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»Tiefe Gräben« zwischen Rolf Weckmann und der Mannschaft

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(jms) Nach dem bereits durchgesickert ist, dass sich die Landesliga-Handballer der HSG Münzenberg/Gambach am Sonntag von ihrem Trainer Rolf Weckmann getrennt haben, hat nun auch der Vorstand der HSG per Pressemitteilung Gründe für die Entlassung mitgeteilt. Demnach sahen sich die Verantwortlichen zu diesem Schritt gezwungen, weil es zwischen einigen Spielern und dem Trainer zuletzt tiefe Gräben gegeben habe.

»Obwohl im Dezember letzten Jahres eine Vereinbarung für die Verlängerung der Trainertätigkeit mit Rolf Weckmann auch für die Saison 2008/09 getroffen wurde, gab es in der letzten Zeit im Verhältnis zwischen einigen Spielern und dem Trainer derart große Differenzen, dass der Vorstand der HSG Münzenberg/Gambach handeln musste. Um zu verhindern, dass Spieler die HSG verlassen und mit einem Dominoeffekt die Mannschaft auseinander fällt, entschied sich der Vorstand, diesen sicherlich nicht einfachen Weg zu wählen und die Zusammenarbeit mit Rolf Weckmann, dem man in zahlreichen Belangen eine gute Arbeit bescheinigen muss, zu beenden«, heißt es in der knappen Mitteilungen der HSG.

Inwiefern diese Entlassung für die HSG auch eine Chance sein kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Derzeit ist der Vorstand akribisch auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger, der die HSG in der kommenden Saison auf einen sicheren Platz jenseits der Abstiegszone der Landesliga Mitte führen soll. Eigentlich hätte man sich dieser Tage entspannt zurücklehnen können, tief durchatmen und voller Akribie und Visionen die neue Spielzeit planen können bei der HSG Münzenberg/Gambach. Denn immerhin ist der HSG der Klassenerhalt in der Landesliga Mitte gelungen. Vor der Runde hatten viele Handballfachleute laute Zweifel an der Möglichkeit dieses Bestrebens geäußert. In der Tat avancierte die abgelaufene Saison zu einem schwierigen Unterfangen. Eine angespannte personelle Situation sowie die obligatorische Verletzungsserie und berufliche Verhinderungen taten ihr Übriges. Dennoch schafften es die Burgenstädter dank eines großen Aufwandes und großer Disziplin (abgesehen von der peinlichen Darbietung im letzten Saisonspiel in Dilltal) den Ligaerhalt zu sichern.

In der Tat schien der Ex-Coach mit seinen Maßnahmen meist richtig zu liegen. Besonders die Spieler, die aus der zweiten Mannschaft integriert wurden, fanden sich gut zurecht. Patrick Felber und Sebastian Hitzel spielten auf Anhieb eine starke Saison und überzeugten vor allem durch körperliche wie auch geistige Schnelligkeit. Gerade in der Anfangsphase waren auch die etablierten Landesligakräfte in einer tollen Verfassung. Kai-Uwe Ratz und Florian Großmann überzeugten mit der gewohnt guten Übersicht und Wurfkraft, und der flinke Tobias Zeiß spielte einen soliden Part.

Aber auch Thorsten Schneider, der nach der Runde die Handballschuhe an den Nagel hängt, trug mit seinem Sachverstand und den konstanten Leistungen zum Gesamterfolg bei. Vor allem Oliver Jung, der laut Weckmann die taktischen Voraussetzungen schnell umsetzen konnte, überzeugte mit seinen schnellen Vorstößen. Ähnlich verhielt es sich bei Felix Großmann, der in Ansätzen sein enormes Potenzial zeigte und sicherlich in Zukunft eine wichtige Rolle bei der HSG Münzenberg/Gambach einnehmen wird. Mit einer Hiobsbotschaft startete die Rückrunde der HSG in diesem Jahr. Trainer Rolf Weckmann musste sich aufgrund einer schweren Erkrankung einer notwendigen Operation unterziehen und fehlte einige Wochen. Dieses Fehlen schien der Mannschaft zunächst nichts auszumachen, denn gegen Kronberg/Steinbach und Ober-Eschbach setzte es zwei Heimsiege. Zwischendurch hatte die HSG beim 23:30 bei den TSF Heuchelheim nicht den Hauch einer Chance. Nach den beiden Erfolgen vor heimischem Publikum folgte ohne Trainer Weckmann die schlechteste Phase der gesamten Saison. Die Zahlen sprechen Bände und zeigen, dass die HSG mit einer großen Nonchalance vorging: Vier Spiele in Serie verloren die Mannen von Interimstrainer Tim Langsdorf. Bei allen vier Niederlagen kassierte der Klub aus der nördlichen Wetterau über 30 Gegentreffer und zeigte große Defizite im Abwehrverhalten. Aufgrund dieser Negativbilanz war es wenig erstaunlich, dass sich Rolf Weckmann entgegen der ärztlichen Anweisungen für die vorzeitige Rückkehr auf die Trainerbank entschied. Die Mannschaft bedankte sich auf ihre Weise für den Einsatz des Coaches und kämpfte den TV Idstein in eigener Halle mit 28:26 nieder. Diese zwei Zähler waren sehr wichtig im Gesamtkontext der Saison. Insgesamt avancierte der Schlussspurt der HSG aber zur Farce. Denn nach dem wenig überzeugenden Heim-Unentschieden gegen die SU Nieder-Florstadt zeigte Münzenberg/Gambach am letzten Spieltag in Dilltal eine blamable Leistung. Mit 24:41 ließen sich die Münzenberger im Lahn-Dill-Kreis förmlich abschlachten.

Nicht wenige Augenzeugen dieser Partie berichteten später, dass einige Spieler diese Niederlage provoziert hätten. Ein Betreuer der HSG schilderte die Dinge nach dem Spiel vielsagend: »Wir Zuschauer hatten das Gefühl, dass Teile der Mannschaft gegen den Trainer spielen. So schlecht kann man eigentlich nicht sein.« Gut zwei Drittel einer mental und körperlich sehr schwierigen Saison haben es die Münzenberger Handballer also geschafft, mit Disziplin, Moral und Siegeswillen zu überzeugen. Und die finale Niederlage dürfte ohne Folgen bleiben, denn der Klassenerhalt ist mittlerweile gesichert.

Die Zukunft der HSG ist nach der Trennung von Weckmann völlig offen. Fakt ist aber, dass die Verantwortlichen einen heißen Sommer vor sich haben werden. Nicht nur ein neuer Trainer muss vorgestellt werden, sondern vor allem auch neues Personal. Denn aufgrund einiger verletzungsbedingter oder beruflicher Ausfälle wurde die jüngst abgelaufene Runde in einigen Situationen zu einem echten Spießrutenlauf.

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