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Kai Stetzer will sich mit den Herren der Sportwelt Rosbach in der Tennis-Hessenliga etablieren. (Foto: Chuc)

Hessenliga

Auf den Spuren des Fast-Aufstiegs in die Bundesliga: Tennis-Renaissance in Rosbach

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Die ganz großen Zeiten liegen rund zwei Jahrzehnte zurück. Jetzt sind die Tennis-Herren der Sportwelt Rosbach in die Hessenliga aufgerückt - auch, um dem Klub neuen Schub zu geben.

Lang, lang ist’s her - 1990 war’s, um genau zu sein. Rosbach, damals noch als Tennispark bekannt, hatte als Aufsteiger in die Regionalliga völlig überraschend die Aufstiegsrunde zur Bundesliga erreicht. Erst im Endspiel gegen Düsseldorf mussten sich die Wetterauer knapp geschlagen geben. Die Sensation hatte in der Luft gelegen. "Im Vorstand hatten wir schon feuchte Hände bekommen. Die Bundesliga wäre wohl nicht zu finanzieren gewesen", erinnert sich Peter Hoenig, damals die treibende Kraft im Klub. Der Fast-Durchmarsch hatte einen regelrechten Hype ausgelöst, Zuschauerzahlen im mittleren dreistelligen Bereich wurden registriert. Profis wie Lars Walgren und Christer Allgardh, zwei Schweden, waren zu dieser Zeit die Identifikationsfiguren in Rosbach, dem damaligen Tennis-Aushängeschild in der Wetterau. Acht Jahre hielt sich der Klub in der Regionalliga, der zweithöchsten Klasse. Nach weiteren fünf Spielzeiten in der Hessenliga verabschiedeten sich der Tennispark aus dem bezahlten Sport. Ein Gewöhnungseffekt war eingetreten, Sponsoren rar.

Sportwelt Rosbach in der Hessenliga mit Bad Vilbel in einer Klasse

Im Sommer 2019 ist Rosbach wieder auf der Hessenliga-Landkarte zu finden. Die Herren, im Vorjahr als Dritter der Verbandsliga hauchdünn am Aufstieg gescheitert, sind nachgerückt, sind eine von gleich vier (!) neuen Mannschaften in der höchsten Spielklasse des Hessischen Tennis-Verbandes; und neben dem TC Bad Vilbel das zweite Team aus der Wetterau. Ein mächtiger Schritt. Ein Wagnis? "Ja, das ist schon ein Riesensprung; gerade auf den vorderen Positionen. Aber wir hatten nach den Erfahrungen aus dem letzten Jahr ohnehin den Aufstieg zum Ziel. Das wurde jetzt quasi vorgezogen", sagt Jan Stetzer, Kopf der Gruppe. Die Besonderheit: Die Mannschaft setzt sich - von ein, vielleicht zwei zwingend notwendigen Verstärkungen aus dem Ausland, die noch gesucht werden - ausschließlich aus Spielern mit Wurzeln in der Region zusammen. Jan und sein Bruder Kai, aktuell Nummer eins der Meldeliste, sind waschechte Rosbacher Jungs; ebenso wie Ben Griedelbach (derzeit Stipendium in den Vereinigten Staaten). Aus Wölfersheim - und in Rosbach über die Jahre hinweg längst eingemeindet - stammt Fabio König, und in Assenheim sind die Brüder Magnus und Philip Müller zu Hause, die zuletzt in der Hessenliga für den TC Palmengarten gespielt haben. Sie alle eint ihre Leidenschaft zum gelben Filzball. Sie sind Studenten, Tennis-Lehrer (auch in Rosbach) - und längst auch Freunde. Lediglich Philipp Stockmar hat Rosbach verlassen und sich dem SC 80 Frankfurt angeschlossen.

Unser Ziel ist der Klassenerhalt. Zugleich sind wir überzeugt, dass wir in der Lage sind, uns zu etablieren

Jan Stetzer

"Wir kennen uns alle schon sehr lange. Das hat schon einen besonderen Charme", sagt Stetzer mit Blick auf die Konkurrenten, die auch gerne mal auf Einkaufstour gehen und oftmals wirtschaftliche Grenzen ausreizen, was schlussendlich auch den immer wiederkehrenden Umbruch in der Spielklasse begründet. "Unser Ziel ist der Klassenerhalt. Zugleich sind wir überzeugt, dass wir in der Lage sind, uns zu etablieren, wenn es uns gelingt, den Aufstiegsschwung mitzunehmen", sagt Stetzer. Er selbst kennt bislang nur die U 18-Hessenliga, sein jüngerer Bruder Kai (derzeit die Nummer 180 der Deutschen Rangliste) sowie die Müller-Brüder haben auch schon im Herren-Bereich in dieser Klasse gespielt.

Sportwelt Rosbach beginnt die Saison am 6. Juli gegen Kronberg

Mit Hanau, Wiesbaden und Darmstadt wird Rosbach wohl um den Klassenerhalt kämpfen. Vorne im Klassement sind Eintracht Frankfurt, Kronberg und Bad Vilbel zu erwarten; Klubs, die ihre Schlüsselpositionen mit Spielern aus den Top 300 der Weltrangliste besetzt haben.

An acht Tagen im Juli wird gespielt. Das Heimspiel gegen den Vorjahres-Regionalligisten TEVC Kronberg eröffnet am 6. Juli (10 Uhr) die Saison. "Echte Happenings" wünschen sich Hoenig und Stetzer für die Saison. Und vielleicht erlebt Tennis in Rosbach ja eine Renaissance.

Info

Vom Tennispark zur Sportwelt

Der Tennispark Rosbach (TPR) öffnete 1978 als Vier-Feld-Tennisanlage mit einem Squash-Court, zwei Kegelbahnen und Gastronomie seine Pforten. Zwei Jahre später nahmen Wettkampfmannschaften am Tennis-Spielbetrieb teil. Nach sechs Aufstiegen in Folge wurden die Farben des TPR 1986 erstmals in der Oberliga vertreten. 1989 stieg der Tennispark Rosbach in die Regionalliga (2. Bundesliga) auf und spielte dort fortan acht Jahre. Der Nachwuchs- und Breitensport boomte, der Tennispark meldete in der Spitze bis zu 27 Wettkampfmannschaften an, hatte rund 500 Mitglieder. Die zeitgeistlichen Entwicklungen hin zum Gesundheits- und Rehasport wurden im Tennispark früh erkannt. 1998 wurden die beiden Squash-Courts zum Fitnessbereich umgebaut. Die Sportwelt hatte nun auch ein Cardio- & Krafttraining sowie Kurs- und Gesundheitsangebote. Sechs Jahre später entstand der erste Indoor-Spielpark der Region. Seit Juni 2016 verfügt die Sportwelt Rosbach mit dem "Gesundheitszentrum" über eine eigene Privatpraxis für Physiotherapie und Massage. Etwa 250 der insgesamt rund 2000 Vereinsmitglieder spielen Tennis. Drei Mannschaften sind auf Landesebene aktiv, zehn weitere Teams im Bezirk. Zudem besteht in den Altersklassen U 10/U 12 eine Kooperation mit dem TV Köppern.

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