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Regionalligisten auf der Suche nach dem goldenen Weg

  • vonred Redaktion
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(sno/mka). Nicht nur die Saison ist mit dem 1. Juli seit Mittwoch offiziell abgeschlossen, auch das Geschäftsjahr des FC Gießen ist beendet - kann das nächste nur besser werden? Der kommissarische Geschäftsführer Markus Haupt und Dr. Kai Braun, Gesellschafter der neuen Sponsoren-GmbH, arbeiten daran.

Ein halbes Jahr nach der Übernahme der Verantwortung durch Markus Haupt lässt sich festhalten: Grundlegende strukturelle Veränderungen sind notwendig, damit Regionalliga-Fußball in Gießen dauerhaft Bestand hat.

Am 23. November 2019 trat Jörg Fischer öffentlichkeitswirksam als Geschäftsführer des FC Gießen zurück - am 10. Januar 2020 sagte sein Nachfolger Markus Haupt: "Zum neuen Jahr soll es einen klaren Neuanfang geben." Tatsächlich hat der klare Schnitt in dieser Form nicht stattgefunden. Jörg Fischer ist nach wie vor bei nahezu jeder Vorstandssitzung dabei, in relevante Entscheidungen eingebunden. Fischer, der den FC Gießen hervorgebracht hat, hält die Zügel weiter mit in der Hand.

Zwar wurde die "Offensive"-GmbH zur Unterstützung der Regionalliga-Mannschaft gegründet, die Spiellizenz aber liegt nach wie vor beim Verein - dessen Vorstand für die Tilgung der noch bestehenden Altlasten verantwortlich ist. Ein Unsicherheitsfaktor für viele interessierte Unternehmen. Ein Vorstandsmitglied bemängelt: "Mir fehlt die Transparenz im Verein. Wenn man beim FC Gießen Geld investiert, weiß man nicht sicher, wo es letztlich landet." Auch den drei schon im Frühjahr 2020 wieder ausgestiegenen Geldgebern wurde kein exakter Einblick in die Finanzen gewährt.

Offizielle Gespräche mit bestehenden und potenziellen neuen Sponsoren führt vornehmlich Geschäftsführer Haupt, der aber beruflich stark beansprucht ist und somit begrenzte zeitliche Kapazitäten besitzt. Um das avisierte Budget von 650 000 Euro für die kommende Spielzeit 2020/21 zu erreichen, braucht der FC Gießen weiterhin neue Sponsoren.

Dem FC fehlt ein breit angelegtes Marketingkonzept. Als die Führung um Haupt und Braun interessierten heimischen Unternehmen Anfang des Jahres bei einem Sponsorenabend auf dem Schiffenberg schlicht Zettel präsentierte, auf denen eine Summe angekreuzt werden konnte, war die Verwunderung in Wirtschaftskreisen groß. "Hilflos", "dilettantisch", "katastrophal" - mit diesen Worten wird der Abend von Sponsoren beschrieben. Ein Unterstützer des FC sagt: "Wenn man Sponsoren gewinnen will, muss man ihnen ein Konzept vorlegen. Ich brauche zumindest eine kleine Gegenleistung."

Mit den Gegenleistungen ist das so eine Sache: Vereinbarungen über den Partnerstatus hinweg wurden in der vergangenen Saison nicht immer eingehalten: Vom Liefern eines Fanschals bis hin zum Organisieren eines Netzwerktreffens. Kai Braun sagt: "Wir brauchen die Power aus Gießen und den anliegenden Landkreisen." Dafür muss der FC den Sponsoren etwas bieten - und offen sein für Veränderungen.

Verzwickte Lage in Bornheim

Auch am Bornheimer Hang waren die vergangenen Monate schwierig. Am 20. Juli beginnt die erste Mannschaft mit der Vorbereitung auf die neue Saison in der Fußball-Regionalliga Südwest, die dann am 1. September starten soll - so es die Corona-Umstände zulassen.

Es wird, wie es FSV-Präsident Michael Görner nennt, eine "Mammutstaffel". Mit 22 Mannschaften und 42 Spieltagen. Durch den Abbruch der zurückliegenden Saison wurden keine Absteiger ermittelt.

"Andere Verbände haben anders entschieden", sagt Görner und verweist auf die Regionalliga Nord, die in zwei Elferstaffeln sowie Meister- und Abstiegsrunden ausgetragen wird: "Das hätte ich für besser gehalten." Im prallen Südwest-Kalender sind sieben Mittwochstermine fest eingeplant.

Der Kader hat bereits Formen angenommen, in den nächsten Tagen dürfte noch Verstärkung verkündet werden. "Wir sind optimistisch, dass wir einen wettbewerbsfähigen Kader haben, der eine gute Rolle spielen kann", sagt Michael Görner. Eher nicht in Aufstiegsregionen, aber möglichst weit weg von Abstiegsplätzen.

Klar ist auch, dass dafür weniger Geld zur Verfügung steht. "Letztes Jahr lag der Etat für den gesamten sportlichen Bereich bei 850 000 Euro, da müssen wir bis 15 Prozent sparen", erklärt Görner.

Zwar laufen die Gespräche mit Partnern und Sponsoren gut, Einbußen aber wird es weiter geben, Unwägbarkeiten auch. Noch immer sind Veranstaltungen im selbst vermarkteten Stadion kaum möglich, noch weiß keiner, ob die Mieter von Frankfurt Universe ihre Runde in der German Football League spielen können. Görner: "Das ist für uns keine einfache Situation."

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