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Im August sollen die Fußballer wieder mit dem Spielbetrieb starten.

Rückkehr zur Normalität?

Termin steht fest, Friedberger Vereine sind sich (fast) einig: So soll der Amateurfußball in der Wetterau starten

  • Philipp Keßler
    VonPhilipp Keßler
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In einer Videokonferenz hat Kreisfußballwart Thorsten Bastian die Katze aus dem Sack gelassen: Der Termin für einen Start der neuen Saison im Amateurfußball steht - und der Modus auch.

Schon bald soll der Fußball in den Wetterauer Amateurligen wieder rollen. Dies ist die klare Botschaft, die Kreisfußballwart Thorsten Bastian (Rockenberg) bei einer Videokonferenz mit den Vereinsvertretern am Samstagvormittag aussandte. In der rund einstündigen Sitzung unter Moderation von Kevin Sürer (Regionalbeauftragten für das Ansetzungswesen in der Region Frankfurt), die kurz und kompakt über die wichtigsten Themen informierte, waren die wichtigsten Punkte natürlich, wann und wie es mit dem Spielbetrieb im Fußballkreis Friedberg weitergeht, nachdem Freundschaftsspiele neben dem Trainingsbetrieb bereits wieder freigegeben sind.

Der Starttermin: Hessenweit soll der Ball ab 15. August wieder rollen. „Zeitliche Abweichungen nach vorne sind aber praktikabel“, erklärte Bastian. „Ein späterer Beginn ist aber nicht möglich, denn wir müssen schnellstmöglich eine Wertungsgrundlage schaffen.“ Heißt: Um möglichst schnell 50 Prozent aller Saisonspiele zu erreichen, die für eine Wertung der Saison nötig sein sollen, wie es der Verbandsvorstand bei seiner nächsten Sitzung, in der Hoffnung so eine zweite Annullierung in Folge zu vermeiden, beschließen will, könnten die Friedberger Vereine in Abstimmung mit ihren Klassenleitern bereits in den Tagen und Wochen zuvor spielen. Wichtig sei aber, so Bastian, dass den Teams mindestens sechs Wochen Vorbereitung gewährt wird, um das hohe Verletzungsrisiko nach der langen Pause so klein wie möglich zu halten. Dies habe man im HFV nach Rücksprache mit Experten entschieden.

Der Modus: Drei Spielmodi stellte Bastian („Wollen unsere Vereine wie in den vergangenen Jahren selbst entscheiden lassen“) den Vereinen zur Wahl: Erstens, das klassische Modell mit Hin- und Rückspielen, was angesichts der verhältnismäßig kleinen Spielklassen von maximal 16 Mannschaften von der Kreisoberliga abwärts maximal 30 Saisonspiele zur Folge hätte und eine Wertung ab 15 Partien möglich mache. Dann würde man aber höchstwahrscheinlich Spiele vom Ende des Jahres auf Termine unter der Woche nach vorne ziehen, um mögliche Ausfälle im Winter zu vermeiden. Zweitens, eine Teilung der Spielklassen, entweder per Los, nach Spielstärke oder nach regionalen Gesichtspunkten. Dort würden dann zunächst Hin- und Rückspiele absolviert, ehe es Verzahnungsrunden für Auf- und Abstieg gebe. Dies hätte bei der Größe der Spielklassen rund 22 Saisonspiele zur Folge. „Wenn wir normal durch die Saison durchkämen, wären wir schnell fertig“, sagte Bastian, der das Modell aber vor allem für die größeren Verbandsspielklassen zu favorisieren scheint. Als dritte Option stellte er eine Einfachrunde, also lediglich „Hinspiele“ mit anschließenden Auf- und Abstiegsrunden, vor, was eine ähnliche Anzahl an Spielen wie in Modell zwei zur Folge hätte, aber zu Ungerechtigkeiten bei Heim- und Auswärtsspielen, vor allem bei zuschauerträchtigen Derbys, führen könnte. Wichtig zudem: In Modell zwei und drei würden die Ergebnisse gegen die Teams, gegen die man bereits vorher gespielt hätte, in die Auf- bzw. Abstiegsrunden mitgenommen. Bastian betonte, dass die Entscheidung lediglich einmal getroffen werden könne, ein Wechsel des Systems bei laufender Saison sei aus juristischen Gründen unmöglich.

Nach einer kurzen Diskussion votierte die Mehrheit der rund 70 Anwesenden mittels Chat-Funktion für Modell eins. Unbeantwortet blieb aber die Frage, wie viele Auf- und Absteiger es geben soll und ob selbst beim ersten Modell, dass die meisten Saisonspiele verspricht, Relegations- oder Aufstiegsspiele ausgetragen werden. Hierzu will der Hessische Fußballverband (HFV) zeitnah eine Entscheidung treffen. Bastian machte aus seiner Meinung keinen Hehl: „Ich möchte solche Spiele nicht. Aus meiner Sicht können wir uns das in einer solchen Situation gar nicht leisten.“

Der Kreispokal: Ebenfalls ein wichtiger Punkt war der Kreispokal-Wettbewerb, der bis 1. August - Meldefrist für den Hessenpokal - zu Ende gespielt sein muss. Dass das so kommt, hatte die Mehrheit der noch im Wettbewerb befindlichen Teams bereits in der vergangenen Woche entschieden. Nach den Rückzügen von drei der 20 noch im Wettbewerb befindlichen Mannschaften wetteifern aktuell noch 17 Teams um dem Titel. Nach einem Ausscheidungsspiel soll diese Zahl auf 16 reduziert werden, sodass dann mit Achtel-, Viertel-, Halbfinale und Endspiel noch vier Runden zu absolvieren sind. Pokal-Klassenleiter Harald Wilke werde die Partien zeitnah ansetzen, versprach Bastian, dabei aber auch auf die sechswöchige Vorbereitungszeit Rücksicht nehmen, sodass die Runden dann „relativ schnell getaktet“ gespielt würden. Die weiteren Regularien, etwa hinsichtlich des Einsatzes erst im Sommer gewechselter Spieler, werde der Verbandsspielausschuss in Abstimmung mit den HFV-Juristen zeitnah entscheiden. Ein Vorteil: Mit dem Ausspielen des Wettbewerbs seien die Sieger prämienberechtigt, was im Falle eines Losverfahrens nicht der Fall gewesen wäre. Mit Saisonstart würde auch der neue Kreispokal-Wettbewerb für die Saison 2021/22 zeitnah begonnen.

Die Lage im Kreisfußballausschuss: Mit der Wahl Bastians zum derzeit noch kommissarischen stellvertretenden Verbandsfußballwart als Nachfolger von Matthias Bausch, die beim Verbandstag am 4. September noch bestätigt werden muss, war öffentlich über eine Nachfolge Bastians als Verbandsfußballwart für den scheidenden Jürgen Radek (Ortenberg) spekuliert worden. Bastian wies aber darauf hin, dass er diesbezüglich bislang noch keine Entscheidung getroffen habe und er diese dem Verbandsvorstand auch erst zum 16. Juli übermitteln müsse. Sollte er sich dafür entscheiden und gewählt werden, kündigte er an, umgehend nach dem Verbandstag seinen Posten als Kreisfußballwart des Kreises Friedberg zu räumen - einerseits aus Zeitgründen, andererseits aber auch um Interessenskonflikte zu vermeiden. „Dann müssen wir uns im Kreisfußballauschuss Friedberg anders aufstellen“, erklärte der Rockenberger. Sollte das nicht der Fall sein, würde er die Legislaturperiode normal beenden.

Das weitere Vorgehen: Für den heutigen Samstag ist für den frühen Nachmittag die Sitzung der Hessenliga-Vertreter, für den frühen Abend eine Konferenz mit den Regionalbeauftragten angesetzt, in den kommenden Tagen und Wochen kommen Sitzungen des Verbandsspielausschusses, des Verbandssportgerichts und des Verbandsvorstandes - teilweise unter Beratung der HFV-Juristen - hinzu, um möglichst zeitnah alle Entscheidungen zu treffen und die Regularien für den Spielbetrieb entsprechend anzupassen. Unklar ist etwa, wann die Saison eigentlich enden soll, wie mit dem Thema Auf- und Abstieg sowie möglichen Relegations- und Aufstiegsspielen bei einer „normalen“ Saison mit Hin- und Rückrunde umgegangen werden soll, und was etwa aus bestehenden Sperren von Spielern wird. Entscheidungen, die anschließend im Kreis autonom getroffen werden müssten, „werden wir zu gegebener Zeit treffen“, sagte Bastian und verwies auf die noch nicht terminierte Vorrundenbesprechung, die - so es die Corona-Regeln erlauben - auch wieder als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden soll.

Das Fazit: Bastian betonte, bei all den positiven Meldungen mit Blick auf die Corona-Zahlen - gerade im Wetteraukreis - und den nun bereits getroffenen und noch zu treffenden Entscheidungen zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs im hessischen Amateurfußball solle man sich nicht der Illusion hingeben, „dass es eine Saison sein wird, wie wir sie kennen“. Man wisse mit Blick auf den Herbst und Mutationen des Coronavirus nicht, „ob wir die Runde störungsfrei spielen können“. Aktuell gelten für Trainings- und Spielbetrieb die bekannten Regeln der Hygienekonzepte, 200 Zuschauer sind erlaubt (wobei Geimpfte und Genesene nicht mitzählen), tagesaktuelle Corona-Tests sind weder für Spieler noch für Zuschauer erforderlich, aber vom HFV zumindest empfohlen. Der Vereinsserviceassistent Mario Bröder würde zu diesem Thema aber auch zeitnah noch einmal eine Videokonferenz abhalten, um die Vereine auf den neusten Stand zu bringen. Abschließend sagte Bastian: „Wir haben auch im Kreis Friedberg ein straffes Programm vor uns, aber ich bin voller Optimismus, dass wir das gemeinsam hinbekommen.“

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