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Im BMW 240i Cup des Bremer Teams FK Perfomance (l.) fährt Simon Klemund auf Rang acht seiner Klasse beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring.

Motorsport

Als Teenager im Rennsport-Zirkus: Simon Klemund führt ein Leben auf der Überholspur

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Er ist 18 Jahre alt und gehört vermutlich zu den schnellsten Teenagern Deutschlands. Simon Klemund aus dem Hungener Stadtteil Rodheim lebt seinen Traum vom Rennfahrer.

Auf einmal ging alles ganz schnell. Am Freitag bekam Simon Klemund aus Hungen-Rodheim den sogenannten Nordschleifen-Permit, eine Erlaubnis die Rennfahrer neben ihrer Lizenz benötigen, um beim legendären 24-Stunden-Rennen auf der Strecke in der Eifel mitfahren zu dürfen. Vier Tage später war der Deal mit dem Bremer Team FK Performance klar - und Klemund damit als jüngster Fahrer im 158 Teams umfassenden Feld gesetzt. Und es kam noch besser: In einem der drei BMW 240i Cup ist er der schnellste der vier Fahrer, darf das Qualifying sowie Start- und den Zieleinlauf fahren - eine besondere Ehre. "Gerade die Einführungsrunde war schon geil, wenn die Fans in der Kurve stehen, man das Fenster aufmacht sie abklatscht", sagt Klemund. Nebenbei schockt er auch seine Eltern, Dirk Klemund und Martina Walenta, wenn er mit mehr als 240 Stundenkilometern an ihnen vorbeirast. "Für mich ist das ganz furchtbar", sagt Vater Dirk, während sich Mutter Martina offenbar schon daran gewöhnt hat: "Je schneller die Autos in der Vergangenheit wurden, desto ruhiger war ich."

Lieber Langstrecken-Rennen als Formel-Sport

Erschöpft aber glücklich: Das 24-Stunden-Rennen in der Eifel zehrt an den Kräften von Simon Klemund, doch es ist gleichzeitig die Erfüllung eines Traums.

"Mehr geht nicht", fasst Dirk Klemund - selbst dreimaliger deutscher Rallye-Meister - später nicht ohne stolz zusammen. Sein Sohn, der 18-jährige Schüler der Gesamtschule Hungen, hat bislang eine Karriere wie aus dem Bilderbuch hingelegt: Mit sieben Jahren nimmt ihn seine Großmutter zum ersten Mal mit auf die Kartbahn des MSC Horlofftal, bereits in der ersten Saison gewinnt er ein Doppelrennen in Fulda. So durchläuft er die verschiedenen Altersklassen im Kart-Slalom, steigt immer sofort auf, wenn es die Regeln zulassen, ehe er mit 15 Jahren bereits bei den Senioren angekommen ist. Dann folgt die Entscheidung: Lieber Langstreckenrennen und Tourenwagensport statt Karts und der mögliche Weg in die Formel-Serien. 

An seinem 16. Geburtstag sitzt Simon Klemund zum ersten Mal in Italien bei einem Tourenwagen-Rennen hinter dem Steuer, das zweite Rennen ist auf der traditionsreichen Strecke in Spa in Belgien - es regnet in Strömen. Doch er fährt einfach. Noch in derselben Saison wird er beim 24-Stunden-Rennen in Dubai Dritter, ein Jahr später folgt mit 17 als jüngster Fahrer überhaupt der Sieg in der Wüste. Nach seinem 18. Geburtstag im Februar dieses Jahres bekommt er zwei Einsätze in der VLN-Serie auf dem Nürburgring - der Schlüssel für die Erlaubnis, beim 24-Stunden-Rennen überhaupt starten zu dürfen. Vater Dirk nennt das "unglaublich für das Alter". Am Ende wird das Team Achter seiner Klasse und erreicht damit das Ziel, einen Top-Ten-Platz. "Die Resonanz und auch die Leistung waren top", sagt Dirk Klemund zufrieden.

Das nächste Ziel heißt WEC

Der Lohn ist nicht nur die Anerkennung von Team und Fahrerkollegen, sondern auch Live-Interviews im Fernsehen sowie für die VIPs in der BMW-Lounge, und Berichte in verschiedenen Zeitungen. Medienpräsenz ist wichtig für den Nachwuchsfahrer. Denn: Motorsport ist ein teures Hobby. Familie Klemund ist nebenher auch Inhaber eines eigenen Teams, hat sich für 50 000 Euro einen gebrauchten Cup-BMW gekauft und nimmt an Rennen teil, um Sohn Simon so viele Rennkilometer wie möglich geben zu können. Klappt das nicht, etwa weil sich nicht genug andere Fahrer finden, die sich für ein Rennen in das Team einkaufen, muss er hoffen, bei anderen Teams unterzukommen. Nach dem starken Auftritt am Nürburgring liegt die Hoffnung auf einem Sponsor, der ihn entdeckt haben könnte - und ihm mittelfristig den nächsten Karrieresprung ermöglicht. Der hieße World Endurance-Championship-Klasse (WEC).

"Es soll international weitergehen, denn ich bin kein Freund davon, immer nur Nordschleife wie in der VLN zu fahren", sagt Vater Dirk. Dennoch versucht er, Simon für das nächste VLN-Rennen am 13. Juli unterzubringen. Wie immer wird dann die ganze Familie mitziehen. Doch zuvor muss Simon von der Schule freigestellt werden, denn geht es spätestens Freitag an die Strecke. "So ein Wochenende ist für alle super anstrengend, aber so etwas muss man leben", sagt Vater Dirk. "Ohne das Wohlwollen der Schule ginge das alles nicht." Doch für seinen Sohn ist es damit nicht getan: Unter der Woche steht ein Fitnessprogramm auf dem Plan: Joggen, Radfahren, Krafttraining. "Man muss schon fit sein, wenn man das wirklich machen will", sagt der 18-Jährige, der trotz allem im kommenden Jahr auch sein Abitur ablegen möchte - etwas, bei dem er einmal nicht der Jüngste und Schnellste sein wird.

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