gezogen.

Andreas Lex: ...aber trotzdem haben wir damals schon sehr viel gemeinsam gemacht. Wir haben viel Basketball und viel Handball zusammen gespielt. Und heute verstehen wir uns sehr gut. Jeder geht seinen eigenen Weg und im Training oder bei den Spielen sehen wir uns.

Stefan Lex: Oder sonntags beim Familienessen.

Andreas - als älterer Bruder unterliegt man sicher oftmals der Versuchung Tipps zu geben...

Andreas Lex: Natürlich. Ich habe schon ein paar Erfahrungen im Handball gemacht. Natürlich ist es so, dass ich die auch an Stefan weitergeben möchte. Ich gebe ihm schon mal Tipps beim Werfen oder so.

Stefan Lex: Ich nehme hin und wieder auch gerne Tipps an. Aber in der Regel versuche ich meinen eigenen Kopf durchzusetzen und meinen eigenen Stil zu wahren.

Jan Martin Strasheim

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