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Für Sprinter Till Helmke ertönt der letzte Startschuss

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(pm/mw) Mit seinen vor fünf Jahren in Wetzlar erzielten 20,37 Sekunden rangiert Till Helmke auf Rang vier der ewigen deutschen Bestenliste über 200 Meter, zwei Teilnahmen bei Olympischen Spielen sowie zahlreiche internationale Einsätze stehen in seinem Steckbrief. Nun ist der letzte Startschuss ertönt: Der beim TSV Friedberg-Fauerbach zum nationalen Spitzensprinter und erfolgreichsten Wetterauer Sportler aufgestiegene Helmke hat dieser Tage sein Karriereende verkündet.

»Es war kein einfacher Entschluss, aber wohl der richtige. Es hat nun einen offiziellen Charakter, nachdem in den vergangenen Wochen einiges in der Schwebe lag«, sagt der in Ober-Rosbach aufgewachsene Helmke. Der 28-Jährige war im vergangenen Winter zum TSV Bayer 04 Leverkusen gewechselt, hauptsächlich wegen seines Studiums an der Deutschen Sporthochschule (Spoho) in Köln. Nachdem er auch beim deutschen Leichtathletik-Vorzeigeverein weiterhin mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte und sich zudem mit Beginn dieses Semesters seine Anwesenheit an der Spoho auf zwei Tage in der Woche beschränkt, verabschiedete er sich bereits vor einigen Wochen aus der Chemiestadt. Danach hatte Helmke mit seinem ehemaligen Vereinskollegen und Mitbewohner Florian Schwalm versucht, unter dem Dach des TSV Friedberg-Fauerbach für die kommende Saison ein Staffel-Team aus zumeist ehemaligen Topsprintern auf die Beine zu stellen. Dies scheiterte, und so war der Weg endgültig frei für das Karriereende – zumal Helmke im nächsten Jahr seine Masterarbeit schreibt und schon vorher sein Berufsleben in einem sportbezogenen Umfeld beginnen möchte.

Helmke weiß, wer ihn an die deutsche Sprintspitze geführt hat: »Ohne ein starkes Team an seiner Seite gewinnt man heutzutage als Einzelsportler nichts mehr. Darum möchte ich mich bei allen Menschen bedanken, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Speziell bei meiner langjährigen Trainerin Sieglinde Weber, den vielen Helfern in meinen Vereinen, meinen Förderern und natürlich meiner Familie.«

Olympia-Fünfter in Peking

Seine größten Erfolge feierte Till Helmke im blauen Trikot des TSV Friedberg-Fauerbach, zu dem er 1999 von der LG Rosbach-Rodheim kam. Mit 20 Jahren rannte er bei den Olympischen Spielen 2004 in den 200-Meter-Zwischenlauf und gehörte in Athen auch zur 4x100-Meter-Staffel. Im selben Jahr verpasste er mit seinen Teamkollegen in 38,30 Sekunden den damaligen deutschen Rekord nur um eine Hundertstelsekunde. 2008 in Peking belegte Helmke mit dem deutschen Sprint-Quartett einen starken fünften Platz. »Das war ein tolles Ergebnis.

Dabei war es gar nicht einfach, im richtigen Moment loszulaufen, da ich das Wechselkommando bei dem Lärm im Stadion gar nicht hören konnte«, erinnert sich Helmke ans olympische Finale im »Vogelnest« vor 90 000 Zuschauern, das er zu den absoluten Höhepunkten seiner Karriere zählt.

Seine beste Einzelleistung zeigte der Student 2007. Bei einem kleinen Sportfest in Wetzlar lief er die 200 Meter in 20,37 Sekunden und damit auf Platz vier der ewigen deutschen Bestenliste sowie zum hessischen Rekord. Gerade diese Tatsache ist aber auch charakteristisch für Helmkes Karriere. Denn häufig konnte er bei wichtigen Wettkämpfen seine Top-Form nicht zeigen, sodass ihm große Einzelstarts nach Olympia in Athen verwehrt blieben. Und auch einem deutschen Einzeltitel jagte Helmke vergeblich hinterher. Mit der Vereinsstaffel kam er jedoch auf zahlreiche Podestplätze bei den nationalen Meisterschaften.

Rückschlag 2009 ist der Anfang vom Ende

Einen Rückschlag musste der Sprinter ausgerechnet 2009 hinnehmen. Kurz vor der Heim-WM in Berlin zog sich der 28-Jährige einen Muskelfaserriss zu. Die als ein Karrierehöhepunkt gedachte WM mit den Fabel-Weltrekorden von Usain Bolt erlebte Till Helmke nur als Zuschauer. Dabei wäre der Hesse nur zu gern noch einmal gegen den Über-Sprinter angetreten. Schließlich ist er einer der wenigen deutschen Athleten, der sich in einem internationalen Einzelfinale mit dem Jamaikaner maß. 2002 in Kingston belegte Helmke bei Bolts Heimsieg im 200-Meter-Finale Platz sieben der U20-Weltmeisterschaften.

Ebenfalls vor zehn Jahren im Finale dabei war Sebastian Ernst. Der Neu-Leverkusener wäre sehr gern mit seinem früheren Dauer-Konkurrenten 2013 gemeinsam in einer Bayer-Staffel gestartet. »Doch diesen Gefallen konnte ich ihm leider nicht tun«, schmunzelt Helmke. Zu viele Verletzungen machten ihm in den vergangenen Jahren zu schaffen. »So konnte ich wegen Achillessehnenproblemen kaum schnelle Trainingseinheiten bestreiten«, erinnert er sich. Sein letztes Jahr mit internationalen Starts war demnach 2008.

Trotz des Karriereendes wird Till Helmke dem Sport erhalten bleiben: »Es ist noch nichts unterschrieben. Aber so wie es aussieht, kann ich schon während Studiums mein Berufsleben in einem sehr sportbezogenen Umfeld beginnen.« Zuvor hatte der 200-Meter-Spezialist schon ein BWL-Studium in Frankfurt abgeschlossen. In der Mainmetropole wohnt der zwölffache Deutsche Jugendmeister seit wenigen Jahren mit seiner Frau Stephanie, die gemeinsame Mietswohnung behielt das Ehepaar auch während Helmkes Zeit in Köln.

An die nun »freie« Zeit mit weniger Trainingseinheiten muss er sich erst noch gewöhnen. »Ich fühle mich schon nicht gut, wenn ich nur zwei- oder dreimal in der Woche trainiere«, sagt Helmke, der das Radfahren mittlerweile für sich entdeckt hat und schon zahlreiche längere Touren rund um Frankfurt absolviert hat. In der kalten Jahreszeit setzte der Student bislang auch auf Dauerläufe. »Nirgends ist man so kreativ wie beim Joggen«, sagt er. Er könne sich aber auch vorstellen, eine Teamsportart zu beginnen – »um herauszufinden, wie ein Mannschaftssportler tickt; und weil es viele Sportarten gibt, die Spaß machen«.

Bestzeiten

100 m: 10,31 sec (2004)

200 m: 20,37 sec (Hessischer Rekord, Platz vier in der ewigen deutschen Bestenliste/2007)

4x100 m (DLV): 38,30 sec (2004/drittschnellste Zeit einer DLV-Staffel)

4x100 m (Verein): 39,79 sec (Hessischer Rekord/2008)

Halle 60 m: 6,70 sec (2002)

Halle 200 m: 21,02 sec (2005)

Größte Erfolge

Olympia-Fünfter 2008 in Peking über 4x100 Meter, Olym-pia-Teilnehmer 2004 in Athen (200 m und 4x100 m)

WM-Teilnehmer 2005 und 2007 (4x100 m)

2. U23-EM 2005 (4x100 m)

4. Universiade 2005 (200 m)

2. U20-EM 2003 (100/4x100 m)

3. U20-EM 2003 (200 m)

7. U20-WM 2002 (200 m)

6. U18-WM 2001 (200 m)

Deutscher Schüler-Rekordler 75 m (8,36 sec)

Vielfacher Medaillengewinner bei Deutschen Meisterschaften

Auszeichnungen

Ehrenpreis des Hessischen Leichtathletik-Verbandes 2011

Sportehrenpreis des Wetteraukreises 2010

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