Die Tänzer kehren zurück aufs (Übungs-)Parkett. Verheiratete bzw. liierte Paare genießen in Zeiten der Coronavirus-Pandemie einen Trainingsvorteil. SYMBOLFOTO: DPA
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Die Tänzer kehren zurück aufs (Übungs-)Parkett. Verheiratete bzw. liierte Paare genießen in Zeiten der Coronavirus-Pandemie einen Trainingsvorteil. SYMBOLFOTO: DPA

Tanzen

Tango mit Stangen: So gehen Tänzer mit Abstandsregeln um

  • Christoph Sommerfeld
    vonChristoph Sommerfeld
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Tanzen ohne Kontakt. Nicht mal Eheleuten war zunächst das Training als Paar erlaubt. Zwei Tage später ruderte Wiesbaden zurück und modifizierte diese sonderbare Regel. Dennoch bleiben einige Stolpersteine. Immerhin: Die Tänzer dürfen wieder aufs Trainingsparkett.

Die heimischen Tänzer sind mit Lockerungsübungen beschäftigt. Die jüngsten Entscheidungen der Bundes- und Landesregierung haben die Amateurvereine wieder auf den Plan gerufen. An Wettkämpfe ist zwar noch nicht zu denken. Immerhin darf aber trainiert werden - wenn auch eingeschränkt.

Oberstes Gebot ist dabei die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Nun mag es schwer erscheinen, beim Tanzsport überhaupt körperliche Berührung zu vermeiden. Das gilt vor allem für den Paartanz; für die Standard- und Lateintänzer.

Der Wetterauer Tanzclub Friedberg konzentriert sich ausschließlich auf Paartanz. Bis auf ein Duo betreiben beim WTC alle Turniertanz. "Die meisten Paare bei uns sind verheiratet oder liiert", sagt Pressewart Ulrich Brasche. Für den Wiedereinstieg ins Training ist das ein Vorteil: Die Verordnung sieht vor, dass Personen, die im gleichen Hausstand leben bzw. Ehe- oder Lebenspartner sind, auch als Paar zusammen tanzen dürfen. Tänzer, die nicht in häuslicher Gemeinschaft leben, müssen Abstand halten und ihre Übungen einzeln trainieren.

In Friedberg hat man den Sportbetrieb am 18. Mai wiederaufgenommen - zunächst mit freiem Training ohne Übungsleiter. Dazu müssen sich die Tänzer in einem Online-Dokument eintragen. Diese Einheiten finden zu den gewohnten Zeiten in den bekannten Hallen statt. Um die Hygienevorschriften einhalten zu können, begrenzt der Verein die Personenanzahl. In der Philipp-Dieffenbach-Halle ist die Teilnehmerzahl z. B. auf vier Paare bzw. acht Einzelpersonen limitiert - im Burggymnasium auf drei Paare. Ferner legt das detaillierte Hygienekonzept des Vereins fest, dass jeder seine eigene Musikanlage mitzubringen hat. Beim Kommen und Gehen sowie während des Toilettengangs sind Masken zu tragen. "Nach der Freigabe des eingeschränkten Trainingsbetriebs durch die Landesregierung sind wir zunächst auf die Stadt zugegangen. Da wollte man erst mal abwarten, wie es der Landkreis handhabt", sagt Brasche zur Kommunikation mit den Behörden.

Tango mit Stangen

Der WTC arbeitet aktuell daran, dass auch das Gruppentraining bald wieder stattfinden kann. Für nicht liierte Paare, die auf ein gewisses Maß an Verbindung nicht verzichten wollen, hat Brasche noch einen Tipp: "Natascha Karabey (mehrfache deutsche Meisterin und Privat-Trainerin einiger Friedberger Paare; Anm. d. Red.) hat kürzlich ein Video geschickt. Da waren zwei Tänzer durch dünne Stangen an den Händen miteinander verbunden und tanzten Tango." Etwas weiter nördlich in Gießen machte den Tänzern die noch nicht erfolgte Freigabe der Kommune zunächst einen Strich durch die Rechnung. Vereine, die ganz oder teilweise auf städtische Einrichtungen angewiesen sind, konnten am vergangenen Montag aufatmen. Seitdem stehen die öffentlichen Sportstätten wieder zur Verfügung.

Das freut vor allem die Mitglieder des Rot-Weiß-Clubs, der seit dem Großbrand an der Lahn nicht mehr in seinem angestammten Vereinsheim domiziliert, sondern einen Teil des Funktionsgebäudes im Waldstadion nutzt. Dort trainieren Lateintänzer und Breitensportgruppen. Das Gelände befindet sich noch immer im städtischen Eigentum. Die Standardpaare, für die die Fläche in der früheren Fußball-Kneipe nicht ausreicht, übten zuletzt ohnehin in öffentlichen Hallen. Um den Trainingsbetrieb aufnehmen zu können, muss der Klub nun ein schlüssiges Hygienekonzept beim Sportamt vorlegen, das den Vereinen hier beratend zur Seite steht. Ein Paar Tage noch, dann sollte also auch beim ältesten Tanzverein in Gießen wieder die Musik spielen.

Die TSG Blau-Gold Gießen hat unterdessen schon am 9. Mai den Sportbetrieb in Präsenzkursen aufgenommen. Online-Kurse laufen aber parallel weiter. Klassischen Paartanz gibt es bei Blau-Gold ohnehin nicht mehr, sodass die Kontaktregeln leichter befolgt werden können. Balett, Breakdance, Hip-Hop, Kizomba und Pole-Dance sind nur einige der zahlreichen TSG-Angebote. Schon 2018 strukturierte Vorsitzender Bernhard Zirkler den Klub vom Tanzverein zum Mehrspartenverein um.

"Ein Drittel der Fitnessangebote läuft als Präsenzkurs", erklärt Zirkler. "In anderen Kursen sind die Mitglieder teilweise vor Ort, und andere nehmen zeitgleich online teil." Eine Mischung, die Zukunft haben könnte. Probleme mit der Unterbringung gibt es nicht. Die anlaufenden Präsenzkurse von Blau-Gold konnten selbst vor der Öffnung der Gießener Hallen unter Beachtung der Regeln abgehalten werden. Immerhin kann der Verein über acht angemietete Räume an drei verschiedenen Standorten der Stadt verfügen.

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