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Sven Gerbig geht - Sven Breiter kommt

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(mn) Viel Glück, Sven Gerbig - herzlich willkommen, Sven Breiter. Der beste deutsche Scorer des EC Bad Nauheim hat nach 22 Spielen für seinen drittklassigen Heimatverein (neun Tore, 24 Vorlagen) das Angebot der in diesem Winter bislang erfolreichsten deutschen Mannschaft angenommen und ist nach zweieinhalb Jahren wieder in die Deutsche Eishockey-Liga zurückgekehrt. Bereits gestern Abend trug der 27-Jährige, der im Sommer eine Ausstiegsklausel vertraglich hatte festhalten lassen, das Trikot der Frankfurt Lions beim Spiel in Nürnberg. Nahezu parallel dazu nahm Sven Breiter in der Kabine im Colonel-Knight-Stadion Platz. Der 21-Jährige kommt von den Hannover Indians.

In 24 Einsätzen kam der 1,70 Meter große und 70 Kilogramm schwere Wirbelwind in dieser Saison auf zwei Tore und drei Vorlagen bei 28 Strafminuten. »Er ist schnell, trotz seiner Körpergröße robust, kennt keine Angst und passt in unser Konzept der jungen deutschen Spieler. Ich denke, wir haben einen guten Fang gemacht«, sagt RT-Trainer Fred Carroll über den Neuzugang, der angesichts der hochkarätigen Nachverpflichtungen der Niedersachsen keine Perspektive beim Nord-Tabellenführer sah, zu fiananziellen Abstrichen bereit war, um bei den Roten Teufeln Spielpraxis zu sammeln und bereits am Wochenende (Freitag, 20 Uhr in Halle; Sonntag, 18.30 Uhr gegen Herne) zum Einsatz kommen wird.

Der Name Sven Breiter war bereits im Sommer ein Thema in der Wetterau, doch verlängerte er während der badestädtische Wochen der Ungewissheit zum zweiten Mal seinen Vertrag am Pferdeturm, wo er aber nur anfangs die von ihm erwartete Eiszeit bekam, so dass Indians-Coach Joe West dem letzjährigen Förderlizenzspieler der Wolfsburg Grizzly Adams (14 Einsätze, eine Vorlage) die Freigabe erteilte. »Man darf Gerbig und Breiter nicht vergleichen.

Sven Gerbig ist ein Spielmacher, Sven Breiter ist mehr der Kämpfer, der sich den Puck in der Ecke holt und Unruhe schafft«, beschreibt Carroll seinen Neuen, der in Aschaffenburg zuhause ist und beim SC Bietigheim/Bissingen in den Senioren-Bereich gewechselt war, ehe 2006/2007 mit dem Engagement in Hannover der nächste Schritt folgen sollte. Auf drei Tore und 13 Vorlagen kam Breiter in seinem ersten Oberliga-Jahr, ließ diesem im vergangenen Winter neun Treffer und 18 Vorlagen bei 59 Einsätzen folgen. »Er will spielen. Und das kann er bei uns. Ich denke, er ist in jedem Spiel für einen Scorerpunkt gut«, freut sich Carroll über die prompte Alternative, die der Abgang von Sven Gerbig erfordert hatte.

Torwart Daniel Wrobel dürfte - sofern Rückschläge ausbleiben - heute wieder im Aufgebot stehen, am Sonntag könnte Verteidiger Keven Gall möglicherweise wieder in den Kader zurückkehren. »Wir müssen klären, ob in der Sperre von vier Spielen die Partie auf Bewährung bereits eingerechnet ist«, erklärt Carroll, der trotz der scheinbar klaren Rollenverteilung den Wochenend-Spielen eine besondere Bedeutung beimisst. »Wir können mit Blick auf die Playoff-Teilnahme nahezu klare Verhältnisse schaffen.

Wenn wir in beiden Partien gewinnen, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass diese beiden Mannschaften uns noch abfangen können - selbst, wenn wir mal ein Tief haben«, glaubt der Coach. Derzeit trennen 21 Punkte (bei drei Spielen weniger) die Roten Teufel von den Saale Bulls Halle, 24 Zähler (bei einer Partie weniger) sind es zu Aufsteiger Herne.

Die Saale Bulls haben in dieser Woche Konsequenzen aus dem bislang unbefriedigenden Abschneiden gezogen. Am Dienstag hat sich der Klub von Trainer Jaroslav Stasny getrennt. Der 42-jährige Tscheche stand bereits vor zwei Jahren an der Bande der Bulls und war während der Sommerpause zurückgekehrt, nachdem er zuvor als Nachwuchstrainer beim ETC Crimmitschau tätig war. Zunächst wird nun Co-Trainer Uwe Liebetrau die Mannschaft übernehmen. Die Spieler haben sich derweil mit einem offenen Brief an ihre Fans gewandt, die zuletzt mehr und mehr der Eishalle ferngeblieben waren. »Die letzten Wochen waren für alle von uns nicht einfach und wir haben Verständnis für Euren Frust. Ihr wart zu Recht enttäuscht und stinksauer. Als Ihr am Sonntag die Tribüne verlassen habt, haben wir brutal gespürt , wie sehr uns Eure Unterstützung auf dem Eis gefehlt hat.

Wir befinden uns ohne Zweifel in einer sportlichen Krise. Niemand von uns will die Lage unseres Vereins schönreden. Deshalb versprechen wir Euch zu kämpfen. Wir wollen mit Entschlossenheit aus dieser schwierigen Phase wieder schnell herauskommen.Wir brauchen Eure Unterstützung, damit wir unserem gemeinsamen Ziel näher kommen: den Playoffs 2008/2009«, heißt es in dem von 24 Bulls-Cracks signierten Dokument.

Am Sonntag kommt es zum Wiedersehen zweier Klubs mit Tradition. Schon in den 80er Jahren hatten sich die Wege von Bad Nauheim und Herne immer wieder gekreuzt, ein echtes Highlight der jüngeren Vergangenheit war die Playoff-Finalserie in der Saison 2006/2007. Mehr als 2000 Zuschauer hatten das Hinspiel in der Wetterau verfolgt, vor mehr als 4000 Eishockey-Anhängern am Gysenberg gewann Herne schließlich den Regionalliga-Titel, musste aus wirtschaftlichen Gründen aber noch eine einjährige Ehrenrunde im Landesverband drehen, ehe der Aufstieg nun dank der Unterstützung von Ralph Pape, Mäzen des DEL-Klubs Duisburg, realisiert werden konnte. Die Euphorie ist angesichts ausbleibender Erfolge schnell verflogen. Trainer Kristian Sikorksy wurde längst durch Niklas Sundblad ersetzt - die erhoffte Wirkung blieb aus.

Der lange Arm der Füchse Duisburg reicht nach Herne, wo durch zahlreiche Förderlizenzspieler, den steten Austausch auf den Ausländerstellen und nicht zuletzt durch die ungewöhnliche Position von Shannon McNevan (spielender Manager) eine gewisse Unruhe entstanden ist. Sven Linda hat es bereits zum Regionalligisten Dortmund gezogen, Torwart Christian Lüttges und Stürmer Danny Fischbach planen ebenfalls ihren Abschied, so dass in Bad Nauheim voraussichtlich die Nummer zwei, Henrik Sirringhaus, das Tor hüten wird. Ob der von der Wedau ans »Farmteam« abgeschobene Igor Alexandrow, der seit gut einem Jahrzehnt in der Deutschen Eishockey-Liga unter Vertrag steht, angesichts einer Fußverletzung am Wochenende auflaufen wird, steht noch in Frage. Immerhin: Mit Cameron Mann hat Herne einen zweiten Spieler mit ruhmreicher Vergangenheit unter Vertrag. Der frühere NHL-Profi (rund 80 Spiele) wurde von den »Füchsen« beim Drittligisten »geparkt«, um seine Form für ein DEL-Comeback im Januar zu finden.

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