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Tim Hirsch aus Steinfurth zieht es von Frankfurt Universe für eine Saison ins Ausland. Der 29-Jährige spielt im Sommer 2020 für die Kuopio Steelers. Foto: Hübner

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Wie ein Steinfurther Football-Profi in Finnland wird

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Tim Hirsch erfüllt sich einen Traum. Der Steinfurther lebt einen Sommer lang als Football-Profi in Finnland.

Finnland also. Kuopio, um genau zu sein. Tim Hirsch hatte unter einigen Offerten aus dem europäischen Ausland wählen können. Nach zwei Jahren bei Frankfurt Universe in der German Football League hat sich der Steinfurther nun für einen Wechsel nach Skandinavien entschieden. Das 29-jährige Offensive-Line-Spieler erfüllt sich einen Traum. Er wird Profi; wenn auch nur für einen Sommer.

Kuopio, seine temporäre künftige Wahl-Heimat, kennt Tim Hirsch bislang nur aus Erzählungen. 120 000 Einwohner, eine Stadt mit vielen Studenten und kurzen Wegen in die Natur. Wälder und Wasser prägen die Landschaft in der Mitte Finnlands. "Ein bisschen ist’s natürlich ein Abenteuer. Das Gesamtpaket, die Kombination aus herausforderndem Sport, dem Reisen, der Kultur - das macht’s für mich aus", sagt Hirsch. Zweimal in Folge hatten die Steelers, wie sich die Footballer aus Kuopio bezeichnen, zuletzt das Final in Finnland erreicht; und zweimal verloren. Hinter Deutschland und Österreich zählt das Land der 1000 Seen zusammen mit Frankreich zu den Top-Adressen im europäischen Football, der sich mehr ins mehr dem kontinentalen Spielermarkt öffnet. "Das hat sich in den letzten Jahren doch zunehmend entwickelt. Ich freue mich sehr, dass man auch als europäischer Footballer inzwischen solche Optionen hat." Neben drei Nordamerikanern werden eine Handvoll Europäer für die Kuopio Steelers von Mai bis September auf dem Feld stehen.

Tim Hirsch zählte beim 2019-Halbfinalisten Frankfurt Universe zum Stammspieler in der Offensiv-Line. Das Anforderungsprofil: mehr als 130 Kilogramm Körpergewicht und trotzdem sportlich. "Da ist die Auswahl ja eher begrenzt", sagt Hirsch. Eine Schulterverletzung warf ihn zurück. Frankfurt holte Ersatz. Die Saison beendete Hirsch als klassischer Rollenspieler, sprang ein, wo er gebraucht wurde; ein Vorteil auf dem Markt. "Ich bin flexibel, kann auf vier der fünf Positionen in der Line spielen. Das kommt natürlich gut an."

Internet-Plattformen dienen der Kontaktaufnahme. Die Top-Klubs der German Football League und deren Personal genießen hier einen sehr guten Ruf. Im Vorjahr, als nach dem Einzug in den German Bowl Anfragen von nationalen Klubs kamen, reifte die Idee, die Chance tatsächlich einmal zu ergreifen, wenn es denn beruflich zu vereinbaren sein. Nun, im Jahr 2020, ist es soweit. Hirsch, der als Veranstaltungskaufmann in Frankfurt tätig, kann sich freistellen lassen - "sonst hätte ich das auch sicher nicht gemacht". Er folgt seiner inneren Stimme nach Kuopio. "Ich war im Gespräch mit dem Headcoach der Steelers gleich auf einer Welle. Der Klub hat erkennen lassen, dass man mich wirklich haben will", sagt Hirsch.

Der Begriff "Profi" gefalle ihm nicht, sagt er. "Vielleicht habe ich auf der Rückreise einen Fuffy mehr in der Tasche als auf dem Hinweg. Ich sehe es eher als Work & Travel." Bei den Kuopio Steelers wird Hirsch - wie auch alle anderen Importspieler - in die Nachwuchsarbeit eingebunden, hat darüberhinaus Zeit, Land und Leute kennenzulernen. Die Idee, auch die Sprache kennenzulernen, hat er bereits verworfen. "Mir wurde abgeraten. Für den kurzen Zeitraum ist’s einfach zu schwierig." Im Januar wird Tim Hirsch sich in Kuopio vorstellen, im März ein zweites Mal vor Ort sein, ehe die Saison dann im Mai beginnt (bis September). Worauf er sich schon jetzt am meisten freut: "Einmal aus der Sauna raus - und ab in einen eiskalten See."

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