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Steven Müller (Mitte) läuft in Doha die sechstschnellste Zeit seiner Karriere und scheidet doch nach dem Vorlauf über 200 Meter aus.

Leichtathletik-WM

Sprinter Steven Müller nach dem WM-Aus von Doha: Enttäuscht und doch "happy"

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  • Julia Nestle
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Steven Müller von der LG ovag Friedberg-Fauerbach war der einzige männliche Sprinter Deutschlands bei der Leichtathletik-WM in Doha. Nach dem Aus im Vorlauf ist er enttäuscht über die Zeit - und trotzdem glücklich.

Erfahrungen wollte er bei seinen ersten Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha sammeln und sich als einziger deutscher Sprinter, der im Einzel nominiert worden war, gut präsentieren. Steven Müller, der Topsprinter der LG ovag Friedberg-Fauerbach, hat genau das auch geschafft. Seinen Vorlauf über 200 Meter am Sonntagabend finishte er in 20,69 Sekunden - die sechstschnellste Zeit, die er jemals gelaufen ist. Und doch keine Zeit, mit der der LG-Athlet so richtig zufrieden war. "Natürlich ist er enttäuscht von seiner Zeit", sagte sein Trainer Otmar Velte, der mit Müller direkt nach dem Lauf telefoniert hat. "Aber er ist auch super happy, dass er die Erfahrung gemacht hat und kann da auf jeden Fall etwas mitnehmen."

Müller hatte erst eine Woche vor seinem WM-Start überhaupt erfahren, dass er noch kurzfristig nominiert worden ist. Die Konkurrenz über 200 Meter - übergroß. Nach wenigen Metern wurde der 29-Jährige in seinem Vorlauf schon vom WM-Bronzemedaillengewinner über 100 Meter, André de Grasse aus Kanada, überholt. "Es war schwer, bei sich zu bleiben. Bis zum Start habe ich nicht gewusst, wer in meinem Rennen ist", sagte Müller gegenüber dem Online-Dienst leichtathletik.de. "Als ich gesehen habe, dass André de Grasse hinter mir läuft, habe ich gehofft, dass das ein guter Push wird und habe versucht, nicht zu verkrampfen. Aber ich habe gemerkt: Alle ziehen vorbei."

Der Traum von Steven Müller war das Halbfinale

Wie fällt das Fazit von Trainer Velte, der in der hessischen Heimat geblieben war, aus? "Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass er ein bisschen schneller ist. Mit seiner Bestzeit wäre Steven sogar ins Halbfinale gekommen. Das war eigentlich das Ziel, beim Saisonhöhepunkt die beste Leistung abzurufen. Trotzdem sind wir zufrieden mit seiner ersten WM und allem Neuen drumherum. Wir sehen, da ist noch viel Potenzial - und das ist doch prima."

Die erste Enttäuschung, nicht in die Nähe seiner Bestzeit von 20,42 Sekunden gelaufen zu sein, wird bei Müller also bestimmt schnell in Stolz umschlagen. Stolz kann er in der Tat sein, bei der dritten internationalen Meisterschaft in Folge im deutschen Nationaltrikot gelaufen zu sein. Seit 2011 war übrigens kein Deutscher mehr über die 200 Meter bei einer Weltmeisterschaft gestartet.

Das nächste Ziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo

Das neue Ziel für den Sprinter aus Kassel, der als Quereinsteiger vom American Football erst spät zu Trainer Velte und der Leichtathletik gekommen war, lautet: Tokyo 2020 - die olympischen Spiele. Sollte die Leistungskurve wie in den vergangenen sieben Jahren weiter kontinuierlich nach oben zeigen, dürfte Müller in der neuen Saison nicht nur weiter die deutsche Konkurrenz dominieren, sondern auch international der nächste Schritt zuzutrauen sein. Dann würde es vielleicht auch für den Halbfinaleinzug bei einem internationalen Großereignis reichen - und Müller würde die Fahnen der DLV-Sprinter weiter alleine hochhalten.

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