Tennisstipendium

Mit Tennisschlägern und Träumen vom Ober-Mörler TC in die USA

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Die Geschichte beginnt mit einer über Wochen hinweg ungelesenen Mail, und sie führt nach Phoenix in die Vereinigten Staaten. Patrick Schaub aus Ober-Mörlen hat dort ein Sportstipendium erhalten.

Phoenix, Arizona. Eine Millionen-Stadt im Westen der Vereinigten Staaten. Ein Gegenpol zu Ober-Mörlen, der 6000-Einwohner-Gemeinde inmitten der Wetterau. Patrick Schaub hat seine Heimat in diesen Tagen verlassen. Mit einem Koffer voller Klamotten, mit Tennisschlägern, mit Erwartungen und mit Träumen. Der 18-Jährige hat an der Arizona Christian University ein Sportstipendium erhalten; als einer von nur einer Handvoll Tennisspielern. "Ich freue mich riesig; auf’s Tennis, auf das Leben auf dem Campus, auf die Möglichkeit, meine Sprachkenntnisse zu verbessern", sagt der künftige Student der Betriebswirtschaftslehre, der zuletzt für die Gruppenliga-Herren des Ober-Mörler TC aufgeschlagen hat und - bei aller Vorfreude - ganz realistisch bleibt. "Tennis-Profi werde ich sicher nicht mehr. Aber vielleicht erreiche ich Hessenliga-Level." Zunächst ein Jahr lang hat sich das Talent gebunden. Ob es insgesamt vier Jahre werden, ist nun allein seine Entscheidung.

Rückblende: Herbst 2017. Schaub besucht die St. Lioba-Schule in Bad Nauheim. Konkrete Pläne für die Zeit nach dem Abitur hat er noch nicht. Tennis ist seine Leidenschaft. Mit der U 18 des OMTC spielt er in der Hessenliga und gerät somit in den Fokus der Agentur "Jomi Sport Scholarships". Das Vermittlungsunternehmen kontaktiert Schaub, der nur wenige Einzel-Turniere spielt und aktueller U 18-Meister im Kreis Hochtaunus/Wetterau ist, via Nachricht über die sozialen Medien. Erst Wochen später öffnet der Nachwuchsspieler die Mail - und ist ebenso überrascht wie begeistert. "Ich finde es sehr cool. Das ist ein großer Schritt, der ihn weiterbringen wird", sagt Vater Michael, der einen regelrechten Motivationskick bei seinem Sprössling festgestellt hat. "Er hat sich in den letzten Monaten verändert, wollte gar mehr vom Platz, sondern sich immer weiter verbessern."

Tennisstipendium in die USA: Hochschulsport hat einen hohen Stellenwert

Hinter den Schaubs liegen ereignisreiche Monate und sehr viel Schriftverkehr, den die Agentur betreut hat. Zeugnisse mussten übersetzt und beglaubigt, Tests absolviert und ein Videos gedreht werden. Rund 30 Universitäten signalisierten Interesse, eine Handvoll nahm Patrick Schaub in seine enge Wahl und telefonierte mit den Coaches, ehe seine Wahl auf Phoenix fiel; "auch wegen der Temperaturen" wie er lachend einräumt. Mit "Firestorm" spielt er nach Einzel-Turnieren im Herbst dann mit der Mannschaft (und zwei deutschen Teamkollegen) in der National Association of Intercollegiate Athletics (NAIA). Die NAIA ist eine eigenständige Liga, die parallel zur National Collegiate Athletic Association (NCAA) läuft, die aus drei Ligen besteht. Das sportliche Niveau der NAIA ist mit der NCAA II vergleichbar

Hochschulsport hat in Nordamerika, wo man den klassischen Vereinssport nicht kennt, eine gehobene Bedeutung. Die Mannschaften werden im Kampf um die nationalen Meisterschaften von ihren Universitäten finanziell unterstützt, so dass diese meist mit modernen Sportanlagen und gutem Equipment ausgestattet sind.

Tennisstipendium in die USA: Tennis liegt bei den Schaubs in der Familie

Patrick Schaub stammt aus einer echten Ober-Mörler Tennis-Familie. Auf der Anlage unweit des Maibergs ist er großgeworden. Mutter Michaela, einst stellvertretende Vorsitzende, Jugendwartin und Schriftführerin, ist in der Vorstandsarbeit inzwischen von Vater Michael, heute Sportwart, abgelöst worden. Zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Fabian hat "Patrick Tag und Nacht zunächst auf dem Kleinfeld gespielt", berichtet Michael Schaub. Sohn Patrick sieht seine Stärken in der Vorhand und dem mentalen Bereich. Als wichtigsten Förderer neben seinem Vater bezeichnet er den OMTC-Vereinstrainer Rainer Bopp. Seit sechs Jahren kümmert sich der Offenbacher um die leistungsstärkeren OMTC-Nachwuchsspieler und führte diese Gruppe bis in die U18-Hessenliga.

Das Talent wurde Patrick ganz offensichtlich vererbt. Vater Michael ist als Mitt-40er amtierender Meister der Herren im Tenniskreis Hochtaunus/Wetterau. Im Vorjahr musste er sich seinem Sohn erstmals im ernsthaften Trainingsvergleich geschlagen geben. Unvergessen in der Schaub-Familie: der erste gemeinsame Auftritt bei den Herren. Im Sommer 2015 war das, in Schlüchtern. Michael, Patrick und Fabian bildeten die Hälfte der OMTC-Mannschaft, standen an den Positionen zwei, vier und sechs und fuhren parallel drei Siege ein. In den letzten beiden Spielen des Sommers 2018 muss der OMTC nun ohne den Youngster auskommen.

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